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Mähbalken: 2,40 Meter breit ist das Schneidwerk, mit dem Klaus-Stephan Schunke unter Wasser arbeiten kann. - © Manuela Puls
Mähbalken: 2,40 Meter breit ist das Schneidwerk, mit dem Klaus-Stephan Schunke unter Wasser arbeiten kann. | © Manuela Puls

Höxter So werden die Unterwasserpflanzen im Godelheimer Badesee gemäht

Die Sicherheit der Badegäste steht im Mittelpunkt

Manuela Puls
08.08.2019 | Stand 08.08.2019, 15:51 Uhr

Höxter-Godelheim. Andere mähen Zuhause im Garten ihren Rasen, Klaus-Stephan Schunke mäht Unterwasserpflanzen. Aktuell ist der Borgholzhausener mit seinem Spezialboot im Godelheimer Freizeitsee im Einsatz. Vorne an dem drei Tonnen schweren Schwimmbagger hängt ein Mähbalken, mit dem Tausendblatt und Wasserpest dicht über dem Grund des Sees abgeschnitten werden. „Wir haben hier in Godelheim einen sehr gesunden See, die Wasserqualität ist gut", betont Sebastian Vogt von der Stadt Höxter. Das Unterwassermähen diene vor allem der Sicherheit der Badegäste. „Die sollen wegen der Wasserpflanzen nicht in Angst und Panik verfallen", so der Pressesprecher weiter. Zudem könne man sich auch beim Schwimmen in den Pflanzen verheddern. Ein Kranwagen hat das schwimmende Arbeitsgerät am Morgen in den Teich gesetzt. Seitdem dreht Schunke dort seine Runden. „Ist wie auf dem Traumschiff", witzelt der braungebrannte Fachmann. Sein Arbeitsbereich ist die Badebucht. „Ich mähe hier bis auf 2,20 Meter Wassertiefe, aber nur einen Teil des Sees", erklärt der 62-Jährige. Er hat von der Stadt Höxter den Auftrag bekommen, den relativ flachen Schwimmerbereich im Freizeitsee von Wasserpflanzen zu befreien – vom Sandstrand aus gesehen ein ganzes Stück hinter dem Inselende bis zum Schilfgürtel. Denn viele Badegäste stört das Grünzeug einfach. "Einige mögen es, wenn es am Bauch krabbelt" „Einige mögen es, wenn es beim Schwimmen unterm Bauch krabbelt, andere nicht", schmunzelt der selbst ernannte Gewässerrestaurator. Schlimmstenfalls könnten die Unterwassergewächse sogar die Außenbordmotoren der Rettungsboote verstopfen. Für die Mahd der zweieinhalb Hektar große Badezone wird der erfahrene Unternehmer etwa zwei Tage brauchen. Anschließend muss Klaus-Stephan Schunke das Grünzeug noch mit seinem Gefährt zusammenschieben. Dazu wird er dann einen großen Rechen an seinem Boot anbauen. Aber da spielt ihm die frische Godelheimer Brise in die Karten. „Der Wind steht günstig und treibt das Räumgut Richtung Ufer", freut sich der Borgholzhausener. Das bedeutet für ihn Zeitersparnis. Von den zahlreichen, per Schild vorgewarnten Badegästen mitten in den Sommerferien hält Schunke einen gebührenden Sicherheitsabstand von etwa zehn Metern. Nicht anzudenken, wenn jemand seinem ratternden Mähbalken zu nahe käme. Die Wasserpflanzen werden horizontal und vertikal abgeschnitten. „So wird das Mähgut noch mal mittig durchtrennt, damit es seitlich am Boot vorbei schwimmt", erklärt der Fachmann mit 34 Jahren Berufserfahrung. Wie stark die Wasserpflanzen nachwachsen, das hängt von vielen Faktoren ab: „Wie viele Sonnentage gibt es, wie viele Nil- und Kanada-Gänse sind da, wie viele Badegäste verunreinigen das Wasser, wie es ist der Ufer-Bewuchs". Auch der Nährstoffeintrag über das Grundwasser durch die Landwirtschaft spielt eine Rolle. Vor fünfzehn Jahren sei er zuletzt nach Godelheim gerufen worden. Manchmal muss er sich auch ärgern Komplett ausrotten könne man die Wasserpflanzen ohnehin nicht. „Nur auf ein für alle erträgliches Maß zurückdrängen", sagt Schunke. Dazu wäre eine jährliche Mahd über mehrere Jahre optimal. Ohnehin dringen die Gewächsen wegen der stärkeren Sonneneinstrahlung mittlerweile in immer größere Tiefen vor. „Früher gab es sie nur bis zwei Meter Tiefe, heute sind sie in durchsichtigem Wasser auch in fünf oder sechs Metern Tiefe anzutreffen", hat er festgestellt. Ärgern muss er sich auch manchmal, zum Beispiel wenn ein dicker Stein seine Messer stumpf macht. „Dann muss eine neue Klinge her", erklärt der Borgholzhausener, der sogar im europäischen Ausland mit seinen Spezial-Booten unterwegs ist. Sein Bruder betreibt ein ähnliches Geschäft in Süddeutschland.

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