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HVV-Vorsitzender Norbert Drews mit Stadtförster Martin Schürmann und den ehrenamtlichen Forsthellfern. - © Burkhard Battran
HVV-Vorsitzender Norbert Drews mit Stadtförster Martin Schürmann und den ehrenamtlichen Forsthellfern. | © Burkhard Battran

Höxter So wurde vor 100 Jahren in Corvey das 1.100-jährige Jubiläum gefeiert

1922 gab es hinter dem Felsenkeller einen großen Stadtpark auf dem Ziegenberg. Dort kamen 1.100 Besucher zum historischen Jubiläum zusammen. Jetzt wurden hier Bäume gepflanzt.

Burkhard Battran
04.05.2022 , 02:15 Uhr

Höxter. Als die Weserbrücke noch offen war, sind täglich Tausende an der alten Wandmalerei auf der Pferdescheune an der Fürstenberger Straße vorbeigekommen. Sie ist schon etwas verblasst, aber sie ist auch das letzte Zeugnis im öffentlichen Raum eines interessanten stadtgeschichtlichen Kapitels. Neben der gemalten Abbildung des ehemaligen Felsenkellers findet sich dort die Bezeichnung „Parkhaus Felsenkeller“.

Hier geht es nicht darum, dass man in 1.000 Metern Entfernung sein Auto abstellen kann. „Der Felsenkeller war früher ein Haus am Park, denn im Felsenkeller hat man anspruchsvoll logieren können – und hat täglich einen Spaziergang durch den gleich dahinter liegenden Stadtpark gemacht und dabei den Blick über das Wesertal genossen“, erzählt Stadtheimatpfleger Wilfried Henze.

Damals war der Berg noch nicht bewaldet, sondern wurde als Ziegenweide genutzt, was den Bewuchs kurz gehalten hat und weshalb man überall eine herrliche Aussicht auf Höxter, das Wesertal und den Solling hatte. Es wäre den feinen Leuten dieser Tage nicht eingefallen, sich unten an der Weser aufzuhalten.

Dort ist es im Sommer schwül und stickig, die Mücken stechen. Oben auf der Höhe weht immer eine angenehme Brise, es gibt eine herrliche Aussicht. Im Übergang vom 19. ins 20. Jahrhundert erfreuten sich das Parkhaus Felsenkeller und der Stadtpark großer Beliebtheit.

In seinem Antiquariat hat Stadtheimatpfleger Wilfried Henze auch noch alte Fotografien des Stadtparks. Die Bilder wurden im Sommer 1922 aufgenommen. Da wurde im Stadtpark auf dem Ziegenberg nämlich das 1.100-jährige Jubiläum der Reichsabtei Corvey gefeiert. Und zwar mit einer Freiluft-Theateraufführung, bei der das Lieblingsstück der Höxteraner Bildungsbürger aufgeführt wurde: Dreizehnlinden von Friedrich Wilhelm-Weber.

„Damals waren 1.100 Zuschauer dazu auf den Ziegenberg gekommen“, hat Henze in alten Aufzeichnungen gefunden. 1.100 Besucher zum 1.100-jährigen Jubiläum – wie passend. Im Stadtpark befand sich ein großes Freilufttheater. In der Verlängerung des Turmwegs waren an einem Hang Terrassen geebnet worden, wo sich die Zuschauer auf mitgebrachten Stühlen und Decken niederlassen konnten. Auf Höhe des heutigen Wirtschaftsweges war die Bühne.

In den 1960er-Jahren wurde der Park aufgelöst

Stadtheimatpfleger Wilfried Henze mit 100 Jahre alten Fots, die zeigen, wie an genau dieser Stelle 1922 das 1.100-jährige Corvey-Jubiläum gefeiert wurde. - © Burkhard Battran
Stadtheimatpfleger Wilfried Henze mit 100 Jahre alten Fots, die zeigen, wie an genau dieser Stelle 1922 das 1.100-jährige Corvey-Jubiläum gefeiert wurde. | © Burkhard Battran

Nach dem Krieg ist das Interesse am Stadtpark zunehmend eingeschlafen. In den 1960er-Jahren wurde der Park aufgelöst und fand als Forstwirtschaftsfläche eine neue Nutzung. „Um eine attraktive Naherholungsfunktion zu erhalten, ist das Areal mit sehr unterschiedlichen Baumbeständen bepflanzt worden“, sagt Stadtförster Martin Schürmann mit Hochachtung vor seinen Vorgängern.

Ausgerechnet das Areal der historischen Naturbühne war mit einem Fichtenbestand bepflanzt worden. Der war in den zurückliegenden Jahren vom Borkenkäfer heimgesucht worden. „Nur die Fichten wurden befallen, die Küstentannen im Areal auf der linken Seite und auch das Areal rechts mit Buchen und Ahornen sind davon überhaupt nicht in Mitleidenschaft gezogen worden“, stellt der Stadtförster fest.

„So gesehen hat der Borkenkäfer ein Stück Stadtgeschichte freigelegt, das auf diese Weise ins Bewusstsein zurückgekehrt“, sagt der Vorsitzende des Heimat- und Verkehrsvereins (HVV), Norbert Drews.

Damals hieß der HVV noch Verschönerungsverein und setzte sich sehr für den Stadtpark am Ziegenberg ein. Jetzt hat der HVV 1.000 Euro gespendet, um auf den vom Borkenkäfer kahl gefressenen Flächen einen neuen Wald anzupflanzen. Dazu fand jetzt eine Pflanzaktion mit rund 20 freiwilligen Helfern statt.

Douglasien und Weißtannen ersetzen die Fichten

Insgesamt 500 Rotbuchen, Douglasien, Lärchen und Weißtannen werden in der ehemaligen Fichtenschonung gepflanzt, die in einigen Jahrzehnten zu einem stattlichen Wald heranwachsen sollen. „Nicht von ungefähr wollen wir gerade im Ziegenberg ein Zeichen setzten“, so der Vorsitzende Drews.

Ist doch dieser Stadtwald seit Jahrhunderten im Besitz der Höxteraner und ein beliebtes Wander- und Naturschutzgebiet mit einzigartigen Ausblicken in das Wesertal. Bis 1824 gab es dort eine unregelmäßige Waldnutzung, die sich neben der Ziegenweide auf Brennholz- und Bauholzgewinnung konzentrierte.

Von den rund 1.300 Hektar Stadtwald nimmt der Ziegenberg eine Fläche von 488 Hektar ein. Der Buchenwald, wie wir ihn heute kennen, entstand unter Oberförster Rode erst zwischen 1824 und 1855. Rode war ein leidenschaftlicher Befürworter der nachhaltigen Waldbewirtschaftung, was damals keineswegs überall Anklang fand. Unter seiner Verantwortung wurden auch die einstigen Ziegenweiden nach und nach aufgeforstet.

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