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Blick von oben: Das Klärwerk Höxter liegt im Industriegebiet an der Eugen-Diesel-Straße. - © Torsten Wegener
Blick von oben: Das Klärwerk Höxter liegt im Industriegebiet an der Eugen-Diesel-Straße. | © Torsten Wegener

Höxter Medikamente und Mikroplastik sollen raus aus dem Wasser im Kreis Höxter

Wie das Warburger Klärwerk eine Forderung der Grünen schon in Teilen erfüllt - und was eine Nachrüstung in Höxter kosten würde

Simone Flörke
25.08.2019 | Stand 24.08.2019, 13:17 Uhr

Höxter/Warburg. Die Grünen im Kreis fordern: Mikroplastik raus aus dem Abwasser. Aktuell sei noch keine Kläranlage im Kreis Höxter in der Lage, die kleinen Partikel aus dem Abwasser zu filtern, sagen sie. Bei den Medikamenten-Rückständen sehe das schon besser aus, erklärt Kreistagsfraktionschef Gisbert Bläsing: Die Warburger Kläranlage könne mit Hilfe einer Ozonanlage chemische Verbindungen aus dem Abwasser aufspalten und entschärfen. Gerade diese Rückstände seien oftmals giftig für Fische und Kleinstlebewesen. Deshalb fordern die Kreisgrünen, dass zumindest die Kommunen, in denen Krankenhäuser und Kliniken betrieben würden, zügig diese sogenannte vierte Reinigungsstufe einführen. Die erste ist die mechanische, die zweite die biologische, die dritte die chemische Reinigung, erklärt Uwe Dierkes von der Stadtentwässerung Höxter (SEH). Für die vierte Reinigungsstufe gebe es verschiedene Möglichkeiten, darunter eben die Ozonanlage, dann Aktivkohle oder eine Kombi von beiden. Die Höxteraner Kläranlage mit dritter Reinigungsstufe sei kleiner als die in Warburg, sei für einen Einwohnerwert von 30.000 ausgelegt, Warburg auf den Einwohnerwert von 50.000. Vor rund eineinhalb Jahren 2,5 Millionen Euro investiert Der könne angesichts von Industrie in einer Kommune deutlich höher liegen als die tatsächliche Einwohnerzahl, betont Dierkes. Hinzu komme als Berechnungsfaktor die Größe des Gewässers, in die das geklärte Wasser dann eingeleitet werde – die Weser sei sicherlich als Wasserstraße deutlich größer als die Diemel. In Warburg hat man vor rund eineinhalb Jahren rund 2,5 Millionen Euro (70 Prozent Förderung) für die Aufrüstung der Kläranlage an der Kühlemühle ausgegeben. Geld für die vierte Reinigungsstufe, das sich nach Ansicht des Technischen Leiters Helmut Schmitz gelohnt hat: „Wir holen eine Menge mehr aus dem Abwasser heraus und erreichen einen Abbaugrad von mehr als 80 Prozent bei diesen Stoffen wie Medikamentenresten." Aber auch Dünge- und Pflanzenschutzmittel. Er habe mit vielen Bürger gesprochen und noch kein negatives Feedback zu dieser Investition bekommen, sagt Schmitz überzeugt. Man sehe sich mit dem Klärwerk als „Umwelteinrichtung", die von vielen Gruppen – Schulen wie Vereinen – besichtigt wird. 1,1 bis 1,3 Millionen Kubikmeter Schmutzwasser 1,1 bis 1,3 Millionen Kubikmeter Schmutzwasser gehen in Höxter jedes Jahr durch die Kläranlage – permanent überwacht und beprobt, sagt der SEH-Leiter. „Auch wir überlegen, was wir machen können, sind im ländlichen Raum nicht im Dornröschenschlaf." Kosten würde eine Aufrüstung auf die nächste Reinigungsstufe in Höxter zwischen 2,2 und 2,5 Millionen Euro, das hat eine Machbarkeitsstudie ergeben. Und das wiederum könne sich dann auf die Gebühren auswirken. Deshalb müsse man entscheiden, was man wolle. In Sachen Medikamenten-Rückstände arbeitet de SEH bereits mit Forschern zusammen, die Möglichkeiten testen. In Höxter vor allem ein Problem: die Röntgenkontrastmittel, die hochkonzentriert ausgeschieden würden. Rückstände im Wasser – für Dierkes grundsätzlich ein Thema, „das sich nicht mehr aufhalten lässt". Und für Helmut Schmitz gilt vor allem eine Maxime: „Vermeidung vor Behandlung!"

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