Höxter „Wir wollen Botschafter für die LGS sein“

Interview: Ulrike Drees (50) ist Vorsitzende des neuen Fördervereins Landesgartenschau 2023 in Höxter

Simone Flörke

Frau Drees, was hat Sie motiviert, sich für die Landesgartenschau 2023 zu engagieren? ULRIKE DREES: Ich liebe Höxter. Ich bin hier angekommen und zu Hause, fühle mich total wohl und möchte die positive Entwicklung unterstützen. Ich kann gut organisieren und Themen vorantreiben. Und die LGS ist eines der wichtigsten Themen für die gesamte Region überhaupt. Dann den Vorsitz in einem Förderverein zu übernehmen, das ist noch ein größerer Schritt. DREES: Ich verstehe mich nicht als Chefin. Wir sind ein Team, gleichberechtigt im Vorstand und teilen uns die Aufgaben auf. Wenn ich mich für etwas engagiere, das mir am Herzen liegt, dann soll und muss ich auch bereit sein, Verantwortung zu übernehmen. Dazu bin ich gern bereit. Wenn man für eine Sache brennt, dann stellt man sich dafür auch zur Verfügung. Für mich eine logische Konsequenz. Was war Ihre Reaktion auf die Bewerbung zu Jahresbeginn und den Zuschlag im Mai? DREES: Ich habe sofort gesagt: Super! Und war schon von Anfang an über meine Funktion bei der GWH mit in die Sache eingebunden. Als Zugezogene beschäftigt man sich mit seiner Wahlheimat anders. Ich habe viel Historisches über Höxter gelesen. Es gab viele negative Schlagzeilen und auch viele Streitthemen, wie um die Schwimmbäder. Die LGS ist eine Chance, die Stadt zu einen und die Region zu einen. Eine Chance, die Schönheit und das Lebenswerte auch anderen zu präsentieren. Ich hatte einen Ausflug nach Höxter gemacht, als ich mich auf die Stelle bei der GWH beworben hatte. Ich war sofort verliebt. Und ich kann mir vorstellen, dass Besucher dies ähnlich empfinden. Warum verdient Höxter Ihrer Ansicht nach die LGS? DREES: Als Großstadtkind aus dem Ruhrgebiet gehe ich gern in Parks, kenne andere Gartenschauen. Höxter hat die Verbindung Stadt und Fluss: Besser geht es doch nicht. Ich genieße die hervorragende Work-Life-Balance. Das ist geschenkte Lebenszeit. Wir haben alles, was wir zum Leben brauchen: die Kombination von wunderschöner Landschaft, vielfältigen Arbeitsplätzen und bezahlbarem Wohnen. All das, was Großstädter vermissen. »Man muss das Angebot nur wahrnehmen. Sonst schläft es ein« Der Nachteil der fehlenden Verkehrsanbindung ist ein Vorteil. Hier ist immer ’was los, hier gibt es für jeden Geschmack etwas. Zum Beispiel die Schützenfeste, das Zimmertheater in Höxter, dazu die Angebote im gesamten Kreis. Hier muss ich nicht eine Stunde und mehr fahren wie in vielen Großstädten. Man muss es nur wahrnehmen. Sonst schläft es ein. Welche Zielsetzung hat der LGS-Förderverein? DREES: Der Förderverein soll ehrenamtliches Engagement der Bürger bündeln und für sie eine Anlaufstelle sein. Wir verstehen und als Sprachrohr der Bürger und sehen uns auch als Bindeglied zwischen Bürgern und LGS-Durchführungsgesellschaft, mit der wir eng zusammenarbeiten. Wir können nicht das Konzept umwerfen, aber wir können Ideen sammeln. Wir möchten die Interessen der Bürger wecken und wahren, permanent informieren, bei Fragen, Ideen oder Anregungen, aber auch bei Kritik zur Verfügung stehen. Wir bieten damit den Menschen die Chance, an der LGS mitzuarbeiten. Das persönliche Engagement der Menschen wird um so wichtiger werden, je näher der Termin rückt. Eine Hauptaufgabe wird sicherlich auch sein, Spender für den Bürgerbeitrag zu gewinnen, um das Event finanziell zu unterstützen. Eine weitere Hauptaufgabe sehen wir in der Einbindung des gesamten Kreises Höxter sowie dem Brückenschlag nach Holzminden. Wir wollen auch die Region jenseits der Weser aktivieren. Wie wollen Sie es schaffen, Begeisterung für ein solches Großprojekt in der Bevölkerung über fast fünf Jahre hochzuhalten? DREES: Das wird die wichtigste Aufgabe für uns werden, aber wir haben heute noch auf viele Fragen keine Antwort. Wir können jetzt noch keine Blumenzwiebeln pflanzen. »Je mehr Menschen wir infizieren,desto weiter trägtdas LGS-Virus« Aber wir brennen fürs Thema und möchten diese Begeisterung weitergeben an andere. Wir wollen Botschafter sein für die Landesgartenschau, wollen die Ortschaften integrieren. Sicherlich wird es auch Beeinträchtigungen geben. Wie die aussehen werden, darüber informiert die Durchführungsgesellschaft. Genau wie über Eintrittsgelder und ähnliches. Wartet auf das sehr gut durchdachte Gesamtkonzept. Es wird für alles Lösungen geben. Wir stehen dahinter, werden die Vorteile aufzeigen, die Höxter durch die LGS haben wird. Je mehr Menschen wir infizieren, desto weiter trägt das LGS-Virus. Mit welchen Argumenten begegnen Sie den Kritikern? Auch vor dem Hintergrund von Sperrungen des Walls und des Radwegs R 1 oder der Diskussion ums Eintrittsgeld? DREES: Wir müssen nach außen geschlossen auftreten. Ich glaube, die Kritiker sind in der Minderheit. Als Erstes werden wir versuchen, sie durch einen transparente Informationspolitik abzuholen. Wir nehmen die Kritik auf und nehmen sie ernst. Wir platzieren und diskutieren sie an geeigneter Stelle und spielen auch Antworten zurück. Aber wir lassen uns nicht Bange machen oder von einzelnen Stimmen vom Weg abbringen. Das Ziel zu erreichen, das lohnt sich. Deshalb sollten wir stets das Gesamtkonzept im Blick behalten. Welche Aktivitäten sind geplant? Gibt es schon erste feste Termine? DREES: Anfang nächster Woche sind wir in Bad Iburg zur Vorstandsklausur. Wir werden dort die laufende LGS besichtigen und uns mit der dortigen Durchführungsgesellschaft und dem Förderverein austauschen. Ein Thema wird die Vorbereitung der Auftaktveranstaltung am Samstag, 15. September, ab 15 Uhr in der Stadthalle sein. Wir versprechen uns einen guten Zuspruch von Bürgern auch aus anderen Städten, sind offen für alle, die sich informieren oder nach ihren Möglichkeiten einbringen möchten. Uns ist diese Bürgerbeteiligung wichtig. So gibt es schöne Ideen von Baumpaten mit Namen der Paten auf Steinen. Aber auch die Einfallstraßen in die Stadt Höxter sollen zur LGS ansprechend gestaltet werden. Auch da wollen wir die Bürger mitnehmen und Paten gewinnen, die sich kümmern. Uns ist die Nachhaltigkeit wichtig: Damit dies alles für Höxter erhalten bleibt. Wie viele Mitglieder haben Sie bereits – und wie wollen Sie neue gewinnen? DREES: Bei der Gründungsversammlung waren wir 64, jetzt sind es etwa 70. Wir versprechen uns viele weitere bei und nach der Auftaktveranstaltung am 15. September. Mitglied werden kann jeder aber noch jederzeit und später, gern auch aus anderen Städten, gern auch von beiden Seiten der Weser. Wir möchten den Großteil der Bevölkerung für uns gewinnen, sind selbst vom Vorstandsteam her sehr gemischt: Drei Frauen und vier Männer, die Interessierte jeden Alters ansprechen können und den Bevölkerungsquerschnitt repräsentieren. Dafür wollen wir auch professionell ein Logo entwerfen lassen, das auf den Mitgliedsanträgen oder Flyern einen Wiedererkennungswert bekommt. Und wir werden in der Stadt Präsenz zeigen, beispielsweise bei Huxori.

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