Fest verwurzelt: Gerhard Handermann (58), neuer Kämmerer des Kreises Höxter. - © Simone Flörke
Fest verwurzelt: Gerhard Handermann (58), neuer Kämmerer des Kreises Höxter. | © Simone Flörke

Höxter Gerhard Handermann ist Höxters neuer Kreis-Kämmerer

Porträt: Er ist neben dem Geld für viele andere Bereiche und Menschen verantwortlich und setzt dabei auf das Handwerkszeug der Kommunikation

Höxter. Zuverlässig, ausdauernd, verantwortungsvoll, zielstrebig und ein guter Zuhörer: Das sind die Eigenschaften, mit denen sich Gerhard Handermann beschreibt. Eigenschaften, die der 58-Jährige als unerlässlich für seinen Job bezeichnet. Der Höxteraner, der in Lütgeneder aufwuchs und seit 1984 an der Weser zu Hause ist, ist seit Ende 2018 Kämmerer des Kreises Höxter und damit Nachfolger von Hans-Dieter Fleischer, der in den Ruhestand gegangen ist. Handermann, am 4. Oktober vom Kreistag gewählt, hat mit dem Haushalt 2019 seine erste Feuerprobe näher an der Politik schon bestanden. „Eine große Aufgabe", sagt er. Die ihm aber keine schlaflosen Nächte bereitet habe. »Das Geld ist rund und läuft schnell weg« Denn er könne sich auf das Team der rund 80 Mitarbeiter im Fachbereich Verwaltungsinterne Dienste verlassen. Es ist auch ein Zahlenwerk, das er als ehemaliger Leiter des Fachbereichs für Jugend, Soziales, Schule und Kultur (zehn Jahre) in großen Teilen schon kannte. Denn in der vorigen Funktion lagen rund 60 Prozent des Haushaltsvolumens bereits in seiner Verantwortung. Nun sind es 100 Prozent – und weit mehr: Denn der Kreisverwaltungsdirektor, seit 1979 in Diensten des Kreises Höxter, ist als Kämmerer auch Chef der Abteilungen Finanzen, Personal, EDV und Organisation, Interne Dienstleistungen und Gebäude des Kreises mit 143.000 Einwohnern. „Ich bin kein Sparknauserer", sagt Handermann. Es gehe ihm vielmehr darum, die anvertrauten Steuermittel „für ein wirkungsorientiertes Handeln" im Kulturland sinnvoll und nachhaltig einzusetzen. Handermann: „Das Geld ist rund und läuft schnell weg. Ich passe auf, dass das nicht zu viel ist." Andererseits beherzigt er auch den Ausspruch seiner Mutter: „Was nix kostet, ist auch nix." Halbe Sachen seien nicht sein Ding. Der Wert des Geldes – beispielsweise die zwei Zehner-Scheine, die 20 Euro ausmachten – hänge allein am Vertrauen der Menschen. Und dem vertrauensvollen Umgang damit. Der Wert des Geldes bei quasi null Materialwert Denn eigentlich habe das Papier einen Materialwert von „nix". „Ich habe damals mein erstes eigenes Geld verdient, als ich 50 Pfennige fürs Straße kehren bekommen und mir dafür Sprudel oder ein Eis geholt habe." Die 5 D-Mark fürs Kartoffelernten waren schon ein kleiner Reichtum, fürs Geld im Ferienjob beim Rübenverziehen auf dem Acker kaufte er sich eine Cordjacke und eine Stereoanlage, die dann beim Umzug ihren Platz in Höxter fand. Dienstleister für die Menschen sein, das bedeutet für Handermann auch, sich und sein Team immer wieder zu hinterfragen, fortzubilden, den Anforderungen anzupassen. Das für ihn wichtigste Handwerkszeug: „Die Sprache, die Kommunikation. Denn Verwaltung ist mehr, als Papier zu beschreiben." Sei es bei der flexiblen Arbeitszeitregelung, der Personalentwicklung mit Blick aufs E-Government oder bei der Fachkräftesicherung. Der 58-Jährige kennt als Dozent am Verwaltungs-Studieninstitut in Soest die Anforderungen an die Nachwuchskräfte. Für die müsse man als Arbeitgeber attraktiv sein. Handermann spricht vom „Veränderungsmanagement" im Hause, vom „zielorientierten Strategiedenken". »Heimat ist, wo ich den Sinn des Lebens finde« Dass er das Glück habe, diese beruflichen Schritte im Heimatkreis zu gehen, sieht Handermann als Privileg an. Der leidenschaftliche Radfahrer („Gesamtkreisler") hat alle Kommunen im Kreis mit dem Fahrrad erfahren und das Gespräch mit den Menschen dort gesucht: „Dort erfährt man die Dinge anders. Und dann weiß man, wofür man arbeitet", sagt er aus Überzeugung. Bodenständigkeit fällt ihm in dem Zusammenhang noch als wichtige Eigenschaft ein. Für ihn daher selbstverständlich, sich im Verein zu engagieren – bei den Anglern ebenso wie im Tischtennisverein. Und auch zu den Schützen seines Heimatdorfes Lütgeneder hält er Kontakt, ist beim Fest des Jahres im Umzug dabei, berichtet der Höxteraner. Auch an der Weser gehört er der Vierten Kompanie der Gilde an. „Heimat ist, wo ich mich wohlfühle, wohin ich gern zurückkomme und den Sinn des Lebens finde", betont er. Deshalb freut er sich, nach Reisen nach Afrika, China, USA und Kuba oder nach Wohnwagentouren in die Heimat zurückzukehren: „Urlaub ist für Besichtigungen – Heimat dort, wo ich bleiben möchte." Mit dabei: Seine Frau Martina und wann immer möglich Cairn-Terrier Theo.

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