Eine Fotografie von Jerry Lampen fasst das Verhältnis zwischen Anja Niedringhaus und Pfaffenberg zusammen. Anja sei Konkurrentin und Freundin zugleich gewesen. - © Lieselotte Hasselhoff
Eine Fotografie von Jerry Lampen fasst das Verhältnis zwischen Anja Niedringhaus und Pfaffenberg zusammen. Anja sei Konkurrentin und Freundin zugleich gewesen. | © Lieselotte Hasselhoff

Höxter Reuters-Cheffotograf würdigt die Arbeit von Anja Niedringhaus

Das Forum Anja Niedringhaus ist dem Vermächtnis der 2014 ermordete Höxteranerin gewidmet. Bei einer Spendenübergabe erinnert sich Reuters-Cheffotograf Kai Pfaffenberg an die Fotojournalistin, der kein Risiko zu groß war

Höxter. „In den letzten Jahren sind viele Kollegen in Kriegs- und Krisengebieten ums Leben gekommen, doch kaum einer hinterließ ein so lebendiges Vermächtnis wie Anja", mit diesen Worten bringt Reuters-Fotograf Kai Pfaffenbach voller Wärme seine Begeisterung für die Erschaffung eines Anja-Niedringhaus-Forums in Höxter zum Ausdruck. Lauscht man den Erzählungen des Agentur-Fotografen über die Kollegin, die eigentlich für die Konkurrenz arbeitete, entsteht das Bild einer energiegeladenen Persönlichkeit, die sich von anderen wenig vorschreiben ließ. Pfaffenbach besuchte auf Einladung des Forum-Gründers, dem Verein für journalistische und künstlerische Fotografie, Höxter bei Lange-Fit. Dort war er bei der Übergabe einer Spende der Brüder Lange in Höhe von 1.000 Euro an das Forum dabei. „Wenn ich heute an Anja denke, muss ich, noch bevor eine Träne kommt, an ihr Lachen denken", schildert Pfaffenbach seine Erinnerungen, die er mit der im April 2014 in Afghanistan getöteten Fotografin verbindet. „Anja war die am wenigsten stolze Person, die ich kannte", hebt der Fotojournalist immer wieder voller Hochachtung hervor. Und das, obwohl die Fotografin zahlreiche begehrte Journalistenpreise einheimste. Acht Preise erhielt Niedringhaus zwischen 1999 und 2011, darunter als erste deutsche Frau den Pulitzer Preis für aktuelle Fotoberichterstattung. Niedringhaus wollte über die Wahlen in Afghanistan berichten Am 4. April 2014 war die Fotografin bei einem Einsatz in Afghanistan von einem Polizisten erschossen worden. Pfaffenbach erinnert sich an den Moment, als er die Nachricht erhielt: „Ich saß zuhause in Hanau im Fitnessstudio – und mir fiel vor lauter Schock die Hantel aus der Hand." Zorn sei seine erste Empfindung gewesen. „Zuletzt hatten wir uns in Moskau gesehen, dort hatte sie mir von ihren Foto-Plänen in Afghanistan erzählt." Er habe ihre Beweggründe verstanden, sagt Pfaffenbach. Und es klingt, als habe er auch damals Bewunderung für sie empfunden. Niedringhaus wollte gemeinsam mit ihrer kanadischen Kollegin Kathy Gannon über die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen berichten. „Ich bin trotz allem der Meinung gewesen, dass sie sich mit dieser Reise zu viel Risiko aussetzte", erzählt Pfaffenbach. Doch Anja Niedringhaus wollte dieses Risiko auf sich nehmen. „Wenn ich es nicht fotografiere, wird es nicht bekannt", das sei ihr Leitsatz gewesen: Das berichten die Begründer des Forums Anja Niedringhaus, zu denen auch Anjas Mutter Heide Ute Niedringhaus gehört. Letztere hatte auch den Kontakt zu Kai Pfaffenbach hergestellt, mit dem sie seit vielen Jahren verbunden ist. „Ich kannte Anja schon, als sie mit 17 Jahren als freie Mitarbeiterin bei der NW anfing", erinnert sich Christine Longère, die selbst jahrelang NW-Redakteurin war. „Ich kannte Anja schon, als sie mit 17 Jahren als freie Mitarbeiterin bei der NW anfing", erinnert sich Christine Longère, die selbst jahrelang NW-Redakteurin war. Forum Anja Niedringhaus ergänzt Forum Jacob Pins Die Vorsitzende des Vereins für journalistische und künstlerische Fotografie erzählt, wie die Idee zum Forum entstanden ist: „Das Tilly-Haus steht leer, wir wollen das stadtprägende Gebäude mit neuem Leben füllen." Zum einen wolle der Verein die Räume einer Persönlichkeit aus Höxter widmen, zum anderen würde das Vermächtnis von Niedringhaus thematisch eine gute Ergänzung zum Forum Jacob Pins darstellen. „Malerei und Grafik wird ergänzt durch Fotografie, auch finden sich in den Werken beider Persönlichkeiten die Themen Krieg und Naher Osten wieder."

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