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Kreis Höxter Auf dem Königsweg durch den Kreis

Archäologin Ulrike Spichal erklärt Bedeutung des westfälischen Jakobsweges

03.06.2010
Die Archäologin Ulrike Spichal mit ihrem Buch über den westfälischen Jakobsweg. - © FOTO: BURKHARD BATTRAN
Die Archäologin Ulrike Spichal mit ihrem Buch über den westfälischen Jakobsweg. | © FOTO: BURKHARD BATTRAN

Kreis Höxter (bat). Wer in alter Zeit aus dem östlichen Europa kommend zum Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela pilgerte, der kam durch den heutigen Kreis Höxter. Er betete in Corvey, übernachtete möglicherweise in Höxter und pilgerte am nächsten Tag nach Brakel, am übernächsten nach Bad Driburg und dann weiter nach Paderborn.

"Anders als bei dem Weg aus Norden, der über Münster nach Dortmund führt, wo sich die Wege treffen, können die Pilger auf dem Weg von Höxter nach Dortmund auf denselben Pfaden wandern, wie die Pilger des frühen Mittelalters", erklärte Archäologin Ulrike Spichal (32) im historischen Höxteraner Rathaus. Das ist nicht selbstverständlich. Denn heute verlaufen auf den historischen Pilgertrassen nicht selten breite Autobahnen. Das Interesse an der Wiederentdeckung des Jakobsweges ist groß. Mehr als 50 Besucher wollten von der wissenschaftlichen Mitarbeiterin der Altertumskommission im Landschaftsverband Westfalen-Lippe wissen, wie es ihr gelungen ist, den historischen Jakobsweg zu rekonstruieren.

"Wege sind etwas sehr Beständiges, wenn man chronologisch in der Zeit zurück schreitet, trifft man auf die historischen Verkehrswege und gerade der Hellweg als Königsweg der Karolinger von der Abtei Corvey über die Kaiserpfalz in Paderborn bis zur Pfalz in Aachen ist auch für das Pilgerwesen von zentraler Bedeutung", erläuterte Spichal. Das Wegenetz vor 1.000 Jahren war dünn. Die Jakobspilgerer waren auf die bestehenden Handels- und Heerstraßen angewiesen. "Es gab auch nur entlang der großen Verkehrswege Herbergen und Versorgungsmöglichkeiten, es gab ja auch keine Straßenschilder und Karten. Entlang des Hellwegs konnten sich einzelne Menschen zu Gruppen zusammenschließen, was ihre Sicherheit erhöhte, und sie konnten sich mit anderen Reisenden über den Verlauf des Weges austauschen", erklärte Spichal.

Jakobspilger genossen hohes Ansehen

Die Münsteraner Archäologin arbeitet seit 2002 für die Altertumskommission intensiv am Thema der Wegeforschung und ist auch die Autorin des Buches über den westfälischen Jakobsweg. Dass der von Ulrike Spichal rekonstruierte Weg tatsächlich der historischen Trasse entspricht, dafür kann die Archäologin auch im Kreis Höxter viele bis heute sichtbare Beweise anführen. "Bei Höxter musste die Weser überquert werden und der Eggeübergang führte an der Iburg vorbei und auch der Wartturm bei Brenkhausen und die Modexer Warte sind Zeichen der historischen Wegeführung", erläuterte Spichal.

Die Blütezeit der Fernpilgerschaften liegt im 12. bis 15. Jahrhundert. Durch die Ausbreitung der Reformation änderte sich auch das Pilgerwesen. "Die Reise zum Grab des Jakobus dauerte ein Jahr, während dessen die Arbeit liegen blieb, und es war nicht mal sicher, dass ein Pilger überhaupt lebend zurückkehrte, weshalb sich zunehmend ein System von stärker regional ausgerichteten Wallfahrtsorten etabliert hat", erklärte sie. Trotzdem hat es auch danach immer noch viele Pilger auf dem Jakobsweg gegeben. "Wer den Jakobsweg gegangen ist, genoss hohes gesellschaftliches Ansehen, was sich dadurch belegen lässt, dass Menschen, die den Jakobsweg gegangen waren, sich mit ihrer Jakobsmuschel, dem Zeichen der Jakobspilgerer, begraben ließen.

Seit dem Übergang ins 21. Jahrhundert erlebt die Pilgerschaft auf dem Jakobsweg eine Renaissance. Bereits 1987 hatte der Europarat die Landschaftsverbände aufgefordert, die historischen regionalen Jakobswege in Europa zu erforschen.

Am Sonntag, 6. Juni, wird der Jakobsweg-Abschnitt durch den Kreis Höxter mit einer zentralen Feier um 13.15 Uhr an der St.-Michaelskapelle auf dem Heiligenberg oberhalb von Ovenhausen eröffnet. Dazu findet ein ökumenischer Gottesdienst statt, den Pfarrdechant Ludger Eilebrecht, Pfarrer Reinhard Schreiner und Hubert Matziol zelebrieren werden. Im Anschluss singen und spielen der Gemischte Chor Eintracht und die Blaskapelle aus Ovenhausen.