Das Schreiben des Anstoßes: Der zweiseitige Bischofsbrief. - © Birger Berbüsse
Das Schreiben des Anstoßes: Der zweiseitige Bischofsbrief. | © Birger Berbüsse

Paderborn Brief des Paderborner Erzbischofs wird kontrovers diskutiert

Für Ärger sorgt vor allem, dass das Schreiben in Familien nur an die Männer adressiert war

Paderborn. Mit seinem Brief an rund eine Million katholische Haushalte wollte Paderborns Erzbischof Hans-Josef Becker neue Wege in der Kommunikation gehen - und hat für höchst unterschiedliche Reaktionen gesorgt. Vor allem in den sozialen Medien hagelt es Kritik, aber auch in der Pressestelle des Erzbistums gingen Dutzende Anrufe und E-Mails sein. Es gibt aber auch Lob für das Schreiben des Oberhirten. Die Hauptkritik entzündet sich vor allem an zwei Dingen. Da sind zunächst einmal die Kosten für die Briefaktion. "Das Geld für diesen Aufwand hätte die Kirche spenden sollen", schreibt ein User auf Facebook. Die Kirche wisse wohl "selber nicht, was sie mit dem Geld machen soll", vermutet ein anderer. Nach Angaben des Erzbistums liegen die Kosten für die sogenannte Dialogpost bei etwas mehr als 230.000 Euro, also etwa einem Drittel dessen, was die Briefe bei normalen Porto von 70 Cent gekostet hätten. Die Summe kommt aus dem Marketingbudget, sagte Heike Meyer, Leiterin des Referats für Marketing, Kommunikation und Pressestelle, auf Anfrage von nw.de. "Nur an Männer? Absolutes No Go" Zweiter Hauptkritikpunkt ist der Adressat des Briefes. Zwar wurden die Briefe an alle Haushalte geschickt, dort gingen sie jedoch offenbar ausschließlich an die Männer. An Frauen war der Brief nur dann adressiert, wenn sie alleine leben. Da im Brief selber jedoch nicht erklärt wird, dass das Schreiben an alle Bewohner gerichtet ist, fühlen sich viele Frauen nicht angesprochen. "Gerade die katholische Kirche, die ein großes Problem mit ihrem Frauenbild hat, spricht ausschließlich die Männer an? Ein absolutes No Go", kritisiert eine Leserin "fehlendes Einfühlungsvermögen". Sie empfiehlt den Verantwortlichen, dass sie sich mal den Frauenanteil in den katholischen Messen oder den Anteil der Frauen in den Ehrenämtern anschauen sollten. Für Ärger sorgte das Anschreiben NW-Informationen zufolge auch bei mehreren weiblichen Führungskräften im Erzbistum Paderborn. Die Marketingleiterin des Erzbistums bittet um Verständnis: Weil die Briefkästen nicht wie etwa bei Versicherungsschreiben geflutet werden sollten, gingen die Briefe nur an die Haushalte. Dafür sei ein technischer Filter eingerichtet worden - dabei sei es wohl am einfachsten gewesen, nach Männern zu sortieren. Heike Meyer betont: "Es geht nur um die Adressen, der Brief ist aber an alle gerichtet." Es sei nicht die Absicht des Erzbistums gewesen, jemanden zu diskriminieren. Man sei bei diesem Thema jetzt aber sensibilisiert, falls es wieder eine solche Aktion geben werde. Trotz der teils harschen Worte freuen sich die Verantwortlichen beim Erzbistum über die "breiten Reaktionen". Jeder Anruf und jede Mail, die nun eingingen, würden persönlich beantwortet, betont die Referatsleiterin. Heike Meyer hebt außerdem hervor, dass es das erste Mal sei, dass der Erzbischof sich auf diese Weise an alle Katholiken gewendet habe. "Ich halte es für richtig und super, dass er sich persönlich gemeldet hat", sagt sie. Dies sei nur der Einstieg in eine neue Kommunikation mit den Gläubigen, derzeit würden Konzepte für weitere Aktionen erstellt. Auch wenn die negative Kritik wie so häufig lauter und auffällig ist: Viele Menschen nehmen den Brief und seinen Inhalt positiv auf. "Dieses Schreiben ist richtig und kommt zum richtigen Zeitpunkt. Wenn überhaupt hilft nur Offenheit und Transparenz, in moralischen wie in finanziellen Fragen", heißt es etwa bei Facebook. Lob für den Brief kommt aber auch von bekannten Kritikern des Erzbistums. Kürzlich noch hatte die Katholische Frauengemeinschaft (kfd) mit breitem Protest und Forderungen nach Reformen auch in Paderborn für Aufsehen gesorgt. Dass sich etwas ändern muss, dabei bleibt die Vorsitzende des kfd-Diözesanverbandes Paderborn auch. Aber das Schreiben des Bischofs findet sie "erst mal positiv", betont sie gegenüber nw.de. Manfred Dümmer von der Reformbewegung "Wir sind Kirche" hat nach eigenen Angaben zum ersten Mal Post vom Erzbischof bekommen, ohne vorher selbst aktiv geworden zu sein. Die Aktion könne man nicht kritisieren, urteilt der Sprecher der Kirchenvolksbewegung für das Erzbistum Paderborn, die in den vergangenen 24 Jahren immer wieder Reformen und Änderungen forderte. Das Schreiben sei überraschend, aber auch lobenswert. "Ich finde es gut, dass Paderborn Vorreiter ist." Normalerweise werden sogenannte "Hirtenbriefe" im Gottesdienst verlesen. Dass der Erzbischof stattdessen die Form des direkten Briefs gewählt habe, hält das Diözesankomitee für ausgesprochen positiv. "Wir finden es toll, dass er diesen Impuls hatte und diese Form gewählt hat, um sich an alle Gläubigen zu wenden", sagt Dagmar Hanses, Geschäftsführerin der katholischen Laien-Vertretung. Zwar hält auch sie das Adressieren an den "männlichen Haushaltsvorstand" für befremdlich, der Inhalt zeuge jedoch von der Zuwendung des Bischofs.

realisiert durch evolver group