Karl Rudolf Klocke, Jürgen Wefer, Friedrich Schwiete, Roland Weisbender und Manfred Jouliet (v. l.). - © FOTO: WEGENER
Karl Rudolf Klocke, Jürgen Wefer, Friedrich Schwiete, Roland Weisbender und Manfred Jouliet (v. l.). | © FOTO: WEGENER

Höxter Die Pankgrafen kommen

Freunde aus Berlin wollen drei Tage zusammen mit den Höxteranern feiern

VON TORSTEN WEGENER

Höxter. 40 Jahre ist es gerade ein mal her, als der Stadt Höxter das letzte Mal der Krieg erklärt wurde. Die Pankgrafen der Pankgrafenvereinigung von 1381 übergaben dem damaligen Bürgermeister Dr. Heinrich Rosenbaum den Fehde- brief und forderten eine Schuld aus dem Jahre 1672 ein. Der Grund war, wie so oft im Leben, das liebe Geld. Ab dem 23. April wird dieser etwas anders gearteten Schlacht in Höxter drei Tage lang gedacht.

1970 erinnerten sich die Pankgrafen dieser Bringschuld, reisten von Berlin nach Höxter, zogen den Fehdehandschuh am altehrwürdigen Historischen Rathaus hoch und forderten 3.000 Taler ein. Diese waren den Pankgrafen anno 1672 versprochen worden, damit sie Höxter mit ihren Schwertern beschützen.

Ausgerechnet zum 375-jährigen Jubiläumsschützenfest der Schützengilde Höxter machte sich die "Alte Pankgrafen-Vereinigung von 1381 zu Berlin bei Wedding an der Panke" nach Höxter auf, zeigten sich kampferfahren und obendrein trinkfest und besiegten die Höxteraner Schützengilde.

Doch schon damals waren die Kassen leer. Die Pankgrafen bekamen nicht ihr Geld, erklärten aber dafür die Stadt Höxter zur Vasallenstadt. Von da an sind die Pankgrafen zu Gast in Höxter. Und auch erst seit dieser Zeit gibt es in Höxter den "Berliner Platz", wo auch der Pangrafenstein zu finden ist. Ein Findling aus der Berliner Region, der von den Pankgrafen gestiftet wurde.

"An dieses spezielle Ereignis wollen wir nun in diesem Jahr erinnern", erzählt Manfred Jouliet, einer von acht Höxteraner Pankgrafen. "Unsere Ideale sind Wohltun, Freundschaft, Vaterland. Darauf konzentrieren wir uns", fügt Komtur Jouliet an, der seit neun Jahren den Pankgrafen angehört.

Im späten Mittelalter haben die Pankgrafen räuberischen Horden ihre Beute wieder abgejagt und den armen Bauern aus Wedding an der Panke gegeben. Im Dreißigjährigen Krieg verlor sich jedoch der Verbund und wurde erst ab 1881 neu strukturiert. Seitdem pflegen sie wieder ein geordnetes Vereinsleben. Doch von da an jagten sie keine Diebe mehr, sondern eroberten die Herzen. Zwar gehen die Pankgrafen immer noch auf ihre Ritterfahrten, doch sie streben keine Beute an, sondern tun Gutes.

Zum Beispiel haben die Pankgrafen beim großen Elbehochwasser vor Ort die Opfer sofort mit Bargeld unterstützt. Zur ordnungsgemäßen Spendenerfassung dient der Barnajadenbund. Einmal im Jahr sollte jeder Pankgraf an sein Wohltun denken und spenden.

Neben dem Wohltun steht für die Pankgrafen die Freundschaft ganz groß auf der Prioritätenliste. "Wenn ich beispielsweise in einer Vasallenstadt bin und nicht weiß wo ich schlafen soll, dann finden ich bei einem Pankgrafen immer Unterschlupf", erklärt Jouliet die enge Verbindung.

Die acht Pankgrafen in Höxter treffen sich einmal im Monat zum "Remter". Haben Spaß miteinander, essen und trinken und gehen ihren Idealen nach. Treffpunkt ist die Gaststätte "Zum Landsknecht".

Am 23. April wollen die Höxteraner Pankgrafen mit dem Hauptquartier aus Berlin und allen Vasallenstädten des Landes das Ereignis von 1970 feiern. Statthalter Ehrhard Becker, Claus Werner Ahaus, Manfred Jouliet, Karl Rudolf Klocke, Elmar Krawinkel, Friedrich Schwiete, Jürgen Wefer und Roland Weisbender freuen sich auf über 120 Pankgrafen, die zum dreitägigen Fest nach Höxter reisen. "Wir hoffen natürlich auch auf eine rege Beteiligung bei der Bevölkerung, wenn wir am Freitag, 23. April, ab 17 Uhr das Fest mit einem Platzkonzert und Umtrunk eröffnen", erklärt Jouliet, der seit einem Jahr dieses Fest organisiert.

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