0
Die Ottberger wollen nicht mehr warten, sie wollen den Ausbau der B 64 jetzt. Dafür gingen sie gestern auf die Straße und demonstrierten für ihre Forderungen. Durch die Fahrbahnverengung kamen die Lkw nur sehr langsam voran, während die Demonstranten Pfiffen. - © FOTOS: KARL-HENDRIK TITTEL
Die Ottberger wollen nicht mehr warten, sie wollen den Ausbau der B 64 jetzt. Dafür gingen sie gestern auf die Straße und demonstrierten für ihre Forderungen. Durch die Fahrbahnverengung kamen die Lkw nur sehr langsam voran, während die Demonstranten Pfiffen. | © FOTOS: KARL-HENDRIK TITTEL

KREIS HÖXTER Pfeifkonzerte auf der B 64

Demonstranten: Politikern klar machen, dass NRW nicht hinter Paderborn aufhört

14.05.2011 | Stand 14.05.2011, 07:10 Uhr |

Ottbergen. Zwei Ortschaften, eine Forderung: Die Godelheimer und Ottberger Bürger wollen nicht länger warten, wollen nicht mehr hingehalten werden, wollen keine Blechlawinen mehr im Dorf. Der Ausbau der B 64 muss her und zwar ohne weitere Verzögerung, lautet die klare Ansage. Dafür gehen sie auf die Straße. Den Auftakt gestalteten gestern die Ottberger mit einer lautstarken Demonstration vor der eigenen Haustür. Wo sonst Autos, Motorräder oder Lkw in nicht immer vorschriftsmäßiger Geschwindigkeit über den Asphalt rollen, war für gut drei Stunden nur noch mäßiges Tempo möglich. Mehrere umzäumte Sektionen zwischen der Fußgängerampel und der Volksbank sorgten für die beabsichtigte Verengung der B 64-Fahrbahn. Wer durch wollte, musste langsam fahren oder auch für mehrere Minuten stehen bleiben - ein Spießrutenlauf für die vielen Lkw-Fahrer, die sich so den ohrenbetäubenden Pfeif-Konzerten der aufgebrachten Anwohner ausgesetzt sahen. "Die Fahrer können doch gar nichts dafür, die Politiker müssen wir zur Verantwortung ziehen", sagt ein älterer Herr und blickt auf die andere Straßenseite. Auf einer Traktor-Ladefläche war dort das provisorische Rednerpult zu finden, von wo aus Volksvertreter und Pro-B 64-Aktivisten ihre Sicht der Dinge kundtaten. "Endlich wird mal für und nicht gegen eine Sache demonstriert", sagt CDU-Bundestagsabgeordneter Jürgen Herrmann. Seit mehr als 50 Jahren sei nichts passiert, das ginge einfach nicht mehr. "Der Ausbau der B 64 betrifft die Menschen hier und wir sagen nein zu Vorschlägen, die von Leuten kommen, die gar nicht unter dem Verkehr zu leiden haben." Landrat Friedhelm Spieker schlug in eine ähnliche Kerbe: "Das darf so nicht weitergehen, die Planungen müssen endlich vorangetrieben werden." Es sei Zeit, deutlich zu sagen: "Wir wollen diese Umgehung und am besten sofort." Knapp 300 Menschen waren zur Demonstration gekommen, schätzt Eva-Maria Müller. "Weniger als gedacht aber lauter als erhofft, so die Mitorganisatorin. Und keinesfalls nur Ottberger zeigten Flagge und machten Radau - auch viele Godelheimer waren mit von der Partie. "Die beiden Ortschaften solidarisieren sich - gemeinsam sind wir stark", sagt die Godelheimerin Elke Potthast zwischen zwei lauten Pfeifern. Die Reaktion der Fahrer war unterschiedlich und reichte von erhobenen Daumen aus geöffneten Fenstern über Kopfschütteln bis grimmige Blicke. Geballt hat sich die Demonstration in Nähe der Redner und der Getränke- und Imbisswagen - typisch ostwestfälisch halt. "Das ist hier keine Eintagsfliege. Wir machen weiter, bis auch der letzte Politiker in Düsseldorf gemerkt hat, dass NRW nicht hinter Paderborn aufhört", fordert Versammlungsleiter Christoph Rust. Zustimmendes Gemurmel auf beiden Straßenseiten. "40 Jahre Planung und kein Ergebnis", sagt Günter Timme kopfschüttelnd. "Wo die ganzen Planungskosten hin sind, das wüsste ich gerne."

realisiert durch evolver group