Auf nach Athabasca: Mathab fliegt ins Zauberland. - © Liborius Schmidt
Auf nach Athabasca: Mathab fliegt ins Zauberland. | © Liborius Schmidt

Viel Applaus für das Musical-Projekt "Das Mondmädchen" in Höxter

Musical: Jugendliche und Kinder behandeln das Thema Flucht. Das Publikum honoriert die Akteure mit stehenden Ovationen

Liborius Schmidt

Höxter. Fliehen, alles zurücklassen und ein neues Leben beginnen. Das Thema Flucht ist weiter aktuell und präsent. Zu diesem Thema erarbeiteten mehr als 20 Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 17 Jahren ein Musical unter dem Motto „Art of Vielfalt". Eine Woche lang probten die Akteure die Tänze, Lieder und Schauspieleinlagen. Die Geschichte wurde dabei an das Buch „Das Mondmädchen" von Mehrnousch Zaeri-Esfahani angelehnt, bei dem es um ein Mädchen geht, welches mit seiner Familie auf der Flucht ist. Bei der Premiere in dem Gemeindezentrum Am Knüll in Höxter erschienen circa 150 Zuschauer. „Seit vielen Jahren organisiere ich Theater. Dieses Jahr dachte ich, dass es mal etwas Neues sein muss. Und so bin ich auf ein Musical gekommen", berichtet Tuija Niederheide vom Kommunalen Integrationszentrum des Kreises Höxter. „Dabei fanden wir viele Unterstützer. Die Tanzetage, die Musikschule, der Verein Welcome Höxter und die Baptisten-Gemeinde in Höxter halfen uns, das Ganze künstlerisch umzusetzen. Die Landesarbeitsgemeinschaft Bildung und Kultur sowie der Rotary-Club Höxter gaben uns die finanziellen Mittel, so dass für niemanden unter den Jugendlichen Kosten entstanden." Die Teilnehmer trafen sich so eine Woche lang in den Sommerferien zu einem Workshop. "Viele Kinder haben Flucht am eigenen Leib miterlebt" In der Geschichte geht es um das Mädchen Mathab, gespielt von Yelva Peter, die mit ihren Eltern in einem Land lebt, in dem der herrschende Kaiser alle Bewohner unterdrückt. Eines Tages allerdings kommt die Kaiserin mit den weißen Haaren an die Macht. Die Menschen hoffen auf Besserung, doch schnell stellt sich heraus, dass sie noch mehr Verbote ausspricht und die Menschen noch stärker unterdrückt. Die Kinder dürfen nicht mehr lachen, spielen oder tanzen, und sie dürfen keine langen Haare mehr haben. „Viele Kinder haben Flucht an ihrem eigenen Leib miterlebt", sagt Anette Hesse vom Verein Welcome, Mitinitiatorin des Projektes. „Bei Art of Vielfalt ist unser Hintergedanke, dass heimische Jugendlichen mit Geflüchteten zusammenarbeiten. Während der Woche des Workshops sind auch Freundschaften entstanden." Solche Projekte seien eine gut Möglichkeit, der Bevölkerung zu zeigen, dass man auch in Höxter tolle Projekte aufstellen könne. „Besonders in diesen Zeiten sind Zeichen des interkulturellen Zusammenlebens wichtiger denn je", betont Hesse. Im kommenden Jahr gibt es ein ähnliches Projekt  Nachdem Mathab über ihre abgeschnittenen Haare trauert, erscheint ihr im Traum eine Fee, die sie und ihre sprechende Katze Toulouse mit in ein Zauberland namens Athabasca mitnimmt. Dort erfährt sie, dass die Fee immer für sie da sei und sie nie mehr verlassen werde. Am nächsten Tag in der Schule gibt es dann eine neue Verordnung der Kaiserin, die alle nur noch „die Blutrote" nennen, da sich ihre Haare rot verfärbt haben. Ab sofort werden nur noch Taten und Leben der Kaiserin unterrichtet. Als eine Schülerin widerspricht, wird sie von der Lehrerin geschlagen. Die Ereignisse spitzen sich zu und Mathabs Familie beschließt, das Land zu verlassen. Das Schwierigste dabei: Sie wissen nicht, was sie alles brauchen, und was sie in der neuen, ungewissen Heimat brauchen werden. Am Ende winken ihnen die Alten der Stadt zu, da diese „zu alt zum Gehen" sind. „Wir sind so froh, solche Projekte unterstützen zu können", sagt Helmut Frieden, Präsident des Rotary-Clubs Höxter. „Die Idee fand bei uns im Vorstand und bei Freunden sofort guten Anklang, da uns dieses Thema auch am Herzen liegt." Im kommenden Jahr solle es wieder ein ähnliches Projekt geben, so Niederheide.

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