0
Das letzte Bier: Immer mehr Kneipen, Restaurants und Gaststätten sind von der Schließung bedroht. - © Pixabay
Das letzte Bier: Immer mehr Kneipen, Restaurants und Gaststätten sind von der Schließung bedroht. | © Pixabay

Kreis Höxter Warum so viele Kneipen im Kreis Höxter schließen

71 Kneipen sind in den letzten Jahren verschwunden

Katharina Thiel
14.08.2019 | Stand 15.08.2019, 11:08 Uhr

Kreis Höxter. Innerhalb von zehn Jahren haben im Kreis Höxter 71 Gastronomie-Betriebe ihre Türen für immer geschlossen. Zwischen 2007 und 2017 hat damit jede vierte Gaststätte, Kneipe oder Eisdiele zugemacht. Zuletzt zählte der Kreis noch 189 Betriebe, teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mit, beruft sich dabei auf Zahlen des Statistischen Landesamtes – und warnt vor einem weiteren Kneipensterben. Soweit will Joachim Avenarius, Kreisvorsitzender der Dehoga in Höxter, nicht gehen: „Unsere Gastronomiestruktur verändert sich", sagt er. „In den Dörfern gibt es ein Nachwuchsproblem. Das hat mit der Lust des Unternehmers und der Profitabilität zu tun." Ohne flexiblere Verkaufsangebote und realistische Preise bei Geschäftsaufgabe sei es für Wirte schwierig, einen geeigneten Nachfolger zu finden, der den Betrieb weiterführen kann. „Das Dorfleben wird sich verändern." Familienleben habe einen höheren Stellenwert Auch der Mensch nehme an dem Wandel teil: „Ein Frühstück mit Freunden wird mehr geschätzt", so Avenarius. Ebenso habe das Familienleben einen höheren Stellenwert. Zwei arbeitende Elternteile seien abends lieber auf dem heimischen Sofa statt in der Kneipe. Wenn sie dann doch abends etwas trinken gehen, dürfe es gerne ausgefallener sein: „Die Gäste zieht es im Moment in die Erlebnisgastronomie", sagt der Experte. Dazu zählen Themenrestaurants sowie Gaststätten mit Animation am Tisch oder die Möglichkeit für den Gast, bei der Zubereitung des Essens zuzuschauen. Vereine und Clubs verschlägt es nach wie vor in die Kneipen Vereine und Clubs verschlägt es nach wie vor in die Kneipen im Ort. „Die Gastronomie freut sich natürlich über Vereine, kann davon aber nur schwer leben." Als Beispiel nennt Avenarius auch Elternabende. Denn von den Anwesenden würde meist nur ein Bruchteil auch wirklich Getränke oder ein Essen bestellen. „Das deckt einfach die Kosten nicht." Um einem Mitarbeiter nämlich den Mindestlohn zahlen zu können, brauche der Wirt über 20 Tage mindestens 100 Euro Gewinn, so der Experte. Auch die Beständigkeit sei ein großes Problem, denn vor allem Betriebe mit Außengastronomie seien darauf angewiesen, den Gewinn für das ganze Jahr in wenigen Monaten zu machen. Kein Fachkräftemangel in Kneipen Einen Fachkräftemangel in der Branche, den die NGG unter anderem für die Entwicklung verantwortlich macht, sieht er zumindest in Kneipen nicht. „Die kleinen Kneipen haben nicht das Problem, dass sie Fachkräfte brauchen. Für die großen, die schon lange nach Tarif zahlen, ist es auch nicht schwer. Es gibt selten im Service abends in einer Kneipe eine Restaurantfachfrau hinter der Theke", sagt Avenarius. Das betreffe dementsprechend eher Restaurants. Dass die Arbeitszeiten eine Rolle spielen, sei auch nur vereinzelt so. „Wir haben viele Mitarbeiter, die es schätzen, mal morgens oder unter der Woche frei zu haben." Persönlich schätzt der Kreisvorsitzende der Dehoga das „gemütliche Ambiente" in einer Kneipe. Die „Möglichkeit, einfach mal an einem anderen Ort zusammensitzen zu können", sei für ihn ein besonderes Lebensgefühl.

realisiert durch evolver group