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Corvey hat viel mehr zu bieten als diese herausgestreckte Zunge, an der Säulen im Eingrangsbreich des Schlosses. - © FOTO: DAVID SCHELLENBERG
Corvey hat viel mehr zu bieten als diese herausgestreckte Zunge, an der Säulen im Eingrangsbreich des Schlosses. | © FOTO: DAVID SCHELLENBERG

HÖXTER Management für Weltkulturerbe

Lenkungsgruppe behandelt vielfältige Aspekt der Antragssteller

VON CHRISTINE LONGÈRE
04.12.2010

Höxter. Nur noch einige Monate bleiben, um den Antrag auf Anerkennung Corveys als Weltkulturerbe der UNESCO fertigzustellen. Nach dem bisherigen Zeitplan ist vorgesehen, das Papier zur Vorprüfung zum 30. September 2011 bei den zuständigen Gremien einzureichen. Zum vierten Mal trat in den vergangenen zwei Tagen in Höxter die Lenkungsgruppe zusammen, die an der Erarbeitung des Antrags beteiligt ist.

Die Antragstellung ist sehr komplex. Sie bedarf zahlreicher Arbeitsschritte, sowohl in administrativer als auch in wissenschaftlicher Hinsicht. Den vielfältigen Aspekten trägt die Besetzung der Lenkungsgruppe Rechnung. In ihr vertreten sind außer der federführenden Referatsleiterin im nordrhein-westfälischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Bauen, Wohnen und Verkehr, Dr. Birgitta Ringbeck, der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), der Kulturkreis und die Kirchengemeinde Höxter-Corvey, der Herzog von Ratibor, der Kreis und die Stadt Höxter, einschließlich Stadtarchäologie und Stadtarchiv.

Alleinstellungsmerkmale Corveys, die die wesentliche Grundlage des Weltkulturerbe-Antrags bilden, sind das aus dem 9. Jahrhundert erhaltene Westwerk der Abteikirche und die mittelalterliche Stadtwüstung in ihrer Nachbarschaft, die von Prof. Hans-Georg Stephan (heute Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) entdeckt und erforscht wurde. "Der karolingische Westbau in der Civitas Corvey" lautet deshalb der Arbeitstitel für den Antrag. Um die Konkretisierung und Eingrenzung des Gebietes, das dabei berücksichtigt werden soll, ging es beim jetzigen Treffen der Arbeitsgruppe in Höxter.

Um Rahmenbedingungen und spezifische Langzeit-Erwartungen darzustellen, bedarf es eines Managementplans, mit dem sich die Vertreter der verschiedenen beteiligten Gremien in den vergangenen zwei Tagen befassten. Er schließt touristische Aspekte wie beispielsweise ein Leitsystem für Besucher, die Einrichtung eines Informationszentrums, aber auch die Vernetzung der Klosterregionen ein. Bei einer Bereisung erkundeten die Tagungsteilnehmer Blickachsen in der Landschaft, so etwa von der Tonenburg aus in Richtung Corvey. Auch diese Blickachsen sollen im Antrag dargestellt werden.

Bei diesen Darstellungen handele es sich zunächst um ein "Grobraster", machte Dardo Franke, Technischer Beigeordneter der Stadt Höxter, gestern im Gespräch mit der Neuen Westfälischen deutlich. Wenn, wie erhofft, Mitte 2013 die Anerkennung erfolge, bedürfe es dann einer Ausarbeitung der Details. Das betrifft auch Entwicklungsziele für die zurzeit unter der Erde ruhende Stadtwüstung Corvey. Die archäologischen Befunde werden eines der Themen sein bei einer Tagung, die der UNESCO-Lehrstuhl der Universität Paderborn vor dem Hintergrund des Antrags auf Anerkennung Corveys als Weltkulturerbe im Januar veranstaltet.