0
Vorstand Birger Kriwet (v. l.), der Leiter des Vorstandsstabes Thomas Göke und Vorstand Sascha Hofmann zeigen das Gemeinwohl-Zertifikat der Vereinigten Volksbank. - © Vereinigte Volksbank
Vorstand Birger Kriwet (v. l.), der Leiter des Vorstandsstabes Thomas Göke und Vorstand Sascha Hofmann zeigen das Gemeinwohl-Zertifikat der Vereinigten Volksbank. | © Vereinigte Volksbank

Vereinigte Volksbank lässt ihren Einsatz für das Gemeinwohl bescheinigen

In einem langen Prozess lässt sich die Vereinigte Volksbank im Kreis Höxter zertifizieren. Wo die Bank Verbesserungsmöglichkeiten in ihrer Arbeit sieht und was das für ihre Kunden bedeutet.

23.11.2021 , 02:45 Uhr

Kreis Höxter. Schneller, weiter, höher: Das sind die Ziele im wirtschaftlichen Wettbewerb. Doch zunehmend rücken Unternehmen auch andere Werte in den Vordergrund. Ihren Einsatz für das Gemeinwohl zum Beispiel.

So auch die Vereinigte Volksbank. Wie nachhaltig, ökologisch und ethisch ist sie eigentlich? Wie steht es um die Menschenwürde in der Zulieferkette? Wie gerecht sind die Arbeitsverträge der Mitarbeitenden? Und wird bei Investitionen auf soziale und ökologische Faktoren geachtet? Diese und weitere Fragen hat sich die Bank gestellt und sich ihren Einsatz für das Gemeinwohl nun zertifizieren lassen.

„Ein gutes Gefühl in Sachen Gerechtigkeit, Ethik und Umweltschutz hat uns nicht mehr gereicht. Wir wollten selbstkritisch auf unsere Abläufe und Praktiken schauen, unsere Grundwerte messbar und transparent machen", berichtet Thomas Göke, Leiter Vorstandsstab bei der Vereinigten Volksbank.

"Ein möglichst gutes Leben für alle"

Ein guter Ausgangspunkt für die sogenannte Gemeinwohl-Bilanz, heißt es in einer Pressemitteilung der Volksbank: Dabei werde der Unternehmenserfolg nicht am Gewinn gemessen, sondern an Werten, die sich am Gemeinwohl orientieren. Erfunden wurde dieses Instrument von der bürgerschaftlichen Bewegung der Gemeinwohlökonomie (GWÖ). In der Gemeinwohlökonomie sei nicht möglichst viel Geld, sondern „ein möglichst gutes Leben für alle" das Ziel, so VVB-Vorstandsmitglied Birger Kriwet.

Und so funktioniert das Erstellen einer Gemeinwohl-Bilanz ganz konkret: Es gibt vier große Werte – „Menschenwürde", „Solidarität und Gerechtigkeit", „Ökologische Nachhaltigkeit" und „Transparenz und Mitentscheidung". Die wurden jeweils zu Gruppen in Beziehung gestellt, mit denen das Unternehmen immer zu tun hat: Lieferanten, Eigentümer, Finanzpartner, Mitarbeitende, Kunden und Mitunternehmen sowie das gesellschaftliche Umfeld.

Vereinigte Volksbank hat den Grundstein gelegt

Entsprechend der fünf Berührungsgruppen seien im Spätsommer 2020 bankintern fünf Arbeitsgruppen gebildet worden, die sich intensiv mit Fragen rund um die vier Werte auseinandergesetzt haben. „Das spannende war, dass mit rund 20 Personen erfreulich viele Mitarbeitende direkt mitwirken wollten", freut sich Thomas Göke, der das Projekt in der Bank leitet und koordiniert.

„Die Gemeinwohlberater der Stiftung Gemeinwohlökonomie NRW Christoph Harrach und Christian Einsiedel haben den Prozess begleitet, unterstützt durch Studierende der Uni Paderborn", so VVB-Vorstandsmitglied Sascha Hofmann. „Das Ganze wurde abschließend durch Vertreter zweier weiterer Unternehmen extern auditiert, damit wir sicher sein konnten, mit unserem bankinternen Blick auf das Projekt nicht ‚betriebsblind‘ zu werden."

Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen seien schließlich in den knapp 100-seitigen Gemeinwohl-Bericht geflossen, der die Grundlage der Bilanz bilde. Anfang des Jahres sei das Dokument an die Gemeinwohlberater übergeben und von diesen auf Herz und Nieren überprüft.

Wie geht es weiter?

Bericht und Prüfung bilden das Ergebnis der Gemeinwohl-Bilanz, das der VVB nun vorliegt: In einer Matrix wird aufgeschlüsselt, wie viel Prozent auf der „Gemeinwohl-Skala" in den 20 Themen-Kombinationen erreicht wurden, und eine Gesamtpunktzahl zwischen 0 und 1000 errechnet. „Wir sind mit der Erstbilanzierung sehr zufrieden, wollen uns natürlich verbessern und haben auch in jeder Arbeitsgruppe Potenzial erkannt, an dem wir arbeiten wollen", so Thomas Göke.

Und wie geht es nun weiter? „In erster Linie hat uns die Gemeinwohl-Bilanzierung die Augen für einige grundsätzliche Fragen geöffnet: Was wollen wir als Bank eigentlich genau? Wo wollen wir uns in puncto Nachhaltigkeit positionieren? In welchen Bereichen wollen wir unser Profil schärfen? Damit werden wir uns erstmal auseinandersetzen und in einem zweiten Schritt konkrete Maßnahmen entwickeln", berichtet Birger Kriwet.

Ein paar Ideen können Vorstand und Projektkoordinator allerdings jetzt schon benennen. So soll der Bereich „Lieferketten" in Zukunft mehr in den Fokus rücken. Wie sind beispielsweise die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeitenden des Rechenzentrums, das für die Vereinigte Volksbank arbeitet – und woher bezieht der Betreiber seinen Strom? Durch eine regelmäßige Überprüfung soll hier mehr Transparenz hergestellt werden, heißt es von der Bank. Auch sollen innerhalb der Bank gute Beispiele aus der Mitarbeiterschaft mehr Aufmerksamkeit bekommen: „Ein Mitarbeiter zum Beispiel betreibt sein E-Auto mittlerweile komplett mit eigenem Strom aus seiner Photovoltaik-Anlage. Solche privaten Projekte sind tolle Vorbilder, die künftig im Haus bekannter sein sollen, um weitere Mitarbeitende zu inspirieren", findet Thomas Göke.

Genaues Hinschauen, gute Vorbilder und neue Produkte

Was sich für Kundinnen und Kunden bereits abzeichne: Vor allem das Produktspektrum soll vielfältiger werden. „Denn der eigentliche Hebel, den wir als Bank hinsichtlich eines nachhaltigen Handelns haben, ist die Frage: Was für Projekte finanzieren wir mit unseren Krediten? Wenn ein Unternehmen mit unserer Hilfe seinen Fuhrpark modernisieren möchte, sind das dann Fahrzeuge, die den aktuellen Emissionsauflagen genügen?", erläutert Sascha Hofmann. Ein ‚Ja‘ zum Kredit für die Erweiterung eines Biobetriebs sei ebenso politisch wie das ‚Nein‘ zu einem Textilunternehmen, das mit dem geliehenen Geld die Produktion von Europa nach Bangladesch umsiedeln will.

Mit seiner ersten Gemeinwohlbilanz ist die Vereinigte Volksbank eG 2021 auch Mitglied der „Gemeinwohl-Ökonomie Deutschland e.V." geworden. Unter v-vb.de/wir-sind-gemeinwohlbilanziert finden Interessierte den Gemeinwohlbericht 2019/2020 mit dazugehörigem Testat.

Mehr zum Thema

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.

Kommentar abschicken