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Florian Potthast (vorn) zeigt eine der Saat-Mischungen, die ausgebracht wurden. Das Projekt unterstützen Bürgermeister Robert Klocke (Marienmünster; v. l.), Ulrich Riedl (TU OWL), Kathrin Weiß (Kreis), Antonius Tillmann (Landwirtschaftlicher Kreisverband), Gaby Beckmann (Landfrauen), die Landwirte Christian Nutt, Hermann Müller, Hubert Reichling und Laura Müller, Kreislandwirt Heinrich Gabriel und Manfred Rickhoff (Innogy). - © Simone Flörke
Florian Potthast (vorn) zeigt eine der Saat-Mischungen, die ausgebracht wurden. Das Projekt unterstützen Bürgermeister Robert Klocke (Marienmünster; v. l.), Ulrich Riedl (TU OWL), Kathrin Weiß (Kreis), Antonius Tillmann (Landwirtschaftlicher Kreisverband), Gaby Beckmann (Landfrauen), die Landwirte Christian Nutt, Hermann Müller, Hubert Reichling und Laura Müller, Kreislandwirt Heinrich Gabriel und Manfred Rickhoff (Innogy). | © Simone Flörke

Kreis Höxter/Marienmünster Saat-Mischungen für hektarweise Artenvielfalt im Kreis Höxter

Mit Saatgut: Wie Landwirte aus dem Stadtgebiet Marienmünster gemeinsam mit vielen Partnern und wissenschaftlich begleitet ein Projekt zur Artenvielfalt ins Lebengrufen haben, das jetzt erstmals erblühen wird

Simone Flörke
08.05.2019 | Stand 08.05.2019, 08:28 Uhr

Kreis Höxter/Marienmünster. Es sei faszinierend, welch ein Leben das ganze Jahr über auf der Blühfläche im Garten herrsche, sagt Marienmünsters Bürgermeister Robert Klocke mit Begeisterung über ein Projekt, bei dem Samentütchen an Privatleute vergeben werden, um die Artenvielfalt in die Gärten zurückzuholen. Das gleiche passiert – wissenschaftlich von der Technischen Hochschule (TH) OWL begleitet, – nun auch bei Landwirten im Stadtgebiet Marienmünster. Dort sind rund 15 Hektar landwirtschaftliche Flächen mit zwei unterschiedlichen Saat-Mischungen als Blühflächen und Blühstreifen angelegt worden. Das entspricht rund 15 Fußballfeldern. Dafür ist kostenfrei Saatgut im Wert von 4.000 Euro an Landwirte verteilt worden. Damit wolle man einen weiteren Beitrag zur Artenvielfalt leisten, sagte Antonius Tillmann. Zugleich betonte der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes, dass dies eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sei und man nicht nur die Landwirte dabei in die Pflicht nehmen dürfe. Die seien sich ihrer Aufgabe bewusst – weshalb man auch 2016 am runden Tisch Platz genommen haben. Um mit Studenten der TH Ideen zu entwickeln, die in der heimischen Landwirtschaft realisierbar seien. Breite Basis des Verständnisses füreinander „Baukastenvorschläge" für einen Biotop-Verbund/Vernetzung, nennt es Ulrich Riedl, Professor an der TH in Höxter (Landschaftsökologie und Naturschutz). Aus dem sich Landwirte bedienen könnten. Und zwar nicht nur mit Blick auf die Betriebsökonomie des Hofes im harten Wettbewerb. Sondern vor allem auf einer breiten Basis des Verständnisses füreinander, so Kathrin Weiß vom Kreis Höxter. Nun ist die Saat größtenteils im Boden, werden die Blühflächen in der Landschaft rund um Marienmünster bald zu sehen sein. „Ich bin positiv überrascht, dass schon so viel Fläche zusammengekommen ist", sagte Kathrin Weiß erfreut. Mit ins Boot kamen die Landwirtschaftskammer und der Kreis sowie Innogy als Sponsor der Saat-Mischungen. Und die Stadt Marienmünster, die nach Angaben des Bürgermeisters als kleine kommune sehr flexibel sei und eine Vorreiterrolle in Sachen Biodiversität sein wolle. "Wir können nicht die Welt ändern" „Ein gutes Signal, um das Bewusstsein für die Umwelt zu schärfen." Die Anzahl von rund einer Million gefährdeter aussterbender Arten, die Anfang der Woche durch die Medien ging, müsse die Menschen betroffen machen, zum Umdenken und Handeln bewegen. „Wir können nicht die Welt verändern – aber das Bewusstsein der Menschen." „Der Kreis Höxter ist schon weiter als die Welt", sagte Kreislandwirt Heinrich Gabriel. Denn hier suche man nicht nach Schuldigen für das Aussterben von Arten, hier spreche man miteinander – und handele in kleinen Schritten. Denn 70 Prozent der Fläche des Kreises Höxters seien mit Land- und Forstwirtschaft bewirtschaftet. Und immer noch seien die Flächenverluste so enorm groß – 20 Hektar täglich allein in NRW. „Wir Landwirte müssen mitarbeiten. Und wir haben die Luft, etwas von unserer Fläche an die Natur weiterzugeben." Denn Landwirte seien nicht nur Lebensmittelproduzenten und Energie-Wirte, sondern auch mit für die Artenvielfalt zuständig. Doch allein werde man sich den Schuh nicht anziehen: „Die Landwirte werden ihren Beitrag leisten, doch jeder muss sehen, was er selbst machen kann." Das betonte auch Tillmann, der von einem „ersten Schritt" mit diesem Projekt sprach, dem viele weitere folgen müssten. Und zwar mit Miteinander der Menschen, im Miteinander von Landwirtschaft und Naturschutz. Ansprechpartner für am Projekt Interessierte ist der Landwirtschaftliche Kreisverband Höxter.

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