Mit großen Ohrmuscheln und einer Motorsäge wollte der Künstler Björg Höschen auf die Umweltbelastung durch den Autoverkehr am Bilster Berg aufmerksam machen. - © FOTO: JOSEF KÖHNE
Mit großen Ohrmuscheln und einer Motorsäge wollte der Künstler Björg Höschen auf die Umweltbelastung durch den Autoverkehr am Bilster Berg aufmerksam machen. | © FOTO: JOSEF KÖHNE

Bad Driburg Mit Zahlen gegen Zweifel

Über 100 Zuhörer beim Erörterungstermin zur Test- und Präsentationsstrecke Bilster Berg im Bad Driburger Rathaus

VON JOSEF KÖHNE

Bad Driburg. Nahezu 200 Einwendungen sind beim Kreis Höxter gegen die Pläne der Bilster Berg Drive Resort (BBDR) eingegangen. Mit ihnen wollen Anlieger und Bedenkenträger die Genehmigung der Test- und Präsentationsstrecke – von ihnen als Rennstrecke bezeichnet – verhindern. Gestern hatten sie während eines Erörterungstermins im Sitzungssaal des Bad Driburger Rathauses Gelegenheit, dem Antragsteller und der Genehmigungsbehörde ihr Anliegen vorzutragen und Fragen zu stellen.

Geleitet wurde die Veranstaltung von der beim Kreis Höxter für Umweltschutz und Abfallwirtschaft zuständigen Abteilungsleiterin Dr. Kathrin Weiß. Als Genehmigungsbehörde habe der Kreis Höxter über den Antrag auf Genehmigung einer Test- und Präsentationsstrecke zu befinden, sagte Weiß, ob diese in den Medien als Rennstrecke bezeichnet werde, sei für den Kreis Höxter unerheblich. Eine Entscheidung werde aktuell nicht getroffen.

Streit um Begrifflichkeiten

Der höchsten Einwenderzahl entsprechend, ließ Weiß als erstes das Thema Lärm behandeln. Leider, so empfanden mehrere Zuhörer, wurde mit der Diskussion um die Begrifflichkeiten, "Test- und Präsentationsstrecke oder Rennstrecke", wertvolle Zeit vertan, obwohl sowohl vom Lärmgutachter der BBDR, Prof. Dr. Edelbert Schaffert, als auch vom Gutachter des Kreises Höxter, Diplom-Ingenieur Wolfgang Richter, wiederholt darauf verwiesen wurde, dass die Bezeichnung für das Verfahren nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) überhaupt keine Rolle spiele.

Zweifel äußerten die Einwender an der Glaubwürdigkeit der Gutachter und unterstellten dem vereidigten Sachverständigen Schaffert unterschwellig, ein Gefälligkeitsgutachten erstellt zu haben. So viel Geld könne ihm die BBDR gar nicht zahlen, als dass er seine Reputation und seine Existenz aufs Spiel setze, entgegnete Schaffert.

Ein weiterer Kritiker glaubte in der Mimik der Behördenvertreter und der Vertreter der Antragsteller eine gewisse Übereinstimmung und Einigkeit ablesen zu können.

In der weitestgehend sehr fair geführten Diskussion kamen wiederholt Fragen nach den Messpunkten, dem im Genehmigungsverfahren vorgesehenen Monitoring, den verschiedenen Messverfahren sowie den Belästigungen für Anwohner, Kurgebiete, Schulen und Altenheime.

Mit seinem Vortrag über die physikalischen Grundlagen der Ausbreitung von Lärm konnte Prof. Schaffert die Kritiker nicht überzeugen. "Wir sind bei allen Berechnungen von einem Mittelwindzustand (es wird immer die ungünstigste Windrichtung angenommen) und von Hochleistungsfahrzeugen und Profis am Steuer ausgegangen", erklärte Schaffert. Das sei ein Zustand, der in der Regel gar nicht erreicht werde.

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