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KREIS HÖXTER Schnelles Internet lahmt

Anbieter Sewikom und alter Netzbetreiber Telekom kritisieren sich gegenseitig

VON JENS MÖLLER
06.12.2011 | Stand 06.12.2011, 13:13 Uhr

Kreis Höxter. Stillstand statt Breitband: Das ist der Internetstatus von Gerald Lobing aus Vinsebeck. Seit Monaten wartet er auf seinen DSL-Anschluss. Der Anbieter Sewikom aus Beverungen räumt Probleme beim Ausbau des kreisweiten Netzes ein. Verursacher sei der bisherige Netzbetreiber Telekom. Ein Sprecher des Konzerns sagt hingegen, Sewikom habe sich "verplant".

"Ich bin schon enttäuscht", sagt Gerald Lobing. Sewikom hat viel versprochen: Breitbandinternet für den bisher unterversorgten Kreis – mit Übertragungsraten von mindestens sechs Megabit pro Sekunde. Anfang des Jahres begann Sewikom, Verteilerkästen aufzustellen und Richtfunkantennen aufzustellen.

Doch die Arbeiten zogen sich hin. Als sich Anfang September wartende Kunden, die ihre alten Internetverträge schon gekündigt hatten, bei der Beverunger Firma beschwerten, versprach Sewikom-Chef Kai-Timo Willke, die Arbeiten "weitesgehend" bis Ende September fertigzustellen.

Drei Monate später ist Vinsebeck noch immer nicht angeschlossen – ebenso andere Orte im Kreis wie Kollerbeck, Erkeln oder Germete. 79 Prozent des Netzes seien funktionsfähig, sagt Wilke. 460 Kunden seien angeschlossen. Etwa 140 weitere sollen bis Ende des Jahres folgen.

Woher kommt die Verzögerung? "Die größte Herausforderung ist und bleibt die Zusammenarbeit mit dem bisherigen Netzbetreiber", schreibt Wilke in einer Pressemitteilung. Sewikom meldet Neukunden bei der Telekom um. Deren Techniker stellen die Anschlüsse um . Doch die Vertragsumstellung sei "kompliziert", klagt Wilke, das Verfahren der Telekom "veraltet". Das Ergebnis: Die Anträge stauen sich, Kunden werden nicht bearbeitet.

Diese Kritik sei nicht "nachvollziehbar", sagt hingegen Telekom-Pressesprecher André Hofmann. "Dass die Termine für Techniker nicht von heute auf morgen zur Verfügung stehen, wusste der Anbieter." Das Ummelden sei ein "gesetzlich geregelter Prozess", der "allgemein bekannt" sei.

"Wir haben das Problem unterschätzt", räumt Wilke auf Nachfrage der NW ein. Als kleiner Anbieter müsse man sich "bei der Telekom hinten anstellen". Der Konzern habe auch zu wenig Techniker in der Region. Der Aufbau der eigenen Technik habe dagegen "gut funktioniert", sagt Wilke.

Worte, die nicht jeden Kunden zufrieden stellen. "Einige Leute haben zurückgezogen", sagt Wilke. Zum Beispiel Matthias Henneke, Inhaber einer Werbeagentur in Vinsebeck. "Nach mehrmaligem Nachbohren hat mir ein Sewikom-Mitarbeiter am Telefon gesagt, ich solle besser noch ein Jahr mit dem Abschluss eines Vertrages warten", erzählt Henneke.

Wilke glaubt nicht, "dass diese Worte so gefallen sind." Er räumt ein, dass der telefonische Kundenservice der Firma "teilweise schlecht erreichbar" gewesen sei. Das Unternehmen habe inzwischen sechs neue Mitarbeiter angestellt, "um die Prozesse zu beschleunigen."

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