0

Kreis Höxter Atemnot und Organversagen

Erste Fälle von Impfkomplikationen

VON DAVID SCHELLENBERG
20.01.2010

Kreis Höxter. Im Kreis Höxter werden mehrere Menschen behandelt, die mit schwerwiegenden Komplikationen nach der Schweinegrippe-Impfung kämpfen. Dr. Klaus Weber, Leiter des Gesundheitsamtes des Kreises Holzminden bestätigte auf Anfrage der Neuen Westfälischen, dass ein Mann aus Lauenförde mit neurologischen Störungen derzeit in der Asklepios Weserbergland-Klinik (WBK) behandelt wird.

"Ob die Komplikationen tatsächlich im Zusammenhang mit der Impfung stehen, ist noch nicht abschließend geklärt", betonte Weber. Er habe aber bereits das Paul-Ehrlicher-Institut informiert, das bundesweit die Meldungen von Impfkomplikationen sammelt und auswertet. In einem weiteren Fall wird ein Mann aus Fürstenau, der neben Schmerzen und Unwohlsein über eine starke Sehschädigung klagt, ambulant in Göttingen und Höxter behandelt. Beim Kreisgesundheitsamt Höxter wurden bisher allerdings keine der meldepflichtigen Impfkomplikationen angezeigt, erklärte Pressesprecherin Silja Polzin. "Es ist allerdings möglich, sich direkt beim Paul-Ehrlicher-Institut zu melden", erklärt Polzin.

Nach NW-Informationen bekam der Mann aus Lauenförde eine Woche nach der Impfung gesundheitliche Schwierigkeiten. Er wurde mit schweren Lähmungserscheinungen, Organversagen, Atemnot und Sehstörungen zunächst im St.-Ansgar-Krankenhaus und später im Universitätsklinikum Göttingen behandelt. Auch sprechen konnte er kaum mehr. Zwischenzeitlich sei der Gesundheitszustand kritisch gewesen, dass ein Luftröhrenschnitt notwendig wurde, um das Leben des Mannes zu retten. Zurzeit wird der Lauenförder in der WBK behandelt.

Es wird geprüft, inwieweit Vorerkrankungen eine Rolle beim Ausbruch der Komplikationen spielten. Nach derzeitigem Kenntnisstand hat eine unerkannte Virusinfektion zu der außergewöhnlich heftigen Reaktion geführt. Diese hätte auch bei jeder anderen Art von Impfung auftreten können.

Unterdessen warnt das Paul-Ehrlicher-Institut (PEI) vor Panik. "Nach Auswertung der bisherigen Meldungen können wir nicht erkennen, dass bei der Impfung gegen die Neue Grippe größere Komplikationen auftreten als bei der saisonalen Grippe", erklärte PEI-Sprecherin Dr. Susanne Stöcker. Allerdings würden durch den eingesetzten Wirkverstärker deutlich häufiger Beeinträchtigungen wie Schwindelgefühle, Kopfschmerzen und starke Schmerzen an der Einstichstelle auftreten.

Sofern das Land zum Impfschutz aufgerufen hat, übernimmt es bei gemeldeten und anerkannten Impfschäden die Versorgungskosten. "Dies ist im Infektionsschutzgesetz klar geregelt", erklärte ein Sprecher des NRW-Gesundheitsministeriums. Dazu müsse ein eindeutiger medizinischer Befund vorliegen, der von einem Gutachter bestätigt werden muss.

PEI-Sprecherin Stöcker betont, dass nicht alle Gesundheitsprobleme, die im zeitlichen Zusammenhang mit einer Impfung stehen, auch von ihr verursacht werden. Häufig gebe es Vorerkrankungen als eigentliche Ursache für die Komplikationen.
Auch Amtsarzt Klaus Weber erklärte, dass die Impfreaktionen im erwarteten Rahmen liegen. "Wir haben unsere Ärzte sensibilisiert, genau auf Nebenwirkungen zu achten, um Erfahrungen sammeln zu können", sagte Weber. Ihm sei sogar der Fall eines älteren Herrn bekannt, bei dem mit der Impfung auch weitere Erkrankungen verschwanden.

Nach dem Abebben der ersten Welle der Schweinegrippe ist die Impfbereitschaft im Kreis Höxter insgesamt weiter schwach. Nach Informationen des Kreisgesundheitsamtes wurden im Kreis 11.000 Impfdosen an die niedergelassenen Ärzte verteilt. Demgegenüber stehen 296 gemeldete Fälle von Schweinegrippe. "Die Dunkelziffer dürfte höher liegen, da es keine Meldepflicht mehr gibt", betonte Silja Polzin.