"Er überzeugt und bewegt"

Mit neuen Ideen und Organisationstalent ins Bürgermeisteramt

VON JOSEF KÖHNE
Genießen die Zeit zu dritt - Dolores, Santiago und Rainer Vidal. Die Familie ist für den Bürgermeisterkandidaten Ruhepol und Rückhalt für die anstehenden Herausforderungen. - © FOTO: JOSEF KÖHNE
Genießen die Zeit zu dritt - Dolores, Santiago und Rainer Vidal. Die Familie ist für den Bürgermeisterkandidaten Ruhepol und Rückhalt für die anstehenden Herausforderungen. | © FOTO: JOSEF KÖHNE

Nieheim. Rainer Vidal Garcia redet in einem Tempo, dass einem schwindlig werden kann. Mit gleicher Geschwindigkeit fliegen seine Finger über die Tastatur des Laptops. Die druckreifen Texte entstehen im Eiltempo. Organisieren, managen, machen: das scheinen die Stärken des jungen Diplom-Verwaltungsbetriebswirts zu sein.

Nach den Kommunalwahlen am 30. August möchte sich der bisherige Assistent der Behördenleitung der Detmolder Bezirksregierung als Bürgermeister für die Stadt Nieheim und ihre Bürgerinnen und Bürger engagieren.

Leicht macht es sich der in Altenbeken aufgewachsene 36-jährige Verwaltungsfachmann nicht, denn er geht als Parteiloser für den CDU-Stadtverband ins Rennen. Das zeugt von Rückgrat, könnte es ihm bei einigen Wählern aber eventuell schwer machen, ebenso wie die Tatsache, dass er den Namen seiner Ehefrau annahm.

Beim Besuch im 1999 erbauten Eigenheim in Sandebeck muss Vidal über solche Gedanken schmunzeln. "Meine Frau hat spanische Eltern, ist aber in Deutschland geboren und hier mit zwei Schwestern aufgewachsen", erklärt er. Nach der Hochzeit behielt sie ihren Familiennamen, um die spanischen Wurzeln nicht vollends zu verlieren. Erst als Sohn Santiago geboren wurde, nahm Rainer Schmolke den Namen seiner Frau an. "Ich wollte, dass wir als Familie alle denselben Namen haben."

Kennen lernten sich Rainer und Dolores Vidal im Gymnasium St. Xaver. Dolores, deren Vater als Gastarbeiter nach Deutschland kam, verlor mit 12 Jahren ihre Mutter. Das Abitur konnte sie machen, weil sie aufgrund der persönlichen Situation und guten Noten ein Stipendium für die Ganztagsschule bekam.

Seit Jahren Dozent an der Fachhochschule

Nach dem Abitur studierte sie Wirtschaftswissenschaften und Spanisch für das Lehramt. "Spannend ist, dass sie am Berufskolleg in Schloß Neuhaus auch Neues Kommunales Finanzmanagement (NKF) für die Auszubildenden in der Verwaltung unterrichtet", lacht Rainer Vidal schelmisch, "so können wir uns über dieses Thema am Kaffeetisch austauschen." Er selbst ist schon seit vielen Jahren Dozent an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung mit Sitz in Bielefeld.

Söhnchen Santiago ist ein17 Monate altes, putzmunteres Kerlchen. Papa spricht deutsch mit ihm, Mama spanisch. Rainer Vidal genießt die Zeit mit seinem Sohn offensichtlich. Von Februar bis April hat er Elternzeit genommen, danach bis Ende Juli in Teilzeit gearbeitet. "Wir haben uns das gemeinsam überlegt, damit meine Frau ihren Beruf ausüben kann", sagt Vidal wohl wissend, dass so etwas mit einem Bürgermeisterjob nicht mehr möglich ist.

Im Umgang mit Santiago, der den Namen seines Ur-Großvaters trägt, ist Rainer Vidal nach Meinung seiner Frau der konsequentere Elternteil. Rainer Vidals Erklärung. "Von 2000 bis 2003 habe ich in Altenbeken die Minikicker bis zur F-Jugend trainiert. Dabei habe ich erfahren, dass es ohne feste Grenzen und klare Vorgaben nicht geht."

Für sich selbst akzeptierte er diese Grenzen, als er merkte, dass aktiver Fußball und Altenbekener Garde-Grenadiere nicht miteinander in Einklang zu bringen waren. "Ich habe die Zugposaune nach sechs Jahren an den Haken gehängt", sagt er. In seiner Jugend war Rainer Vidal Ministrant und Lektor.

Zu seinen Stärken zählt Vidal seine Offenheit und Toleranz, außerdem könne er sehr gut zuhören. "Hausarbeit ist für mich selbstverständlich", sagt er überzeugend. Die Schwächen? "Ich bin sehr ungeduldig."

Und was sagt seine Frau? "Die Ungeduld ist sein Motor. Er ist ein Meister der Organisation, absolut zuverlässig und immer gut vorbereitet. Er ist ein Pragmatiker, der überzeugt und bewegt."
Was nervt an ihm? "Er überschüttet einen manchmal mit Argumenten."

Ist er der richtige Bürgermeister für Nieheim? "Mein Mann hat 1.000 Ideen, kann andere damit anstecken. Er ist ein Mannschafts-Spieler. Deswegen bin ich überzeugt davon, dass er seine Arbeit gut machen wird." Und was sagt der Kandidat selbst? "Mich motiviert die Aussicht, Nieheim zukunftsfähig zu machen und für die Stadt etwas zu bewegen. Ich identifiziere mich zu 100 Prozent mit der Stadt und ihren Menschen."

Klein Santiago hört’s mit einem fröhlichen Quietscher und räumt derweil in aller Ruhe die Schubladen aus.

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