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Versalzen: Die Weser wird noch weitere Jahre mit Salzlauge belastet. - © David Schellenberg
Versalzen: Die Weser wird noch weitere Jahre mit Salzlauge belastet. | © David Schellenberg

Kreis Höxter Minister beerdigen den Bau der Oberweser-Pipeline

Die Weserversalzung bleibt aber weiter ein Streitthema

Matthias Bungeroth
15.08.2019 | Stand 15.08.2019, 20:02 Uhr
David Schellenberg

Kreis Höxter/Kassel. Die Weserministerkonferenz hat sich in Kassel von den Plänen des Baus einer  hoch umstrittenen Oberweser-Pipeline, mit der Salzlauge direkt bei Bad Karlshafen in die Weser gepumpt werden soll, verabschiedet.  Das gaben die Teilnehmer der Konferenz nach der Sitzung bekannt. Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) zeigte sich mit dieser Lösung zufrieden. "Das ist ein Erfolg für Niedersachsen und eine wirklich positive Botschaft für unser Land und die Umwelt", sagte Lies. Es sei immer besser, Umweltbelastungen an der Quellezu minimieren. Auch mit anderen Maßnahmen könne der ökologische Zustand der Flüsse laut Lies gewährleistet werden. "Dass wir auf einem richtigen und glaubwürdigen Weg sind, zeigt auch, dass die EU-Kommission das Vertragsverletzungsverfahren im Juni eingestellt hat. Wir werden diesen Vertrauensvorschuss der EU nicht enttäuschen, und dafür sorgen, dass K+S weitere Fortschritte macht und die Zielwerte für Werra und Weser eingehalten werden", erklärte lies weiter. Die Einstellung des Vertragsverletzungsverfahrens durch die EU hatte bei Naturschützern für viel Kritik gesorgt.  Die Grünen in Ostwetfalen-Lippe begrüßen zwar, "wenn der Weser eine Salzeinleitung bei Beverungen und Bad Karlshafen erspart bleibt", wie Helga Lange, Fraktionschefin der Grünen im Detmolder Regionalrat, erklärte. Gleichzeitig stellt Uwe Rottermund, Vertreter der Grünen im Kreistag Höxter, fest: "Zur Wahrheit gehört jedoch auch, dass der Konzern K+S noch jahrelang die Gewässer mit Salz belastet und den Schaden der Allgmeinheit aubürdet." Die Grünen werden nach seiner Erklärung "nicht nachlassen, daran zu arbeiten, dass die Weser die Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie in absehbarer Zeit einhält und wieder der Süßwasserfluss wird, der sie vor der Kali-Gewinnung war." Die 135 Kilometer lange Fernleitung hatte der Kasseler Düngemittelproduzent K+S schon vor einigen Jahren beantragt, um die Entsorgung von Salzabwässern aus dem Werk von Philippsthal in Hessen zu ermöglichen. Jetzt zeichnen sich aber andere Lösungen ab, die auch vom Unternehmen mitgetragen werden.Denn Kali und Salz hat ein alternatives Gesamtkonzept vorgelegt, das ohne die Fernableitung des Salzabwassers direkt in die Weser auskommt. Wesentlicher Bestandteil ist die sogenannte Einstapelung der Salzabwässer. Dafür hat K + S für die Grube Wintershall in 700 Metern Tiefe einen riesigen Speicher für Salzabwässer angelegt und über 13,6 Millionen Euro investiert. Bei der Einstapelung wird eigentlich nichts gestapelt. Stattdessen wird eine hoch konzentrierte Salzlösung unter Tage gepumpt. Zwölf Kilometer Rohre hat K+S im Untergrund verlegt. Die nun erteilte Genehmigung bezieht sich allerdings nur auf eine befristete Einlagerung unter Tage. Über die Risiken Kali und Salz hofft auf eine dauerhafte Genehmigung durch das Regierungspräsidium Kassel und sieht in der Einstapelung einen „Meilenstein", wie K + S Vorstand Burkhard Lohr erklärt. für K+S. Denn sie soll als Dauerlösung die Versenkung ersetzen. Bei dieser umstrittenen Methode werden Salzabwässer in höhere Bodenschichten entsorgt, was dem Konzern seit Jahren Ärger mit Kommunen und Umweltschützern einbringt. Ab Ende 2021 will K+S darauf verzichten. Laut Lohr ist die Einstapelung ökologisch und ökonomisch die beste Lösung. Probleme durch eine Versalzung des Grundwasser seien ausgeschlossen – die Gruben liegen zu tief. „Eine Grundwasserthematik haben wir da gar nicht, es geht ausschließlich um die Frage: Werden die Sicherheitspfeiler angegriffen und könnte es oberirdisch Setzungen geben?" Theoretisch können Flüssigkeiten Salz aus den tragenden Pfeiler lösen, die Decken absenken, was sich bis zur Oberfläche fortsetzt. Verwende man aber eine hochgesättigte Salzlösung, sei das ausgeschlossen. Auch das Regierungspräsidium Kassel sieht keine Risiken. Technisch sei der Schritt zur dauerhaften Einstapelung kein Problem, sagt Lohr. Allerdings müsse K+S langfristig eine zweite Eindampfanlage bauen, die die Salzabwässer dafür aufkonzentriert. Erst dann können größere Mengen eingestapelt werden. Diskussion um Salz-Grenzwerte Bis es soweit ist, würden noch Jahren vergehen – K+S braucht so lange die Werra und die Weser als wichtigsten Entsorgungsweg, was eine längere Belastung für die Flüsse bedeutet. Eine für 2021 vereinbarte Absenkung der Salz-Grenzwerte ist laut Lohr nicht haltbar. Für eine Übergangsphase müsse man mit den Weseranrainerländern – der Flussgebietsgemeinschaft Weser (FGG) – „über die Gestaltung der Zielwerte sprechen", sagt Lohr: „Diese Zielwerte, die Süßwasserqualität bedeuten, wollen wir ab 2028 dann einhalten." Für das umstrittene Millionenprojekt Oberweser-Pipeline könnte die Einstapelung das Aus bedeuten: Am Donnerstag wollen sich die Minister der FGG in Kassel treffen und über die Oberweserfernleitung beraten. Mit der wollte K+S Salzabwässer von Osthessen an die Oberweser bringen und direkt einleiten. Beliebt war die Idee nie – weder bei Kommunen und Umweltschützern, noch bei K+S. „Ich hoffe, dass die FGG Weser beschließt, dass die Oberweserpipeline nicht das Mittel der Wahl ist, sondern die Einstapelung", sagt K+S-Chef Lohr. Selbst der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sieht den Weg zur Einstapelung positiv: „Der BUND ist froh, wenn die heutige Entscheidung den Einstieg in den Ausstieg der unseligen Oberweser-Pipeline bedeutet", sagt Naturschutzreferent Thomas Norgall. Jede Genehmigung zur Einstapelung salzhaltiger Abwässer in alte Kaligruben müsse aber auch ein Risikomanagement umfassen, um die Absenkung des Untergrunds auszuschließen. Mit Material der dpa.

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