Heinz Sablotny (UWG), Bürgermeister Burkhard Deppe, die Referenten Diplom-Geologe Andreas Hoemann und Prof. Dr. Friedrich-Karl Ewert sowie Karl-Heinz Schwarze (CDU) und FDP-Podiumsteilnehmerin Petra Nolte (v. l.). - © FOTO: SILKE RIETHMÜLLER
Heinz Sablotny (UWG), Bürgermeister Burkhard Deppe, die Referenten Diplom-Geologe Andreas Hoemann und Prof. Dr. Friedrich-Karl Ewert sowie Karl-Heinz Schwarze (CDU) und FDP-Podiumsteilnehmerin Petra Nolte (v. l.). | © FOTO: SILKE RIETHMÜLLER

BAD DRIBURG "Unnötiges Vorhaben"

CO2-Verpressung: Emotionales Thema sachlich diskutiert

VON SILKE RIETHMÜLLER

Bad Driburg. "Ich persönlich würde mich schleunigst aus dem Staub machen, wenn hier tatsächlich große Mengen Kohlendioxid in den Untergrund verpresst werden sollten", betont Diplom-Geologe Andreas Hoemann aus Gehrden. Auch der Bad Driburger Prof. Dr. Friedrich-Karl Ewert hält ein solches Vorhaben für "absolut unnötig" und im Raum Bad Driburg aufgrund der Bodenbeschaffenheit nicht machbar.

Hoemann und Ewert sprachen auf einer Informationsveranstaltung der Ratsparteien CDU, FDP und UWG in Bad Driburg zu den Themen CO2-Verpressung und Klimawandel.

Voraussetzung für eine Verpressung großer Mengen CO2 in poröses Speichergestein seien absolut dichte Deckschichten. Aufgrund von tektonischen Bewegungen (Kontinentalverschiebung) sei diese Abdeckung im Raum Bad Driburg aber durch Kompressionsfalten gestört, erklärte Andreas Hoemann. "Das macht die Oberfläche undicht – wie ein Fehler im Deckel einer Mineralwasserflasche", so der selbstständige Diplom-Geologe.

In der Gegend um die Badestadt trete an verschiedenen Stellen natürliche Kohlensäure aus, wie zum Beispiel im Sprudelfeld bei Herste. "Dort kommt das CO2 direkt aus der Erde. Das zeigt mir, dass die Abdeckung in dieser Region nicht dicht ist", betont Hoemann. Kohlendioxid ist farb- und geruchlos. Reichert es sich in der Atemluft an, kann dies zum Erstickungstod führen.

Allein die Überlegungen, "unfassbar große Mengen" des bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe entstehenden Gases unterirdisch speichern zu wollen, ohne die Bodenbeschaffenheit genau zu kennen, ist für Andreas Hoemann unbegreiflich. Der Diplom-Geologe hält die dafür notwendige Technik, die sogenannte CCS-Technologie (Carbon Captured Storage), mit der das Kohlendioxid unter hohem Duck in der Erde verpresst wird, zudem für unausgereift.

"CO2 ist ungiftig", schickte Prof. Dr. Friedrich-Karl Ewert seinen Ausführungen voraus. Als Grundbaustein der Nahrungskette sei es vielmehr lebenswichtig. Jeder Mensch bestehe zu neun Prozent seines Gewichtes aus Kohlendioxid. "Es ist ein Verbrechen an unseren Kindern, wenn wir ihnen in der Schule erzählen, CO2 sei ein schädliches Gift. Wir zerstören damit ihr Urvertrauen", so der Bad Driburger Geologe.

Das östliche Vorland der Egge sei aufgrund der Beschaffenheit des Gesteins für die CO2-Verpressung ungeeignet. Mit großer Wahrscheinlichkeit würde das Gas an der Oberfläche austreten. "Das kann man nicht verantworten", betont Ewert. Auch verändere sich die seismische Stabilität der oberen Erdschichten, wenn Massen von Kohlendioxid verpresst würden. Als Folge steigt die Gefahr von Erdbeben in der Region.

Tatsächlich werde die Verpressung von CO2 nicht gebraucht und Standortuntersuchungen damit unnötig, denn der Einfluss des Gases auf das globale Klima sei unerheblich. "CO2 verursacht keine bedrohliche Erwärmung", sagt Ewert, der seit Jahren offen von der "Klimalüge" spricht.

"Die Temperatur wird von der Sonnenaktivität beeinflusst, nicht vom Verbrauch von Kohle, Gas und Öl", unterstreicht er. "Umwelt- und Naturschutz sind dringend nötig", so Ewert, "aber wir dürfen die Umwelt nicht mit dem Klima verwechseln".

Für eine "Versachlichung der Diskussion statt Panikmache" beim Thema CO2-Verpressung sprachen sich Karl-Heinz Schwarze (CDU), Hans-Jürgen Zurbrüggen (FDP) und Dieter Tomczak (UWG) aus. Die drei bürgerlichen Parteien im Bad Driburger Stadtrat hatten daher zu der Informationsveranstaltung mit dem Titel "CO2-Endlagerung im Kreis Höxter und Bad Driburg mitten drin" eingeladen.

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