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Im Sommer gaben sich Hunderte Zuschauer und Dutzende Flieger bei einer zweitägigen Flugschau auf dem Räuschenberg ein Stelldichein. Ende des Jahres läuft der Vertrag mit dem Betreiber des Flugplatzes aus. Die Zukunft ist ungewiss. - © FOTO: TORSTEN WEGENER
Im Sommer gaben sich Hunderte Zuschauer und Dutzende Flieger bei einer zweitägigen Flugschau auf dem Räuschenberg ein Stelldichein. Ende des Jahres läuft der Vertrag mit dem Betreiber des Flugplatzes aus. Die Zukunft ist ungewiss. | © FOTO: TORSTEN WEGENER

Höxter Streit um Flugplatz eskaliert

Widersprüchliche Aussagen zwischen Stadt Höxter und Betreiber Jens Gronemeyer

VON BURCKHARD HOEPTNER
11.12.2009 | Stand 10.12.2009, 22:21 Uhr

Höxter. Während die Stadt Höxter dem Flugplatzbetreiber Jens Gronemeyer vorwirft, er habe trotz mehrfacher Aufforderung kein Konzept vorgelegt, um den auslaufenden Vertrag um 20 bis 30 Jahre verlängern zu können, wirft Gronemeyer der Verwaltung seinerseits vor, sie habe in der Vergangenheit keine Verhandlungsbereitschaft gezeigt. "Erst auf mein Betreiben hin", so Gronemeyer, sei ein Gespräch mit Bürgermeister Alexander Fischer zustande gekommen.

Der Flugplatzbetreiber wisse auch erst seit Dienstag, dass er ein Konzept unterbreiten solle. "Das will ich jetzt vorlegen", sagte Jens Gronemeyer gestern am Telefon zur Neuen Westfälischen.

Empört zeigte sich Bürgermeister Alexander Fischer am Vormittag in einer Pressekonferenz. Es werfe kein gutes Licht auf einen Vertragspartner, der den Schriftverkehr der Verhandelnden der Presse zur Verfügung stelle. Gleichwohl sei es erklärtes Ziel der Verwaltung, den Flugplatz Höxter zu erhalten. Die Frage sei jetzt nur das Wie - mit Gronemeyer oder mit anderen? Fischer betonte, dass in den vergangenen Jahren wiederholt intensive Verhandlungen mit dem Flugplatzbetreiber geführt, attraktive Angebote seitens der Stadt aber von Gronemeyer nicht angenommen worden seien.

Betreiber will jetzt ein Konzept vorlegen

Fischer wirft Gronemeyer vor, dass er zwar geäußert habe, den Flugplatz dauerhaft zu betreiben. Er habe aber nie dargelegt, in welcher Form. Ihm sei sogar angeboten worden, das Areal für die kommenden zwei Jahre pachtfrei nutzen zu können, um ihm Zeit zu geben, ein Konzept zu entwickeln.

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 "Dädalus nicht vertrieben"


Zu unserer gestrigen Berichterstattung unter dem Titel "Entscheidung zur Flugplatznutzung" teilt der Betreiber des Flugplatzes, Jens Gronemeyer, mit: "Ich habe den Fallschirmspringerclub Dädalus nicht vertrieben." Vielmehr hätten die Inhaber der heutigen Dädalus GmbH den Flugplatz mehrfach verklagt, ohne eine Klage zu gewinnen.

Die Dädalus GmbH habe trotzdem ein Vertragsangebot seitens des Flugplatzes zu den gleichen Konditionen erhalten wie heute Skydive Höxter.

In dem Bericht hatte es geheißen, der Flugplatz schreibe schwarze Zahlen.

Gronemeyer stellt dazu fest: "Diese Aussage ist von 2002. Im Jahr 2007 betrug der Verlust 94.467 Euro."

Zum Zeitpunkt der Pressekonferenz hieß es in der Verwaltungsspitze, die Verhandlungen mit Gronemeyer seien auf einem Nullpunkt angekommen. Gronemeyers spätere telefonische Aussage gegenüber der NW, ein Konzept nachreichen zu wollen, war am Vormittag noch nicht bekannt.

Deshalb auch die Aussage des Ersten Beigeordneten Klaus Schumacher: "Wir wissen, wer Flugzeuge hat. Das sind nun unsere potenziellen Ansprechpartner, um eine Folgenutzung des Flugplatzes gewährleisten zu können." Wenn das gelinge, müsse der jetzige Betreiber den Platz verlassen. Was der Öffentlichkeit bis dahin auch nicht bekannt war, gab überraschend der Bürgermeister bekannt: "Herr Gronemeyer hat bereits seit 2007 keine Pacht mehr an die Stadt Höxter bezahlt." Der Erbbauzins, den die Stadt dagegen jährlich aufbringen muss, betrage 35.000 Euro. Es sei jetzt an der Zeit, dass sich Gronemeyer klar positioniere. "Es gab bisher von ihm weder ein klares Ja noch ein klares Nein", sagte Alexander Fischer. Themen in der Vergangenheit seien auch der Erhalt der Zufahrtsstrecke und der Winterdienst zum Flugplatz gewesen. Da sei die Stadt ohnehin in der Pflicht. Diese Fragen hätten eigentlich gar nicht thematisiert werden müssen, so Fischer.

Wie die Verwaltung weiter mitteilte, sei der Pachtvertrag mit Jens Gronemeyer bereits am 31. April ausgelaufen, dann jedoch bis zum 31. Dezember verlängert worden.

Alle Angebote der Stadt blieben unberücksichtigt

Beigeordneter Klaus Schumacher und Klaus Missing gaben einen kurzen Rückblick. Vor über zehn Jahren hatten die Städte Höxter und Holzminden mit dem Kreis Höxter eine Betriebs-GmbH gegründet, waren dann aber zu der Überzeugung gelangt, dass es besser sei, den Flugplatz in private Hände zu übergeben. So habe es auch für den Betreiber das Angebot gegeben, die Gebäude und städtischen Flächen zu erwerben - für die Gebäude sei ein symbolischer Betrag von einem Euro angesetzt worden. Für einen Teil des Geländes, das einem Landwirt gehört, muss die Stadt Erbbauzins bezahlen. Doch alle Angebote seien im Sande verlaufen.

Jetzt stellt sich die Frage, was passiert, wenn Gronemeyer die Betriebs GmbH liquidiert? Klaus Missing zeigte sich gestern Vormittag zuversichtlich. Bei der Bezirksregierung in Münster sei erörtert worden, die Start- und Landegenehmigung "nicht untergehen lassen zu wollen". Ein neuer Betreiber könne davon ausgehen, den Betrieb wie bisher fortsetzen zu können.

Und noch ein Thema wurde gestern angesprochen. Als weitere Alternative könnte, so die Stadtverwaltung, auf dem Räuschenberg auch ein Solarpark entstehen. Vor einer Umnutzung des Räuschenberges steht allerdings noch ein dickes Fragezeichen. Das Areal liegt im Landschaftsschutzgebiet.

Jens Gronemeyer sagte gestern zur NW, dass er in den letzten zehn Jahren 400.000 Euro in den Flugplatz investiert habe. Aktuell sei ihm 2009 ein Verlust von 30.000 Euro entstanden.

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