Am Ende hat alles gepasst: Heiner Ahrens (v.l.), Steffen Butterwegge und Bernd Wennemann von der Firma Ahrens Haustechnik mit dem mobilen Blockheizkraftwerk. - © Mathias Brüggemann
Am Ende hat alles gepasst: Heiner Ahrens (v.l.), Steffen Butterwegge und Bernd Wennemann von der Firma Ahrens Haustechnik mit dem mobilen Blockheizkraftwerk. | © Mathias Brüggemann

Höxter Warum ein Blockheizkraftwerk in Höxter mobil ist

Eine pfiffige Idee sorgt für eine rentable Auslastung. Im Sommer soll das mobile Kraftwerk das Wasser im Freibad beheizen, im Winter für Wärme in der Realschule sorgen

Mathias Brüggemann
13.06.2019 | Stand 12.06.2019, 19:38 Uhr

Höxter. Dass das Wasser im Schwimmbecken des Höxteraner Freibades künftig über ein Blockheizkraftwerk beheizt wird, ist an sich nichts Ungewöhnliches. Ungewöhnlich ist allerdings, dass dieses Blockheizkraftwerk (BHKW) auf Rädern steht. Denn außerhalb der Freibad-Saison, also rund acht Monate im Jahr, würde das 125.000 Euro teure Gerät ungenutzt sein. „Das rentiert sich nicht", sagt Stadtsprecher Sebastian Vogt. Und so habe man sich überlegt, ob das Kraftwerk in der kalten Jahreszeit nicht für andere städtische Gebäude genutzt werden kann. Vogt: „Wir haben uns deshalb für eine Mobil-Lösung entschieden." Das bedeutet: Das BHKW wird, sobald das Freibad im September seine Türen schließt, zur Realschule gefahren und dann dort zur Unterstützung der Heizungs- und Stromversorgung eingesetzt. Das BHKW mit einer elektrischen Leistung von 70 Kilowatt und einer thermischen Leistung von 115 Kilowatt wird dann also ganzjährig genutzt. »Nur ganz selten in Deutschland« „Das ist nicht nur wirtschaftlich sinnvoll, es ist auch besser für die Anlage, wenn sie 365 Tage durchläuft und nicht monatelang abgeschaltet ist", erklärt Heizungsbaumeister Bernd Wennemann von der Ottberger Firma Ahrens Haustechnik, die mit der Installierung des BHKW beauftragt worden ist. Drei Wochen lang hat Wennemann getüftelt, bis er die optimale mobile Lösung für das BHKW gefunden hatte. Das Kraftwerk steht auf einem Anhänger, der dann von einem Fahrzeug zu den jeweiligen Standorten gezogen wird. Klingt einfach, ist tatsächlich aber ziemlich kompliziert. „Das war Gramm- und Millimeterarbeit", erzählt Firmenchef Heiner Ahrens. Traglast von 3.500 Kilogramm Denn Gewicht, Höhe und Länge waren die Komponenten, die die größten Herausforderungen darstellten. Der Anhänger hat eine Traglast von 3.500 Kilogramm. „Einen größeren konnten wir nicht nehmen, denn der Anhänger muss in den Technikraum passen", sagt Ahrens. Eine bauliche Veränderung des Technikraums sei aus Denkmalschutzgründen nicht möglich. „Und der Anhänger muss von einem Bulli gezogen werden können. Bei einem Größeren hätte man einen Lkw gebraucht." Also musste man mit 3.500 Kilogramm auskommen. Allein zwei Tonnen wiegt aber schon das BHKW. Dazu kommt noch weitere Technik wie Gasanschluss, Heizungsanschluss, Steuerungselektronik, Abluftanlage, Abgasschalldämpfer Pumpen oder Hydraulik. „Wir mussten das Gewicht so niedrig wie möglich halten", berichtet Ahrens vor der Schwierigkeit, vor dem Heizungsbaumeister Wennemann stand. „Und wir haben alles ausgereizt: Am Ende kamen wir auf 3.490 Kilogramm", erzählt Bernd Wennemann. Zehn Kilo unter dem zulässigen Höchstgewicht. Tiefer gelegter Anhänger Der 4,10 Meter lange und 2 Meter breite Anhänger passt so gerade eben in das Technikgebäude. Schwierig wurde es mit der Höhe. Der Abgasschalldämpfer ist 2,54 Meter hoch. Zu hoch für den kleinen Raum. Der Anhänger musste deshalb tiefergelegt werden, damit der Anhänger mit dem BHKW in das Technikgebäude geschoben werden konnte. Auch das gelang den Ottberger Installateuren. Wenn auch nur ganz knapp. „Wir haben einen einzigen Zentimeter Luft", erzählt Firmenchef Ahrens. Der TÜV hat den Anhänger inzwischen abgenommen. Solche Blockheizkraftwerke auf Rädern gibt es nach Aussagen von Heiner Ahrens nur ganz selten in Deutschland. „Höchstens ein dutzend Mal."

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