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HOLZMINDEN Ihr größtes Glück sind Bücher

Mit 74 Jahren hat Ilse Hammermeister ihr erstes eigenes Buch veröffentlicht

VON ROSWITHA HOFFMANN-WITTENBUR
08.03.2011 | Stand 07.03.2011, 22:01 Uhr
Jetzt lebt die Bäckerfamilie Severin nicht nur auf den alten Fotos, sondern auch in Ilse Hammermeisters erstem Buch weiter. - © FOTO: ROSWITHA HOFFMANN-WITTENBURG
Jetzt lebt die Bäckerfamilie Severin nicht nur auf den alten Fotos, sondern auch in Ilse Hammermeisters erstem Buch weiter. | © FOTO: ROSWITHA HOFFMANN-WITTENBURG

Holzminden. Es war einmal ein kleines Mädchen namens Ilse, das in den 30er- und 40er- Jahren gemeinsam mit seinem Bruder Karl wohl behütet in Holzminden seine Kindheit erlebte. Als Kind, als junges Mädchen, als erwachsene Frau und Mutter hatte sie immer einen unersättlichen Hunger nach Bildung, nach Geschichten. Mit 74 Jahren hat sich Ilse Hammermeister nun einen Traum verwirklicht, sie hat ihr erstes Buch mit eigenen Geschichten herausgegeben: "Es war einmal in Holzminden".

Ilses Zuhause war die elterliche Bäckerei von Karl und Caroline Severin, direkt am Marktplatz mit dem großen Brunnen. Dazu gehörte auch eine kleine Landwirtschaft mit drei Kühen und einem Pferd. Trotz der harten und mühseligen Zeit – Ilse war drei Jahre alt als der Krieg ausbrach und zehn als er vorbei war – erlebte sie eine glückliche Kindheit, in der es an Liebe der Eltern niemals mangelte.
Ilse war ein aufgewecktes, Kind, das den Schalk im Nacken hatte.

Da waren die aufregenden Fahrten mit Pferd und Wagen zum Brotverkauf nach Mühlenberg, das Toben auf dem Heuboden, die Kibbeleien zwischen Jungen und Mädchen, der Herr Pastor, dem die Sittsamkeit der Mädchen besonderes Anliegen war oder die vergnüglichen Sonntage in der Bäckerei, wenn die ganze Nachbarschaft zusammenkam.

Jedes Jahr für die Mutter eine selbst erzählte Geschichte
Aber auch vor schlimmen Ereignissen der Zeit des Dritten Reichs verschloss sie ihre Augen nicht. Sie machte sich ihre Gedanken. Sie träumte davon, Lehrerin zu werden und haderte mit ihrem Schicksal, das Nähen lernen zu müssen und fand es furchtbar.

Ihr größtes Glück waren stets die Bücher. Früh entwickelte sich die Leidenschaft zu lesen und ihr Talent, selbst zu schreiben. Sie dachte sich Geschichten aus und schrieb auf, was sie bewegte und beflügelte. Und jedes Jahr erfreute sie ihre Mutter zum Geburtstag mit einer selbst verfassten Geschichte.

Ilse Severin ist längst erwachsen. 1959 hat sie geheiratet, mit dem Schmiedemeister und Ingenieur Karl Hammermeister eine eigene Familie gegründet und zwei Söhne großgezogen. Sie hat ihr Leben so gelebt, wie es sich "schickt."

"Ich habe es durchgehalten", sagt sie lächelnd, "es war eben eine ganz andere Zeit." Der Familie hat sie sich sehr gern und aus voller Überzeugung gewidmet. "Ich halte gar nichts davon, die Kinder so früh abzugeben", sagt sie. Mit leuchtenden Augen erzählt sie von ihren Söhnen. Von Detlev, der Journalist geworden ist, und von Jörg, der als Kameramann unter anderem Filme für den NDR und Spiegel-TV dreht. "Außerdem habe ich zwei herrliche Enkelkinder, Stella und Henry, die leider viel zu weit entfernt in Hamburg leben."

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