Kein Durchkommen: Die Kinder sollen lernen, ihre leeren Teller selbst wegzuräumen, kommen zwischen den Tischen und Stühlen aber kaum durch. - © David Schellenberg
Kein Durchkommen: Die Kinder sollen lernen, ihre leeren Teller selbst wegzuräumen, kommen zwischen den Tischen und Stühlen aber kaum durch. | © David Schellenberg

Höxter Es wird eng im Petri-Ganztag in Höxter

Nachmittagsbetreuung: In der Petri-Grundschule fehlt es an Räumen, weshalb Eltern eine Absage droht. Zudem sorgt Feuchtigkeit für große Probleme. Warum die CDU einer OGS-Einladung nicht folgt

David Schellenberg
21.12.2018 | Stand 20.12.2018, 20:49 Uhr

Höxter. Beim Mittagessen ist die Enge in der Offenen Petri-Ganztagsgrundschule (OGS) der besonders eklatant: Wenn Emma und ihre Mitschüler sich noch einen Nachschlag holen oder ihren Teller selbst abräumen wollen – wie es zum pädagogischen Konzept gehört – können sie sich trotz ihrer schmalen Statur kaum an ihren sitzenden Mitschülern vorbeizwängen. Um völliges Chaos zu vermeiden, dürfen die Kinder nur nach Aufforderung in Kleinstgruppen aufstehen. Die Essensversorgung selbst erfolgt in „Schichten." Doch der Platzmangel in den Speiseräumen ist nur ein kleines Teilproblem von vielen, die OGS-Leiterin Gabi Schubring umtreiben. Im November schilderten sie und der Trägerverein im Höxteraner Schulausschuss die immer unerträglicher werdende Situation für die Kinder und ihre Betreuer – obgleich die Stadtverwaltung durchaus einiges tut. Schubring lud die Fraktionen ein, sich selbst ein Bild zu machen. Alle kamen – bis auf CDU und Linke. Platzmangel wird immer größer Da ist die immer größer werdende Raumnot. Aktuell werden 224 Kinder in der OGS betreut, mehr als eigentlich vorgesehen. Für jeden Jahrgang stehen zwei Räume zur Verfügung. „Schon jetzt gibt es 76 Anmeldungen für nächstes Jahr", berichtet Schubring. Bei 60 Abgängen können, falls sich nichts ändert, nicht mehr alle Wünsche der Eltern erfüllt werden. Die sind aber meist auf diesen Betreuungsplatz angewiesen, weil sie einen Beruf haben und Geld verdienen müssen. Zudem gibt es ab 2025 einen Rechtsanspruch auf eine Betreuung, den die Stadt erfüllen muss. Außerdem wird von der OGS erwartet, eine pädagogisch anspruchsvolle Betreuung und Bildungsarbeit zu gewährleisten. „Das wollen wir natürlich auch. Aber dafür brauchen wir jedoch die Voraussetzungen – räumlich und personell", sagt Schubring. Bisher hatte die Grundschule ausgeholfen, den steigenden Raumbedarf zu decken. Immerhin stieg die Kinderzahl in den vergangenen fünf Jahren um 72 Prozent, bei gleichbleibender Raumausstattung. Jetzt aber ist die Schule selbst an ihre räumlichen Grenzen gestoßen. Desolater Zustand Ein weiteres Problem ist der teilweise problematische Zustand der Böden. Wiederkehrende aufsteigende Feuchtigkeit setzt den Kellerräumen stark zu. So hat die Stadt erst Ende September den Flurboden im Ostflügel mit einer neuen Schicht streichen lassen. Schon jetzt, zweieinhalb Monate später, aber bildet er wieder überall Blasen und platzt auf. Ein Problem, dass es schon seit vielen Jahren gibt und nur durch eine umfassende Sanierung lösbar wäre, sagt Gabi Schubring und zeigt einen Raum, in dem in den Sommerferien nicht nur der Bodenbelag, sondern der komplette Estrich aufwendig ersetzt wurde. Hier gibt es seitdem keine Probleme mehr. Lösungsansätze Langfristig helfen nur eine umfassende Sanierung des Gebäudes und ein Anbau weiter, meint Gabi Schubring. Das bedürfe aber einer guten Planung. Kurzfristig, so die Überlegung der am Rundgang teilnehmenden Fraktionen, könnten Containerräume das Platzproblem lösen. Eine Idee, die von den Freien Demokraten ebenso unterstützt wird, wie von der SPD, damit im nächsten Schuljahr kein Kind, welches die OGS besuchen möchte, abgewiesen werden muss, wie FDP-Fraktionschef Hans-Jürgen Knopf und Günter Wittmann, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion, unisono erklären. Wittmann weiter: „In meiner Funktion als Vorsitzender des Ausschusses für Bildung, Familie und Sport habe ich die Verwaltung bereits damit beauftragt, den tatsächlichen Bedarf an Containern gemeinsam mit der Schul- und OGS-Leitung zu ermitteln, die voraussichtlichen Kosten hierfür mitzuteilen und für die bevorstehenden Haushaltsberatungen Vorschläge zu unterbreiten, wie diese Kosten im neuen Haushaltsplan eingearbeitet werden können". Die SPD-Fraktion sei fest überzeugt, dass kurz- und mittelfristig erheblich in die Ganztagsbetreuung an allen Schulen investiert werden müsse und die Stadt um An- und Neubauten nicht herumkommen werde. Reserven fehlen Dass es ohne Anbau nicht geht, meint auch die FDP, die sich irritiert zeigt, dass noch nichts geschehen sei. „Es ist uns unverständlich, warum es der Stadt in fünf Jahren nicht möglich war, den Petri-Ganztag vollständig zu sanieren. Die Mängel sind bekannt. Dass das Geld vorhanden ist, sieht man an den Investitionen, die an anderen Schulstandorten getätigt werden. Es drängt sich die Frage auf, warum für die Jüngsten nicht vernünftige Räumlichkeiten geschaffen werden", so Knopf. Die CDU hat beim Rundgang gefehlt: „Bei uns ist die Einladung leider nicht angekommen. Wir wären natürlich dabei gewesen", sagt CDU-Fraktionschef Stefan Berens gegenüber der NW. Denn auch die CDU sieht den dringenden Handlungsbedarf aufgrund der großen Nachfrage. Er hätte sich gewünscht, dass Stadtverwaltung und OGS die Politik schon frühzeitiger auf das Problem hingewiesen hätten, denn jetzt seien die Haushaltsplanungen weitgehend abgeschlossen und es gebe keine üppigen Reserven. Wenn hier jetzt Prioritäten gesetzt werden, müsste an anderer Stelle gespart werden. „Es wird auf jeden Fall ein Kraftakt werden", so Berens.

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