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NS-belastet: Aus der Zeit des Nationalsozialismus stammt der Straßenname Hindenburgwall, - © Hermann Ludwig
NS-belastet: Aus der Zeit des Nationalsozialismus stammt der Straßenname Hindenburgwall, | © Hermann Ludwig

Höxter Umbenennung des Hindenburgwalls in Höxter gefordert

Ernst Würzburger setzt sich in einem VHS-Seminar mit NS-belasteten Straßennamen auseinander. Die Bezeichnung Nikolaiwall ist als Alternative im Gespräch

Hermann Ludwig
09.04.2019 | Stand 08.04.2019, 20:46 Uhr

Höxter. Der Hindenburgwall in Höxter umtreibt Ernst Würzburger schon seit Jahren. Straßennamen, die aus der Nazizeit herrühren, dieses Thema hat der Geschichtsexperte schon mehrfach aufgenommen, bislang vergeblich. „Das Thema wird zwar aufgegriffen, versandet aber schnell", diese Erfahrung hat Würzburger, den es aus Berlin nach Höxter verschlagen hat, schon mehrfach gemacht. Schon 2012 habe es eine Arbeitsgruppe gegeben, die NS-belastete Straßennamen auf der Agenda hatte, ohne Arbeitsergebnis. Jetzt sieht er aber im Vorfeld der Landesgartenschau Handlungsbedarf. Der 77-Jährige möchte das Thema in der Stadt konstruktiv aufgreifen, bevor es möglicherweise Außenstehende im Zuge der Landesgartenschau machen und die Stadt einen Imageschaden erleide. „Das könnte Schlagzeilen ergeben, die keiner will", so Würzburger. Zur Namensgebung Hindenburgwall und einer möglichen Umbenennung hatte Ernst Würzburger auch bereits in der Vergangenheit sensibilisiert und unter anderem auch die Fraktionen angeschrieben. Ein Ergebnis dieser Bemühungen war, dass die VHS dazu jetzt eine Infoveranstaltung für die Bürgerschaft anbieten soll. Am Freitag, 12. April, lädt VHS-Leiter Rainer Schwiete um 19 Uhr in das Haus der VHS ein. „Wir laden auch die politischen Vertreter ein, die sich ein Bild über die Meinung der Bürger machen können", so Schwiete. Die Bürgerschaft sollte nach Schwietes Ansicht bei einer solchen Problematik durch diese Diskussionsveranstaltung der VHS Höxter-Marienmünster sensibilisiert und mehr in einen solchen Entscheidungsfindungsprozess einbezogen werden. „Damit würde ein Ergebnis, egal wie es ausgeht, vermutlich auch an Akzeptanz gewinnen", ergänzt Würzburger. der sich der sich unter anderem in seinem Buch „Höxter: Verdrängte Geschichte" mit der Thematik beschäftigt hat. Hindenburg nicht nur eine politische Marionette Gegenüber der Erstauflage seines im Eigenverlag herausgegebenen Buches hat sich die Wahrnehmung Hindenburgs im Fokus der Historiker verändert. „Hindenburg war nicht die senile Puppe, die Hitler zur Macht verholfen hat", stellt Würzburger klar. Der Höxteraner Journalist und Buchautor hat neuere Erkenntnisse aufgenommen, die Hindenburg in einem neuen Licht erscheinen lassen. Dabei verweist der Autor darauf, dass Hindenburg in einem Telegramm an Adolf Hitler die Ermordung von Menschen im Zusammenhang mit dem Röhm-Putsch ausdrücklich begrüßt habe. Auch habe Hitler in Hindenburgs politischem Testament eine wichtige Rolle gespielt. Nach neueren geschichtlichen Erkenntnissen handele es sich bei Hindenburg doch eher um eine Person, die den Weg von der Weimarer Demokratie in den Nationalsozialismus unter Hitler wesentlich mit geebnet habe, keineswegs sei der frühere Reichspräsident nur eine politische Marionette gewesen. Für Würzburger ist es daher ein Anliegen, den Namen Hindenburg aus dem Stadtbild zu bannen. Dabei geht es für ihn nicht darum, dass mit einem kleinen Zusatzschild auf die Historie aufmerksam gemacht wird. „Ein Straßenname stellt ein ehrendes Gedenken dar, das ist eine Auszeichnung, die nicht hier hingehört", stellt Würzburger klar. Namenswechsel zu Nikolaiwall als Option Der Umgang mit NS-belasteten Straßennamen ist ein Thema, das sich quer durch die Republik zieht. Es stellt sich die Frage – wie unlängst auch in Münster oder aktuell auf Sylt -, wie man unter den heutigen Erkenntnissen mit einem Straßennamen wie „Hindenburgwall" umgehe. Für Würzburger wäre ein Namenswechsel die Lösung, dabei denkt er wie Rainer Schwiete an die benachbarten Bestandteile der Wallanlage. Vor der Umbenennung in der Nazizeit sei der Name Nikolaiwall vorhanden gewesen. Dies passe ja auch zu dem benachbarten Nikolaitor. Pikante Randnotiz sei zudem, dass dieses Straßenschild Hindenburgwall letztlich auf einen Fußweg verweise. An der Straße Hindenburgwall sei nur noch ein einziges Haus zu finden, das über die Luisenstraße erschlossen werde. „Hier sind schon Paketboten über den Wall gefahren, um das fragliche Haus zu erreichen", weiß Würzburger, für den dieser Wall wie für viele Höxteraner zum Naherholungsgebiet zählt. Eine Umbenennung sei angesichts nur einer Adresse ohne großen Aufwand möglich, meint Würzburger, der auf die Hindenburgstraße in Ottbergen verweist. Dort seien etwa 20 Häuser mit dieser postalischen Adresse versehen. Würzburger erinnert in diesem Zusammenhang an die Diskussion um die Umbezeichnung der Heinrich-Sohnrey-Schule in Boffzen, in deren folge auch die Sohnreystraße in Höxter in den Fokus geriet. Der Dichter war wegen seiner antisemitischen und rassistischen Veröffentlichungen an vielen Orten im Nachhinein als Namensgeber für Straßen und Schulen weggefallen.

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