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Dr. Ernst Rösner erläuterte im Schulausschuss seine Einschätzung zur Errichtung einer Gesamtschule in Bad Driburg.
Dr. Ernst Rösner erläuterte im Schulausschuss seine Einschätzung zur Errichtung einer Gesamtschule in Bad Driburg.

BAD DRIBURG Gesamtschule für Bad Driburg

Schulausschuss ist sich einig

VON SILKE RIETHMÜLLER
01.03.2012

Bad Driburg. Der Schulausschuss der Stadt Bad Driburg stellte am Dienstagabend die Weichen für die Errichtung einer Gesamtschule in der Badestadt. Einstimmig empfahlen die Mitglieder des Gremiums dem Stadtrat, die Caspar-Heinrich-Hauptschule, die Friedrich-Wilhelm-Weber-Realschule und das Städtische Gymnasium zum Schuljahr 2013/14 zu einer Gesamtschule zusammenzuführen. "Dies ist zunächst einmal eine Empfehlung an die Stadtverordneten, aber sie ist richtungsweisend", betonte Bürgermeister Burkhard Deppe.

"Bad Driburg ist bereits ein hervorragender Bildungsstandort. An allen Schulen wird eine ausgesprochen gute pädagogische Arbeit geleistet", bekräftigte der Verwaltungschef erneut im Ausschuss. Dennoch könne und dürfe man die Augen vor der demografischen Entwicklung nicht verschließen. "Zum Ende dieses Jahrzehnts werden die Hauptschule und das Städtische Gymnasium aufgrund der stark zurückgehenden Schülerzahlen kaum noch eine Zukunft haben", so Deppe.

Es gelte daher rechtzeitig wichtige Entscheidungen für eine tragfähige Zukunft der Bildungslandschaft in Bad Driburg zu treffen, die sicher niemandem leicht fiele. "Das Wohl unserer Kinder sollte dabei das Maß aller Dinge sein", unterstrich der Bürgermeister. Es gehe insbesondere um zukünftige Schülergenerationen, aber auch um die betroffenen Lehrerkollegien.

Die Verwaltung habe daher von Anfang an alle Zahlen und Fakten offen gelegt. "Die Ergebnisse der Elternbefragung sind bereits seit einigen Wochen im Internet nachzulesen", betonte Deppe.

"Betrachtet man die reinen Zahlen, dann ist die Errichtung einer Gesamtschule in Bad Driburg rational gesehen die vernünftigste Lösung", erläuterte der Dortmunder Schulexperte Dr. Ernst Rösner seine Einschätzung im Schulausschuss. Die Option einer Sekundarschule sieht er nicht. "Bei der aktuellen Entwicklung der Schülerzahlen wäre dies keine langfristige Alternative. Sie bekämen eine Sekundarschule, die mit Gründungsdatum bereits ein Verfallsdatum habe", betonte der Schulexperte.

Die erste zu nehmende Hürde sei die für die Gründung einer Gesamtschule erforderlichen hundert Anmeldungen aus dem eigenen Stadtgebiet. "Wenn sie die ersten hundert geschafft haben, dann ist der Rest kein Problem mehr", sagt Rösner. In den Folgejahren habe der Schulträger nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, Kinder aus Nachbargemeinden aufzunehmen. Seiner Meinung nach werde auch eine Oberstufe, für die eine Regelgröße von 42 Schülern vorgeschrieben ist, an einer Gesamtschule in der Badestadt zustande kommen.

"Letztendlich entscheiden die Eltern", gab der Schulexperte zu bedenken. Und die müssten über die Qualitäten einer zukünftigen Gesamtschule informiert und in den Entwicklungsprozess mit eingebunden werden. Daher empfiehlt er der Stadt als Schulträger, im Vorfeld des Anmeldeverfahrens ein tragfähiges pädagogisches Konzept zu entwickeln und dieses intensiv zu kommunizieren.

"Schauen Sie sich auch einmal vor Ort bereits bestehende und erfolgreich laufende Gesamtschulen an. Nichts ist besser, als die Wirklichkeit zu sehen", betonte Rösner. Oberstes Ziel müsse es sein, die Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen Kinder "wohnortnah, glücklich und erfolgreich lernen" könnten.

"Im Augenblick wären zwei Gesamtschulen im Kreis Höxter tragbar. Aber Sie müssen jetzt schnell handeln und Entscheidungen nicht auf die lange Bank schieben", sagte der Schulexperte mit Blick auf die Schulentwicklungsplanung der Nachbarkommune Brakel.

"Ich bin sehr sicher, dass es ihnen gelingen wird, in Bad Driburg eine zukunftsfähige Gesamtschule auf die Beine zu stellen. Wie gut und anerkannt diese schließlich sein wird, daran müssen alle Beteiligten gemeinsam arbeiten", schloss Rösner.