Die im Bosseborn-Prozess angeklagte Angelika W. und ihr Verteidiger Peter Wüller. - © Wilfried Hiegemann
Die im Bosseborn-Prozess angeklagte Angelika W. und ihr Verteidiger Peter Wüller. | © Wilfried Hiegemann

Paderborn/Höxter Wenige Worte der Reue von Angelika W. im Bosseborn-Prozess

Angelika W. will von ihrem Recht auf ein letztes Wort ausgiebig Gebrauch machen

Marc Schröder
Jürgen Mahncke

Paderborn/Höxter. Zum Ende des Prozesses um die Foltermorde von Höxter-Bosseborn hat die Angeklagte Angelika W. ihr Recht auf ein letztes Wort genutzt. Wie angekündigt machte sie davon ausgiebig Gebrauch. Immer wieder betont sie, nur nach dem Willen ihres Ex-Mannes und Mitangeklagten Wilfried W. gehandelt zu haben. Mit dem Bekanntwerden der Geschehnisse auf dem Gehöft in Höxter-Bosseborn habe für Angelika W. ein Prozess der Befreiung stattgefunden. Bis dahin habe sie unter dem Einfluss von Wilfried gestanden. Erst in der Haft habe sie realisiert, dass sie vor ihrem Ex-Mann sicher sei und habe sich entschlossen zur Aufklärung des Falles beizutragen. Nebenkläger verlassen den Saal Wie bereits in ihrer Aussage vor Gericht beschrieb sie nochmals, wie sie dafür sorgen musste, dass alles so lief wie Wilfried W. es wollte. Vor allem das die Frauen sich so verhielten, dass ihr Ex-Mann zufrieden war. Kritik übte sie an Teilen des Gutachtens von Nahlah Saimeh, nach dem Angelika "die Spielzeuge ihres Ex-Mannes zerstören wollte”, das stimme nicht. Sie sieht sich in einer ähnlichen Opferrolle wie die anderen Frauen, mit denen Wilfried W. Beziehungen geführt hatte. In einem Artikel zum "Gaslighting”, habe sie sich selbst und ihre Situation erkannt. "Ich kann es einfach nicht." Während der Worte von Angelika W. verlies die Nebenklage den Gerichtssaal, der Vorsitzende Richter Emminghaus verkündete daraufhin eine Pause. Danach kehrten die Nebenkläger nicht mehr auf ihre Plätze im Saal zurück. Inwiefern dies dem angekündigten Protest entsprach ist noch nicht klar zu beurteilen. In der Fortsetzung der Verhandlung kam die Angeklagte dann auch zum Ende ihrer Ausführungen. In diesen letzten Minuten gab es von Angelika dann wenige Worte der Entschuldigung gegenüber den Hinterbliebenen der Opfer und den anderen Frauen die in Bosseborn gequält worden waren. Dies fiel ihr jedoch deutlich schwer: "Ich kann es einfach nicht, hier ein Wort der Entschuldigung zu sagen. Ich kann es einfach nicht. Könnte ich den Tod von Annika rückgängig machen, ich würde es gerne tun. Es tut mir leid, dass die Mutter von Annika kein Grab hat, an dem sie trauern kann." Auch bei Opfer Christel P. entschuldigte sich die Angeklagte. Das Landgericht Paderborn will am 5. Oktober ein Urteil sprechen. Die Staatsanwaltschaft hatte lebenslange Haftstrafe für beide Angeklagte sowie die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld gefordert. Die Anwälte des Angeklagten forderten eine Freiheitsstrafe von 7 Jahren und 6 Monaten. Der Verteidiger von Angelika W. forderte einen Freispruch für seine Mandantin. Der Prozesstag zum Nachlesen:

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