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Bad Driburg 50.000 Pflanzen reinigen das Wasser

Am Bad Driburger Bauhof entsteht für 2,3 Millionen Euro ein ganz besonderes Klärbecken

VON JULIA RADTKE
23.09.2010 | Stand 22.09.2010, 20:28 Uhr
Jantje Plantör von der Firma Ökon pflanzt mit ihren Kollegen die 50.000 Schilfpflanzen auf den einen Meter dicken Sandfilter. Ist das 7.600 Kubikmeter fassende Becken hinterher mit Wasser vollgelaufen, kann man nicht mehr einfach auf der Fläche laufen. Sie ist dann wie Treibsand.
Jantje Plantör von der Firma Ökon pflanzt mit ihren Kollegen die 50.000 Schilfpflanzen auf den einen Meter dicken Sandfilter. Ist das 7.600 Kubikmeter fassende Becken hinterher mit Wasser vollgelaufen, kann man nicht mehr einfach auf der Fläche laufen. Sie ist dann wie Treibsand.

Bad Driburg. Retentionsbodenfilterbecken, das klingt kompliziert. Ein solches entsteht gerade am Bauhof in Bad Driburg. Das Prinzip ist aber ganz einfach: In dem Becken wird Abwasser gesammelt, das durch eine mit Schilf bewachsene Filterschicht gereinigt wird. Dafür werden in dem riesigen Bassin gerade 50.000 Schilfpflanzen eingesetzt.

Das Becken dient sowohl der Rückhaltung als auch der Reinigung von verdünntem Mischwasser, welches aus der Mischwasserkanalisation der Kernstadt in den Hilgenbach abgeschlagen wird. Durch das große Bassin wird die Wasserqualität des Hilgenbaches nachhaltig verbessert und die Trinkwassergewinnungsanlage Weißenborn geschützt.

Für die Zu- und Ableitung des Mischwassers werden etwa 600 Meter neue Kanalleitungen mit einem Durchmesser von bis zu 1,40 Meter verlegt. Das Becken hat eine Filterfläche von 5.000 Quadratmetern und ein Stauvolumen von 7.600 Kubikmetern.

Warnschilder werden aufgestellt

Momentan wird nun der ein Meter starke Sandfilter der Beckensohle mit Schilf bepflanzt. "Die Schilfpflanzen verhindern durch ihre Wurzeln eine Verstopfung des Filtersubstrats", erklärt Klaus Zimmermann, Betriebsleiter des Abwasserwerks. "Und sie nehmen die im Mischwasser enthaltenen Schmutzstoffe auf", fährt er fort. Nachdem das Abwasser den Filter durchflossen hat, wird es über ein Drainagesystem gesammelt und in den Hilgenbach eingeleitet.

Für die Bepflanzung des Filters werden 50.000 Schilfpflanzen benötigt. Diese wurden seit Anfang des Jahres in einem Gartenbaubetrieb im Kreis Pinneberg bei Hamburg herangezogen. Um eine ausreichende Bewässerung sicherzustellen, soll das Becken in der nächsten Woche mit Grundwasser gefüllt werden.

"Das ist eine sehr ökologische Anlage", betont Klaus Zimmermann. Bis auf wenige Bauteile aus Beton wird das ganze Becken komplett naturnah gestaltet. Zimmermann mahnt allerdings, das Bassin nie zu betreten. Rund um die Anlage herum werden dafür extra Warnschilder aufgestellt. "Wenn der Sandfilter wassergesättigt ist, besteht darin akute Versinkgefahr für Mensch und Tier. Das ist ähnlich wie Treibsand oder ein Sumpf", sagt auch Markus Baier, Baudezernent der Stadt Bad Driburg. Komplett darin untergehen könne man zwar nicht, weil der Filter nur einen Meter stark ist, aber man käme eventuell ohne fremde Hilfe nicht wieder hinaus. Anwohner sollten auch auf ihre Hunde achten, rät Zimmermann.

Nach Abschluss der Bauarbeiten wird das Becken allerdings auch mit einem Zaun vor Unbefugten gesichert.

Die Kosten für die gesamte Baumaßnahme betragen 2,3 Millionen Euro. Im Rahmen des Investitionsprogramms Abwasser wird das Vorhaben allerdings mit 50 Prozent vom Land Nordrhein-Westfalen gefördert.
     

  
  
     

  
  
     
  
     

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