Anfang des Jahres ist oft Grippesaison. - © Pixabay (Themenbild)
Anfang des Jahres ist oft Grippesaison. | © Pixabay (Themenbild)

Höxter Grippesaison: Auch Höxter geht der Impfstoff aus

Im Februar erreichen Grippewellen meist ihren Höhepunkt. Wer sich jetzt impfen lässt, könnte sich noch rechtzeitig immunisieren – hätte die Sache nicht einen Haken

Lieselotte Hasselhoff
10.01.2019 | Stand 10.01.2019, 15:07 Uhr

Kreis Höxter. Das neue Jahr hat begonnen und damit auch die Zeit, in der sich Grippeviren gerne ausbreiten. „In der Regel treten die meisten Erkrankungen im ersten Quartal des neuen Jahres auf", informiert das Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen (LZG). In seinem aktuellen Influenza-Saisonbericht verzeichnet das Zentrum NRW-weit 210 gemeldete Grippe-Fälle seit Beginn der offiziellen Grippesaison im vergangenen Oktober. In der Grippesaison 2017/2018 seien insgesamt 35.574 Influenza-Meldungen eingegangen. Die vergangene Grippewelle war die stärkste seit zehn Jahren. Erfahrungsgemäß erreiche die jährliche Grippewelle erst im Februar ihren Höhepunkt, sagt Wilfried Münster, Abteilungsleiter des Gesundheitsdienstes im Kreis Höxter. Mit bisher 210 bewege sich die Fallzahl im Normalbereich. Laut LZG wurden aus dem Kreis Höxter bislang noch keine Fälle gemeldet. Dennoch, auch in diesem Jahr werde die Grippewelle mit Sicherheit nicht ausbleiben: „Sie kommt jedes Jahr, wie hoch die Fallzahlen sein werden, kann man aber noch nicht sagen." Die tatsächliche Verbreitung von Grippeviren ließe sich anhand der Meldungen ohnehin nur schwer einschätzen, gibt Münster zu bedenken. Gemeldet würden lediglich im Labor getestete Fälle von Grippe. Solche Tests würden die Ärzte allerdings selten vornehmen lassen. Die aus den Meldungen abgeleitete aktuelle Verbreitung von Grippefällen sei entsprechend zufällig. „Hinzu kommt, dass die Ärzte spätestens dann aufhören, bei ihren Patienten Test-Abstriche zu machen, wenn bereits eine Grippewelle bekannt ist." Nicht jeder muss sich impfen lassen Das Robert-Koch-Institut (RKI) empfiehlt Personen, die einer Risikogruppe angehören, sich, wenn möglich, noch impfen zu lassen. Zur Risikogruppe zählten beispielsweise Menschen, die älter als 60 Jahre alt sind, Schwangere und Menschen, die im engen Kontakt mit Risikopersonen lebten. Dem Abteilungsleiter des Gesundheitsdienstes zufolge dauert es nach der Injektion 10 bis 14 Tage, bis der Impfschutz eintritt. Bis Februar könnte ein Grippeschutz also noch erreicht werden – wenn die Sache nicht einen Haken hätte. Höxter gehört nämlich zu den Kreisen, in denen der aktuelle Grippe-Impfstoff seit Ende vergangenen Jahres kaum noch verfügbar ist. Bereits im November waren bundesweite Engpässe beim Grippeimpfstoff erkennbar geworden. Durch Importe aus dem EU-Ausland hatte man versucht, Herr des Problems zu werden. Dem RKI zufolge wurden deutschlandweit mehrere tausend Dosen Impfstoff aus EU-Ländern eingeführt. Trotzdem konnten im Kreis Höxter die Engpässe damit nicht beseitigt werden: „Weder über den Großhandel noch durch Importe aus dem Ausland konnten wir Nachschub besorgen", berichtet Björn Schmidt, Apotheker-Sprecher im Kreis Höxter. Die Impfstoffproduktion ist kompliziert und langwierig Auch NW-Anfragen bei mehreren Arztpraxen im Kreis ergaben, dass die Mehrheit der Befragten für dieses Jahr keinen Grippe-Impfstoff mehr vorrätig hat. Im Kreis Holzminden sei die Lage ähnlich, berichtet Christine Bode, die als medizinische Fachangestellte in einer Hausarzt-Praxis tätig ist. „Ich weiß von mehreren Apotheken und Praxen im Umkreis, die ebenfalls keine Impfstoffe mehr vorrätig haben", sagt Bode. Grund für den Engpass sei vor allem eine Fehlkalkulation, sagt Münster. Die Nachfrage nach Impfstoff sei Ende 2018 ungewöhnlich hoch gewesen. In der Regel müssten Impfstoffe mehrere Monate im Vorhinein bestellt werden, erläutert Apotheker Schmidt: „Wenn wir im Oktober Impfstoffe haben wollen, müssen wir sie im April bestellen". Die Virenstämme veränderten sich ständig, deshalb müsse die Zusammensetzung des Impfstoffs regelmäßig überarbeitet werden, sagt Münster. Dies beanspruche Zeit. „Bereits im März oder April wird entschieden, aus welchen Komponenten der Impfstoff für den kommenden Herbst bestehen soll. Anschließend beginnt die Produktion." Die hohe Nachfrage nach Impfstoff gehe vermutlich auf die starke Grippewelle im vergangenen Winter zurück. „Viel mehr Menschen als sonst haben sich gegen Influenza impfen lassen. Damit hatte schlichtweg niemand gerechnet."

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