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Zeltlager: Mit Klassenkameraden ist Adolf Späth hier beim Zeltlager auf Klassenfahrt zu sehen. - © privat
Zeltlager: Mit Klassenkameraden ist Adolf Späth hier beim Zeltlager auf Klassenfahrt zu sehen. | © privat

Erinnerungen an die Währungsreform: „Zum ersten Mal sprach man über Geld“

Adolf Späth (81) erinnert sich an die Veränderungen und das neue Lebensgefühl, das die D-Mark 1948 mit sich brachte

Amina Vieth
03.12.2018 | Stand 03.12.2018, 18:19 Uhr

Höxter. Adolf Späth war damals noch nicht selbst berufstätig. Die Bedeutung des Geldes wurde ihm bei der Währungsreform aber besonders deutlich. Der heute 81-Jährige erinnert sich noch gut an die Zeit, als die D-Mark eingeführt wurde. Damit kehrte auch ein neues Lebensgefühl ein – aber auch das Bewusstsein von Armut und Reichtum. Elf Jahre alt war der in Holland geborene und in Bad Münder aufgewachsene Adolf Späth 1948. Er lebte mit seinen Eltern und noch weiteren Personen in einem Haus bei Bad Münder, „in der Prärie", wie Späth mit einem Lachen erzählt und eine alte Schwarz-Weiß-Fotografie seines damaligen Zuhauses zeigt. „Das Haus war voll mit Flüchtlingen und Verwandten, die ausgebombt worden waren." Die Folgen des Zweiten Weltkrieges waren noch deutlich zu spüren. Mit der Abschaffung der Reichsmark aber verschwand einer der dunklen Überreste. „Sie war ein Instrument zur Finanzierung des Krieges. Man war erleichtert, als sie weg war", so Späth. „Und der Begriff D-Mark war auch der Begriff für Reichhaltigkeit." Auf einmal gab es Apfelsinen Denn mit ihr zog die Vielfalt an Lebensmitten und Alltagsprodukten ein. Kannte Späth bis dahin noch nicht mal eine Apfelsine, so gab es nach der Währungsreform „Käse, Wurst und Südfrüchte auf einmal". Die Regale waren voll. „Das gab es vorher nicht. Hatte man vorher 50.000 Reichsmark, gab es dazu keinen Gegenwert, weil es den einfach nicht zu kaufen gab." Der Schwarzmarkt „florierte" in der Zeit vor der Währungsreform. Einmal hat Späths Vater ein paar Würste gegen eine Mundharmonika getauscht. „Es war mein erstes Weihnachtsgeschenk 1947. Das erste Lied, das ich darauf lernte, war ,Stille Nacht‘." Mit der D-Mark aber gab es nahezu Überfluss in den Geschäften im Vergleich zu den vorigen Jahren, der Schwarzmarkt hatte nicht mehr die Bewandtnis. Es machte sich ein neuer Lebenswandel bemerkbar, der Umgang mit Geld änderte sich. „Erstmals sprach man über Geld zuhause am Tisch. Das gab es sonst nicht. Und auch ich machte mir Gedanken darüber. Man merkte, was es bedeutete, Geld zu haben oder nicht", erinnert sich der 81-Jährige. Anfangs gab es ein Handgeld von 40 Mark Zur Währungsreform gab es anfangs ein Handgeld von 40 Mark, später noch einmal 20 Mark. „Bis das Geld von Sparkonten aber gewechselt wurde, dauerte es teils bis spät in die 50er Jahre." Somit mussten viele Familien zunächst ausharren und schauen, wie sie den Alltag bestritten. Späths Vater, der damals schon 66 Jahre alt war, erhielt 63 Mark Rente. Die Mutter pflegte die Großmutter und ging keinem Beruf nach. Adolf Späth besuchte die Mittelschule, „15 Mark Schulgeld waren monatlich fällig". Und wenn er im Winter nicht mit dem Fahrrad zur Schule fahren konnte, „dann kamen noch 5,80 Mark im Monat für das Schülerticket" hinzu. „Manchmal holten wir uns vor der Schule trockene Brötchen vom Bäcker, eins kostete 5 Pfennig", weiß der seit 22 Jahren in Höxter lebende Späth noch heute. Um über die Runden zu kommen, erledigte sein Vater trotz hohen Alters noch Gartenarbeiten, nach der Schule half der Junior häufig. „Er verdiente 1 Mark pro Stunde. Wenn ich half, erhielt ich noch 50 Pfennig pro Stunde obendrauf. Wir sind über die Runden gekommen, aber es war knapp die ersten Jahre", erinnert sich der 81-jährige Adolf Späth. "Zu einem vereinten Europa gehört auch eine einheitliche Währung" An die ersten Ausgaben mit der neuen Währung kann sich Späth nicht erinnern, sehr wohl aber an den Sonderstatus von Berlin. Die heutige Hauptstadt, welche damals unter den Besatzungsmächten aufgeteilt worden war, hatte nämlich eigene Scheine. „Die Scheine, die in Berlin herausgegeben wurden, hatten alle ein großes B aufgedruckt." Sie kamen natürlich auch außerhalb Berlins in Umlauf. „Ich hatte so einen auch mal in der Hand", erinnert sich Späth. Rückblickend ist Späth froh darüber, dass die D-Mark eingeführt worden war. „Sie war die Vorstufe zur Bundesrepublik." Er denkt noch häufig daran zurück. Das wird er sicher auch beim Klassentreffen zur Feier der Einschulung vor 70 Jahren in die Mittelschule. „Wir haben das Motto: Von der Währungsreform bis zur Fußball-Weltmeisterschaft 1954", berichtet Späth mit einem Lachen. Dass es eine weitere Währungsreform im Jahr 2002 gab, hält er ebenfalls für eine richtige Entscheidung. „Zu einem vereinten Europa gehört auch eine einheitliche Währung", betont Späth und hofft darauf, dass nicht nur der Euro, sondern auch der Zusammenhalt in der Europäischen Union stabil bleibt.

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