Der Bischofsbrief sorgt derzeit für Unruhe in der katholischen Kirche Paderborns. - © Pixabay
Der Bischofsbrief sorgt derzeit für Unruhe in der katholischen Kirche Paderborns. | © Pixabay

Paderborn Inhalt hui, Umsetzung pfui: Kommentar zum Brief des Paderborner Erzbischofs

Mit seinem Schreiben hat Erzbischof Becker für großes Aufsehen und reichlich Kritik gesorgt

Birger Berbüsse
10.01.2019 | Stand 10.01.2019, 19:41 Uhr

Briefen wird in der katholischen Kirche seit jeher große Bedeutung zugemessen. Allein 21 der 27 Schriften des Neuen Testaments sind Briefe. Auch die sogenannten Apostolischen Schreiben der jeweiligen Päpste werden stets weltweit beachtet. Nun hat auch der Paderborner Erzbischof einen Brief geschrieben und an „seine" Katholiken versandt. Damit hat er gefühlt für mindestens genauso großes Aufsehen wie die päpstlichen Schreiben gesorgt – und sich und der Kirche teils heftige Kritik eingebracht. Die ist teilweise vorhersehbar und vorgeschoben, teilweise aber auch berechtigt. Wann immer die Kirche Geld ausgibt, kann man sich eines gewiss sein: „Das hätten die doch auch spenden können", schallt es von allerorten. Diese Kritik ist aber, mit Verlaub gesagt, zu billig. Gewiss hat die Kirche ein großes Vermögen. Doch davon gibt sie auch viel Geld für soziale Zwecke aus, wie erst kürzlich der Finanzbericht des Erzbistums gezeigt hat. Altertümliches Adressieren Völlig verständlich jedoch ist der Ärger vieler Frauen, die sich von dem Brief nicht angesprochen fühlen, weil er an ihre Männer ging. Gerade mit Blick auf die viel diskutierte Rolle der Frau in der Kirche, zeugt das altertümliche Adressieren an den „Haushaltsvorstand" von fehlender Sensibilität. Dabei war das Ansinnen der Diözese ja ehrenwert: Man wollte nicht mehrere Briefe an katholische Familien schicken und gleichzeitig Geld und Ressourcen sparen. An der technischen Umsetzung muss jedoch dringend gearbeitet werden. All dies ist vor allem bedauerlich, weil die Diskussion vom eigentlich Kern des – in dieser Form einzigartigen – Briefes ablenkt. Darin schreibt der Erzbischof sehr offen und authentisch über die „schwere Schuld", die die Kirche durch die Missbrauchsfälle auf sich geladen habe. Darüber, und über die von Becker angekündigten „zeitnahen und unmittelbaren Konsequenzen", sollte diskutiert werden. Kontakt zum Autor

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