LÜCHTRINGEN Franz Fromme liebt sein Land

Lüchtringer feiert heute seinen 100. Geburtstag in Schloss Corvey

VON AMINA VIETH
der Lieblingsplatz von Franz Fromme in seinem Garten am Haus. Überwältigend ist die Blütenpracht des in voller Blüte stehenden weißen Rhododendrons. - © FOTO: AMINA VIETH
der Lieblingsplatz von Franz Fromme in seinem Garten am Haus. Überwältigend ist die Blütenpracht des in voller Blüte stehenden weißen Rhododendrons. | © FOTO: AMINA VIETH

Lüchtringen. "Eck loiwe moin Land, wue de Wesser still flütt, wue de Oiken in’n Holte no groin. Wue de Minschen no küert gern das hoimische Platt un de Himmel ni riukig no grois", weiß Franz Fromme in gepflegtem Plattdeutsch zu sagen. Seine Liebe zum Platt und die Verbundenheit zu seiner Heimat prägten sein Leben und auch das vieler anderer Menschen in seiner Umgebung. Heute feiert er seinen 100. Geburtstag im Schloss Corvey.

Ein Lebenslauf, wie er woanders kaum zu lesen ist. Geboren am 17. Mai 1910 als Sohn eines Postschaffners begann ein aufregendes und ereignisreiches Leben für Franz Fromme - erfüllt vom Tatendrang eines energiegeladenen Menschen. Nach seinem Schulabschluss trat er in den Verwaltungsdienst des Amtes Höxter-Land. "Eigentlich wollte ich Lehrer werden. Aber damals konnte man froh sein, wenn man in die Verwaltung gehen durfte", erinnert sich Fromme. Sein Verdienst belief sich zu der Zeit auf zehn Mark pro Monat.

Als das Monatsgehalt auf 50 Mark anstieg

"In der heutigen Zeit ist das gar nicht mehr vorstellbar", staunen auch seine Kinder über dieses geringe Salär. Erst als Leiter des Ordnungsamtes und bei den Tätigkeiten eines Inspektors auf Probe einige Jahre später, stieg das Gehalt auf 50 Mark pro Monat.

Doch die Karriereleiter des Franz Fromme musste warten, denn der Krieg brach aus. Sechs Jahre, 1939 bis 1945, leistete Fromme seinen Militärdienst in Russland und Frankreich. Trotz zwei schwerer Verwundungen kehrte er glücklich in seine Heimat zurück. Erholt von Kampf und Schmerz konnte er seinem eigentlichen Beruf wieder nachgehen. So schaffte er es seiner beruflichen Laufbahn vom Amtsinspektor des Amtes Höxter-Land bis zum Stadtoberamtsrat der Stadt Höxter, bevor für ihn 1973 der Ruhestand begann.

Doch der Beruf war nicht alles in seinem Leben. Aus der Ehe mit Luzie Korte gingen sieben Kinder hervor. Wenn er nicht seinem Beruf oder seinen Vaterpflichten nachging, dann gab es immer ein Hobby oder ein neues Projekt, für dass sich der Lüchtringer begeistern ließ.
So übernahm er von 1954 bis 1969 das Amt des stellvertretenden Gemeindedirektors in neun Orten Höxters. In Lüchtringen war er von 1951 bis 2008 als Ortsheimatpfleger tätig. Sein Heimatort lag Fromme immer besonders am Herzen. Vor allem das Lüchtringer Platt ist eine seiner größten Leidenschaften.

In Gesprächen und der Erfassung der Sprache, mit dem Versuch eine Grammatik dafür zu erstellen, war es Frommes Ziel, diese Sprache vor dem Vergessen zu bewahren. "Heute spricht oder versteht Platt kaum noch jemand. Die Sprache ist fast ausgestorben", weiß der älteste Sohn Franz Fromme junior.

In dem Buch "Lüchtringen - ein Grenzdorf zwischen Weser und Solling" veröffentlichte Franz Fromme die über Jahre gesammelten Informationen zur Geschichte Lüchtringens und des umgebenden Weserraumes sowie zum Lüchtringer Platt.

Doch nicht nur als Buchautor und Hobby-Sprachwissenschaftler engagierte sich Fromme. Auch als Dichter einiger Lieder - in Platt - und Verfasser der "Lüchtringer Heimatblätter" ließ er die Menschen von seinen Interessen profitieren und teilte gerne sein Wissen mit anderen. "Es ist erstaunlich, wie vielfältig unser Vater ist. Er hat gearbeitet, sich um die Familie gekümmert, gemalt, gezeichnet, gedichtet und noch vieles mehr. Wir haben großen Respekt und Hochachtung vor dem, was unser Vater alles geleistet hat", betonen die Kinder.

Mit dem Alter wird der menschliche Körper schwächer, aber geistig top ist Franz Fromme noch immer geblieben. "Er liest jeden Tag Zeitung, informiert sich über das aktuelle Geschehen vor Ort und in der Welt", weiß Fromme junior. Vor dem enormen Wissen ihres Vaters ziehen die Kinder den Hut. "Er hat eine sehr umfassende Bildung. Wir können ihn immer alles fragen. Vor allem bei geschichtlichen Themen", betonen die Kinder.

Auch nach 100 Lebensjahren gibt es für Franz Fromme keine Entscheidung in seinem Leben, die er bereut. "Ich bin zufrieden. Es ist alles so gewesen und passiert, wie es sein sollte", betont der 100-Jährige. Seine Lebensfreude hat er noch immer und möchte sich auch in den kommenden Jahren noch weiter für die Erhaltung des Lüchtringer Platt engagieren. Doch vor allem wünschen er und seine Familie sich Gesundheit und viel Freude für sein weiteres Leben.

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