Umstritten: Im Vorfeld der Landesgartenschau 2023 führt die Stadt eine Diskussion um den Hindenburgwall. - © Hermann Ludwig
Umstritten: Im Vorfeld der Landesgartenschau 2023 führt die Stadt eine Diskussion um den Hindenburgwall. | © Hermann Ludwig

Höxter Diskussion um Hindenburgwall in Höxter

Vergangenheitsbewältigung ist auch in der Weserstadt ein schwieriges Thema

Burkhard Battran
16.04.2019 | Stand 16.04.2019, 08:18 Uhr |

Höxter. In jeder Stadt gibt es Straßen, deren Namen Relikte aus der Nazi-Zeit sind. Und immer wieder werden sie zum Gegenstand öffentlicher Diskussionen. Am Ende bleibt aber meist alles beim Alten, denn die Straßennamen sind zumeist immer noch da. In Höxter gibt es aktuell eine Diskussion über den „Hindenburgwall". "Die Wallanlage ist ein zentrales Areal der Landesgartenschau und weil der nun einmal offiziell den Namen Hindenburgwall trägt, ist es uns wichtig, dass wir im Vorfeld darüber reden, bevor uns von außen eine Diskussion aufgedrückt wird, die wir so nicht wollen”, begrüßte Volkshochschulleiter Rainer Schwiete am Freitag rund 30 Teilnehmer in der VHS-Aula. Geleitet wurde das Seminar von dem Höxteraner Heimathistoriker Ernst Würzburger (77). "Für mich war die besondere Erkenntnis des heutigen Abends, dass Straßennamen nicht in Stein gemeißelt sind, sondern Ausdruck der vorherrschenden politischen Verhältnisse sind”, sagte eine Teilnehmerin. Die meisten Straßen in den Städten gab es ja schon, bevor die Nazis an die Macht kamen. Mit dem Aufstieg Hitlers wurden Nazi-Größen mit Straßennamen Ehre erwiesen. Kaum eine Stadt, in der es nicht eine Adolf-Hitler-Straße gegeben hätte. In Höxter wurde die Grubestraße in Adolf-Hitler-Straße umbenannt. Als der Spuk vorüber war, wurden alle Adolf-Hitler-Straßen ganz schnell wieder abgeschafft. Ehrenbürger in Höxter Andere nationalsozialistisch weniger auffällige Namen sind geblieben. Dazu gehört auch der Hindenburgwall in Höxter. Reichspräsident Paul von Hindenburg war sogar Höxteraner Ehrenbürger. "Es heißt die Ehrenbürgerrechte seien mit dem Tode erloschen, offiziell aberkannt wurden sie aber nie”, sagte Heimathistoriker Würzburger. Hindenburg wurde mit dem Nationalsozialismus nicht in Verbindung gebracht, da er ja bereits ein Jahr nach der Machtübernahme Hitlers gestorben ist. Heute weiß man, dass Hindenburg maßgeblichen Anteil am Aufstieg Hitlers hatte. "Kein Mensch kann wollen, dass unsere Gartenschau mit einer Nazi-Straßennamen-Diskussion in Verruf kommt”, sagte ein Teilnehmer. Das einfachste wäre, dem Hindenburgwall seinen ursprünglichen Namen zurück zu geben. Der lautete nämlich Nicolaiwall. Man könnte aber auch dem Vorschlag eines anderen Teilnehmers folgen, der die ganze Situation eher entspannt betrachtet: "Ob es nun Hindenburgwall oder Nicolaiwall heißt, ist ganz egal, weil diese Namen in Höxter eh kein Mensch benutzt, denn im allgemeinen Umgang heißt es einfach nur Wall und das genügt doch.” Viele Städte 106 Städte in Deutschland haben zwischen 1915 und 1939 Paul von Hindenburg die Ehrenbürgerrechte verliehen. 30 Städte haben die Ehrenbürgerschaft wieder aberkannt. Viele bereits direkt nach Kriegsende. In der Hauptstadt war 2015 ein Antrag der Linken auf Löschung vom Berliner Abgeordnetenhaus mehrheitlich abgelehnt worden.

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