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Schulleiterin Doris Brühöfner begründete den Antrag des Schulvorstands zur Umbenennung der Schule. - © FOTO: RHO
Schulleiterin Doris Brühöfner begründete den Antrag des Schulvorstands zur Umbenennung der Schule. | © FOTO: RHO

BOFFZEN Heinrich Sohnrey als Nazi entlarvt

Grundschule in Boffzen wird umbenannt

VON ROSWITHA HOFFMANN-WITTENBURG
08.03.2012 | Stand 08.03.2012, 16:44 Uhr

Boffzen. "Fort mit Schaden!" lässt Heinrich Sohnrey eine seiner Romanfiguren "im Hinblick auf die Folgen des Blutmischmasches zwischen deutscher und minderer Rasse" sagen. Jetzt hat es ihn selbst erwischt. Die nach ihm benannte Grundschule in Boffzen heißt zukünftig: "Am Sollingtor".

Heinrich Sohnreys 150. Geburtstag wurde noch groß und mit den gewohnten Würdigungen seiner Lebensleistung zum Wohl der Sollingdörfer gefeiert. Drei Monate vor dem 153. hat den Lehrer, Schulgründer und Dichter ein anderer abgründiger Aspekt seines Lebens eingeholt und vom Sockel gestürzt. In Boffzen wie auch in anderen Städten und Orten in Südniedersachsen ist der Namensgeber mehrerer Schulen und vieler Straßen auf Grund seiner antisemitischen und rassistischen Gedankenguts als Ideal und Vorbild nicht mehr gelitten.

Einstimmig folgte der Schul- und Sozialausschuss der Samtgemeinde Boffzen unter Leitung von Brigitta Waske dem von Schulleiterin Doris Brühöfner erläuterten Antrag der Eltern und des Schulvorstands zur Umbenennung der Heinrich-Sohnrey-Schule in Boffzen. Der neue Name soll "Grundschule am Sollingtor" lauten. Die rechtswirksame Beschlussfassung obliegt dem Samtgemeinderat.
      

ZUR PERSON

In Berlin gelebt, in Neuhaus gestorben

Heinrich Sohnrey wurde am 19. Juni 1859 als uneheliches Kind eines Freiherrn und einer Magd in Jühnde geboren. Er studierte in Göttingen und Berlin, wo er bis 1943 lebte.

Die letzten Lebensjahre verbrachte er in Neuhaus, wo er 1948 im Alter von 88 Jahren starb. Sein Einsatz und Wirken zum Wohl der  heimischen Landbevölkerung brachte ihm höchste Anerkennung ein.

Eine Ende 2011 veröffentlichte Studie des Göttinger Germanisten Frank Möbus charakterisiert Sohnrey als ideologischen Anhänger des Nationalsozialismus.

Zahlreiche entlarvende Zitate aus seinen Werken, die nach Ansicht Boffzener Schul- und Sozialausschusses "keine Fragen mehr offen lassen", dokumentieren sein antisemitisch und rassistisch geprägtes Gedankengut, das er in zahlreichen Schriften und Werken zum Ausdruck brachte.

Unbekannt waren seine Sympathien für die harte Gangart des nationalsozialistischen Führers nicht: So gehörte er neben Gottfried Benn und 86 weiteren Schriftstellern, die 1933 das öffentliche "Gelöbnis treuester Gefolgschaft für Adolf Hitler" unterzeichneten.

Aber so genau hingesehen und die entsprechenden Schlussfolgerungen gezogen wie Literaturwissenschaftler Möbus, Leiter des Arbeitsbereichs zur Ermittlung von nationalsozialistischem Raub- und Beutegut in Seminarbibliotheken der Universität Göttingen, hatte noch keiner. (rho)

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