Holzminden Hobbyläufer aus Holzminden geht mit einem Kochtopf auf Rekordjagd

Guinnessbuch: Der Koch Jan Kaschura will in Arbeitskleidung und mit einem Topf in der Hand den Hannover-Marathon unter drei Stunden laufen

Uwe Müller
15.03.2019 | Stand 15.03.2019, 09:37 Uhr

Holzminden. Einen Marathon unter drei Stunden zu laufen, das ist schon mehr als sportlich. Und für Hobbyläufer fast unmöglich. Jan Kaschura hat es sich als Ziel gesetzt - allerdings nicht im atmungsaktiven, leichten Laufhemd und kurzen Leichtathletikshorts, sondern in voller Kochkleidung und mit einem drei Kilogramm schweren Kochtopf in der Hand. Wenn er das meistert, kann er den Eintrag in eins der bekanntesten Bücher der Welt schaffen - ins Guinnessbuch der Rekorde. Die einzige Erleichterung: Der Topf ist leer. Jan Kaschura, der als Koch im Internat Solling arbeitet, ist nicht irgendein Läufer, er ist überdurchschnittlich gut. Seine Bestzeit über die legendären 42,195 Kilometer ist 2,30:42 Stunden, aufgestellt in Münster. Und auch im Kreis Höxter ist er kein Unbekannter. Der 34-Jährige, der für Run-Artist Holzminden startet, lief schon in Lüchtringen, Warburg, Brakel, Ovenhausen, Höxter oder Kollerbeck. Und meist war er vorne dabei oder gewann sogar. Und einmal lief er sogar schon als Koch verkleidet: zwar keinen Marathon, aber über elf Kilometer beim Steinheimer Karnevalslauf. Ein Höhepunkt in seiner Läuferkarriere liegt noch nicht lange zurück: 2018 nahm er zum ersten Mal am Hermannslauf teil und wurde auf Anhieb Vierter bei diesem hochkarätig besetzen Kultlauf. "Für mich als Ostwestfale ist der Hermann schon immer etwas Besonderes gewesen. Und daher musste ich unbedingt mal mitlaufen - in diesem Jahr will ich dann aufs Treppchen", hat sich der in Preußisch Oldendorf geborene Mann große Ziele gesteckt. Rekordversuch in Arbeitskleidung am 7. April Vorher steht aber erst einmal am Sonntag, 7. April, beim Hannover-Marathon der Rekordversuch in Arbeitskleidung an. "Ich habe im Internet eigentlich nach Charlie Doll gesucht, einem Koch, der 100 Kilometer gelaufen ist. Ich bin dann aber irgendwie auf Terry Midgley gestoßen", erklärt Kaschura, "der hat den schnellsten Marathon als Koch gekleidet gelaufen und steht im Guinnessbuch. Da dachte ich mir, das kann ich besser." Der Engländer benötigte dafür 3:22 Stunden. Für Kaschura normal kein Problem. "Im Koch-Outfit hänge ich schon seit 18 Jahren den halben Tag beruflich ab, das ist kein Problem. Zudem sind die Stoffe ähnlich wie bei den Laufklamotten. Dabei aber einen drei Kilo schweren Topf durch Hannover zu tragen, ist das Schlimmste daran", so der Holzmindener. Momentan bereitet er sich auf den etwas anderen Marathon intensiv vor. Von Holzminden über Stahle und die Tonenburg geht seine Strecke - immer mit Kochmontur und Topf in der Hand. "Es gibt da schon komische Blicke von anderen Läufern oder Spaziergängern, aber alles halb so wild", nimmt es der Ausdauerspezialist mit Humor. Er entwickelt dabei auch eine Taktik, wie er den Topf über die lange Strecke am besten halten kann. Da er den drei Kilo schweren Topf immer nur in einer Hand halten darf, wechselt er alle 300 bis 400 Meter die Hand. Es gibt aber noch andere Vorgaben von der Firma "Guinness World Records". Kaschura muss nicht nur die Zeit unterbieten, er muss zum Beweis auch viele Fotos oder ein Video von der Strecke vorweisen und der Topf wird vor dem Start und im Ziel gewogen. "Ich werde aber von den Veranstaltern des Hannover-Marathons toll unterstützt. Ich werde beim gesamten Lauf gefilmt", hat er mit dem Beweis kein Problem. Ernstes Anliegen bei der Laufaktion Bei aller Gaudi hat Jan Kaschura auch ein ernstes Anliegen bei seiner Laufaktion. "Ich möchte damit auch etwas auf die Situation meiner Kochkollegen aufmerksam machen", so Kaschura, "Köche leben nicht sehr gesund, Stress auf der Arbeit, Übergewicht, unregelmäßiges Essen, schlechte Luft und viele Arbeitsstunden gepaart mit wenig sportlicher Aktivität, machen meinen Beruf zu einem Rentenkiller", zählt er auf. Sport könne da helfen. Er selbst sei seitdem er wieder laufe, stressresistenter, belastbarer, er schlafe besser, rauche nicht mehr und sei höchstens Mal einmal im Jahr erkältet. "Davon profitiert auch mein Arbeitgeber. Zudem ist ein regelmäßiges und bewussteres Essverhalten entstanden. Ich bin sehr dankbar, dass mein Arbeitgeber und Küchenchef mich dabei unterstützen, diesen Traum zu leben. Es würde mich sehr freuen, wenn mehr Arbeitgeber etwas umdenken und ihren Angestellten die Möglichkeit zu geben, sich mehr zu bewegen." Kaschura ist animiert von seinem Vater schon mit fünf Jahren mit dem Laufen angefangen. Mit 16 Jahren waren andere Dinge für ihn dann wichtiger als der Sport. Im Alter von 26 Jahren wieder angefangen "Mit 26 Jahren bin ich aber wieder angefangen. Bei meiner früheren Arbeitsstelle habe ich 12 bis 13 Stunden gearbeitet, da fehlte auch die Zeit zum Trainieren. Seit neun Jahren bin ich in Holzminden, habe geregelte Arbeitszeiten und genug Zeit fürs Laufen", sagt Jan Kaschura, der vom Laufvirus so angefixt ist, dass er demnächst auch noch bei den Deutschen Meisterschaften im 100-Kilometer-Laufen starten möchte. Die Ausdauer und den Ehrgeiz dazu hat er - den Streckenrekord beim 63-Kilometerlauf in Remscheid hält er bereits. Natürlich alles ohne Kochmütze und Topf.

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