Kreativ: Patricia Risse betreibt ihr eigenes Geschäft Herzstück in Lüchtringen. Mit Liebe zum Detail bindet sie nicht nur Sträuße, sondern bietet auch Dekoration. - © Amina Vieth
Kreativ: Patricia Risse betreibt ihr eigenes Geschäft Herzstück in Lüchtringen. Mit Liebe zum Detail bindet sie nicht nur Sträuße, sondern bietet auch Dekoration. | © Amina Vieth

Höxter Patricia Risse hat Herz und Händchen für schöne Dinge

Jung und selbstständig: Dekorateurin Patricia Risse hat sich mit dem eigenen Laden Herzstück einen „schlummernden Traum“ erfüllt. Doch eine Selbstständigkeit hat auch ihre Schattenseiten

Svenja Ludwig
12.01.2019 | Stand 11.01.2019, 14:11 Uhr

Höxter-Lüchtringen. „Ich bin noch nie nachts aufgestanden und habe meine Wohnung gestrichen, aber an einem Samstagnachmittag hatte ich so einen Anflug, und da habe ich bis nachts um eins gestrichen", berichtet Patricia Risse: „Ich hatte irgendwo eine Einrichtung gesehen und die brennt sich dann in meinem Kopf fest." Und die Idee – hier ein besonderer Grauton – lässt sie nicht los, bis sie realisiert ist. „Da kommt so ein Gefühl von Wärme auf, dann bin ich einfach glücklich und noch tagelang froh, wenn ich die Wand ansehe." Patricia Risse ist 30 Jahre alt, gelernte Gestalterin für visuelles Marketing und „ab und an ein bisschen verrückt", wie sie sagt. In solchen Momenten packt es sie, und sie muss sich kreativ in ihren vier Wänden austoben. Wenn andere Frauen ihren Kleidungsstil verändern, dann wird bei Patricia umgeräumt. Seit drei Jahren hat sie noch mehr Platz zum Gestalten und Dekorieren. In Lüchtringen hat sie einen Laden mit dem klingenden Namen Herzstück aufgemacht. „Bisschen Landhaus, bisschen natürlich, aber nicht kitschig" „Es ist irgendwo noch was anderes, wenn man was erschaffen hat, wo die Leute reingehen können, ein Aushängeschild", sagt Patricia: „Online kann ich ganz viel einstellen, aber ein Dekoteil muss Emotionen und Stimmungen rüberbringen." Die einzelnen Gegenstände im Herzstück wirken vor allem im Ensemble. „Bisschen Landhaus, bisschen natürlich, aber nicht kitschig", beschreibt die Inhaberin den speziellen Stil. Nicht nur in Lüchtringen kommt das an. Viele junge Paare ließen sich ihre Hochzeitsfeier von Risse dekorieren und floral ausstatten. Weil es auch ein bisschen vintage ist, was Patricia anbietet. Ansonsten hat sie sich ihren Kundenstamm mittlerweile aufgebaut: „Es ist ein schönes Gefühl, wenn man durch Lüchtringen fährt und hier und da seine Sachen sieht." „Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass es so anstrengend wird" Das Geschäft ohne den Laden? Unvorstellbar. Obwohl die Quadratmeter ihren Tribut fordern. „Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass es so anstrengend wird", gesteht die Lüchtringerin. Nicht nur die Freizeit leidet. Auch eine Beziehung ist an der Selbstständigkeit zerbrochen. Nicht nur daran, aber, sagt sie, eine Beziehung muss schon einiges aushalten. „Ich arbeite auch samstags, im Sommer sind die Hochzeiten, freitagabends braucht man mit mir nirgendwo hinzugehen, da bin ich meistens noch im Laden." Und auch wenn im Herzstück die Lichter ausgehen, dreht sich in Patricias Kopf noch Vieles um das Schöne. „Pinterest ist eine tolle Erfindung, da bin ich abends viel unterwegs oder wenn ich nachts nicht schlafen kann", berichtet sie: „Außerdem bin ich süchtig nach Wohnzeitschriften." "Es gibt keinen Plan B" Inspiriert werde sie den ganzen Tag. Von allem Möglichen und ganz banalen Dingen: „Ich habe zu viele Ideen und zu wenig Zeit." Die Selbstständigkeit hatte sie „schon immer im Hinterkopf", einen „schlummernden Traum" nennt sie das eigene Geschäft. Genau so, wie auch die Kunst, das Kreative und das Handwerk ein Teil von ihr sind. „Ich habe schon immer gerne gemalt und war kreativ und darauf habe ich alles aufgebaut", erklärt Patricia. Wenn sie für Bekannte und Verwandte den Pinsel schwang, bekam sie ordentlich Komplimente zurück. „Man freut sich, wenn anderen gefällt, was man mit seinen eigenen Händen erschaffen hat", sagt sie. Sie würde sich wieder für den Laden entscheiden. Denn dort kann sie genau das tun, was ihr Spaß macht. Klar ist ihr aber: „Man muss immer am Ball bleiben, kontinuierlich. Die Kunden erwarten das und ich selbst von mir auch." Halbherzig klappt das nicht. Patricia gibt immer 100 Prozent oder mehr: „Es gibt keinen Plan B."

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