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Landschaftspflegerin Michaela Scheideler-Bangert, Jürgen Helming von der Bauleitung, Friedrich Werhahn vom Landesbetrieb und Gregor Brockmeier (Ingenieurbüro aus Bad Wünnenberg; v. l.) von der Bauüberwachung über den Plänen. Im Hintergrund sind die Arbeiten auf der ehemaligen Waldfläche zu sehen. - © FOTO: REINHARD ROHLF
Landschaftspflegerin Michaela Scheideler-Bangert, Jürgen Helming von der Bauleitung, Friedrich Werhahn vom Landesbetrieb und Gregor Brockmeier (Ingenieurbüro aus Bad Wünnenberg; v. l.) von der Bauüberwachung über den Plänen. Im Hintergrund sind die Arbeiten auf der ehemaligen Waldfläche zu sehen. | © FOTO: REINHARD ROHLF

BAD DRIBURG/BRAKE Fahrbahn bleibt unangetastet

Grünbrücke über die Bundesstraße 64 wird bei laufendem Verkehr errichtet

VON SIMONE FLÖRKE
20.10.2010 | Stand 19.10.2010, 21:13 Uhr

Bad Driburg/Buke. Die 250 Meter lange Umfahrung auf der Bundesstraße 64 zwischen Buke und Bad Driburg ist fertig. Heute wird sie von der Polizei abgenommen. Denn es wurden an beiden Seiten zusätzlich Blinkanlagen aufgestellt - am Stellberg herrscht jetzt oft Nebel. Die Autofahrer machen nun einen kurzen Schlenker Richtung Süden, um dann gleich wieder zurück auf die Bundesstraße zu kommen. Eine notwendige Baumaßnahme, um nebenan die Grünbrücke über die vielbefahrene Straße zu bauen - und zwar bei laufendem Verkehr.

Rund 15.000 Fahrzeuge werden am Stellberg laut Friedrich Werhahn (stellvertretender Leiter der Bauabteilung beim Landesbetrieb Straßen NRW in Paderborn) täglich gezählt. "Technisch wäre es nicht möglich, die Grünbrücke oberhalb des laufenden Verkehrs zu errichten", erklärt Jürgen Helming von der Bauleitung. "Weil die Schalung der Brücke auf die Fahrbahn gestellt wird."

Deshalb sei man, trotz knapp drei Wochen zusätzlicher Arbeit für die Umgehung, immer noch günstiger und schneller. 4.000 Tonnen Schotter und 1.000 Tonnen Boden wurden für das Auffüllen benötigt. 1,8 Hektar Wald sind dort rechts und links der Bundesstraße in Absprache mit dem Landesbetrieb Wald und Holz gefällt worden, berichtet Michaela Scheideler-Bangert, Landschaftspflegerin beim Landesbetrieb Straßen.

Information

Vier in NRW

Die Standortwahl der Grünbrücke wurde laut Landesbetrieb Straßen NRW abgestimmt zwischen Landesministerien, Forstleuten, Jägern und Naturschützern. Die Standortwahl wurde vom Land vorgegeben. Aus dem Konjunkturprogramm II stellt die Bundesregierung auch Mittel für das Programm zur Wiedervernetzung von Lebensräumen bereit. Bundesweit werden daraus 18 Grünbrücken an bestehenden Straßen finanziert, vier davon in NRW (Kosten: 15 Millionen Euro) – die in der Egge ist die erste an einer bestehenden Straße in Ostwestfalen-Lippe. (sf)

Die Fundamente für die Grünbrücke sollen noch in diesem Jahr komplett hergestellt werden - wenn die Witterung mitmacht, sagt Helming, dessen Unternehmen aus Wietmarschen (Grafschaft Bentheim) zusammen mit der Firma Hofschröer zuständig ist. Anfang nächster Woche wird mit dem Aushub (rund 4.000 Kubikmeter Erde) dafür begonnen. Die Fahrbahn selbst müsse für den Brückenbau nicht angetastet werden.

Auch die Verkehrsführung wird im Herbst 2011, wenn die 3,2-Millionen-Euro-Maßnahme fertiggestellt ist, die gleiche wie zuvor sein. Das Gelände wird links und rechts an die Brücke wieder angefüllt und laut Michaela Scheideler-Bangert dann nahtlos in den Wald übergehen. 1,5 Kilometer Zaun auf beiden Seiten der Bundesstraße und in beiden Richtungen werden die querenden Tiere wie in einen Trichter hin zur Grünbrücke geleiten. Es gebe im Bereich der Egge viel Rotwild, das seine angestammten Wege habe, so die Landschaftspflegerin. "Sogar das Vorkommen von Wildkatzen ist festgestellt worden."

Die Grünbrücke selbst wird eine Bogenbrücke sein mit einer Durchfahrtshöhe von 6,50 Meter, die mit einem Traggerüst auf Schienen in Acht-Meter-Schritten Stück für Stück errichtet wird. Ein kleiner Tunnel von rund 50 Metern Länge schirmt die Tiere optisch und akustisch vom Straßenverkehr ab. "Wir haben auch ästhetische Gesichtspunkte berücksichtigt", betont Werhahn und verweist darauf, dass der Autofahrer nicht "in ein dunkles Loch" fahre. Der Lichteinfall sei bei einem Bogen für die Fahrer günstiger.

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