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In Fachkreisen, wie hier auf der Florian, der Fachmesse für Feuerwehr, Brand- und Katastrophenschutz 2011 in Karlsruhe, begeistert die Drohne mit dem Gassensor. Frank Potthast, Vertriebsleiter bei Air Rotor Media, bildet mittlerweile Einsatzkräfte im Umgang mit dem Fluggerät aus. - © FOTO: AIR ROTOR MEDIA / REPRO: SEBASTIAN BEUG
In Fachkreisen, wie hier auf der Florian, der Fachmesse für Feuerwehr, Brand- und Katastrophenschutz 2011 in Karlsruhe, begeistert die Drohne mit dem Gassensor. Frank Potthast, Vertriebsleiter bei Air Rotor Media, bildet mittlerweile Einsatzkräfte im Umgang mit dem Fluggerät aus. | © FOTO: AIR ROTOR MEDIA / REPRO: SEBASTIAN BEUG
HOLZMINDEN

High-Tech-Drohne für die Feuerwehr

Neues Projekt von Air Rotor Media hilft Einsatzkräften / Kameraden müssen nicht mehr in Gefahrenzone

VON SEBASTIAN BEUG
07.01.2012 | Stand 06.01.2012, 20:39 Uhr

Holzminden. Die Gas-Havarie am 15. April des vergangenen Jahres im Gewerbepark Groppendiek ist vielen Bad Driburgern noch im Gedächtnis. Ein Bauarbeiter fräste eine Gasleitung an, das entweichende Gas war noch in Kilometern Entfernung zu hören. Erst nach fünf Stunden trauten sich Experten zu Messungen an die Unfallstelle heran. In Zukunft bietet sich Feuerwehren und Katastrophenschutz bei solchen Szenarien eine High-Tech-Alternative, welche das Leben der Kameraden nicht aufs Spiel setzt.

"Ich suche immer neue Ideen in diesem Bereich, weil ich selbst einmal Feuerwehrmann war", sagt Frank Potthast, Vertriebsleiter bei der Firma Air Rotor Media. Das in Holzminden ansässige Unternehmen ist eine unabhängige Tochter der Firma AirRobot aus Arnsberg, die Microdrohnen (bis 25 Kilogramm) für den militärischen Bereich fertigt. Potthast und sein Kollege, der Ingenieur Thorsten Kanand, bieten Kunden im Bereich TV und Broadcasting mit diesen Drohnen Videoaufnahmen in HD-Qualität.

Der Einsatz der Drohnen im Bereich der Feuerwehr und des Katastrophenschutzes, sowie für Inspektionen, macht jedoch mittlerweile 45 Prozent ihrer Arbeit aus, Tendenz steigend.
"Erst seit vier Monaten ist unser neuestes Projekt offiziell", betont Potthast. Und das hat es in sich: In Kooperation mit dem Fraunhofer Institut und der Firma Siegrist fertigt Air Rotor Media Gassensoren für ihre UAVs (Unmand Aerial Vehicle, Unbemanntes Luftfahrzeug).

Das größte dieser Luftfahrzeuge hat einen Durchmesser von zwei Metern, ein Gewicht von 14 Kilogramm und eine Stunde Flugzeit. Zudem ist es auf die Größe eines Golfcaddys faltbar. Der dort zu installierende Gassensor kann bis zu 30 verschiedene Gase unterscheiden.

"Die Kameraden sehen die Brandstelle, nicht aber die toxische Gefahr dahinter", erklärt Potthast einen Vorteil ihres Drohnensystems. Die Feuerwehrleute bekommen zudem die Konzentration der Gase angezeigt, anstatt im Schutzanzug in eine Gefahrenzone zu müssen. Bei ihren Entscheidungen hilft ihnen eine Ampel, die in das auswertende Computersystem integriert ist.

Ein Gassensor sei nicht die einzige Funktion, welche Potthast und Kanand den Drohnen implementieren. Mit zahlreichen Unternehmen, wie beispielsweise dem Feuerwehrtechnik-Lieferanten Gimaex Schmitz im Bereich der ABC Messzüge, ist Air Rotor Media in einer Kooperation.

"Nur die Verbindung einzelner Unternehmen hat dazu geführt, diese Fülle an Einsatzmöglichkeiten zu bieten", betont der Vertriebsleiter Potthast.

Erstaunlicherweise stieß der vor einigen Jahren vom Fraunhoferinstitut entwickelte Gassensor kaum auf Interesse. Die fertige Drohne jedoch ist ein Erfolg. Obwohl sie den beiden aufgrund eines Preises von 100.000 Euro nicht aus den Händen gerissen wird, ist der Bildungsbedarf zur Drohne groß. In Seminaren im Saarland und in Österreich stellte Potthast das System bereits Einsatzkräften vor.

Neben der technischen Genauigkeit schätzt Air Rotor Media die rechtliche. Die Bevölkerung ist verunsichert über die hochauflösenden Augen am Himmel. "Ängste der Bevölkerung kann ich verstehen", sagt Potthast. Doch in allen Bundesländern erwirbt Air Rotor Media Aufstiegsgenehmigungen. In NRW dürfen sie Microdrohnen bis 25 Kilogramm maximal 100 Meter aufsteigen lassen. In Katastrophenfällen gelten jedoch Sonderregelungen. "Zudem haben wir interne Richtlinien", betont Potthast.

Dazu gehöre auch, Feuerwehrleute in die Bedienung der Drohnen einzuweisen. So arbeitet Air Rotor Media mit Feuerwehrschulen zusammen, statt das Produkt einfach zu versenden. Denn es ist kein Spielzeug, sondern ein Instrument zum Schutz von Einsatzkräften und zur Rettung von Menschenleben.

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