Klein und effektiv: Mit dem Mungo, der eine Nutzlast von 1,4 Tonnen hat und bis 80 Stundenkilometer schnell fährt, werden die Module für die Dekontamination transportiert. Mit der beweglichen Lanze wird auch dieses kleine Fahrzeug dann dekontaminiert, also entgiftet. - © Amina Vieth
Klein und effektiv: Mit dem Mungo, der eine Nutzlast von 1,4 Tonnen hat und bis 80 Stundenkilometer schnell fährt, werden die Module für die Dekontamination transportiert. Mit der beweglichen Lanze wird auch dieses kleine Fahrzeug dann dekontaminiert, also entgiftet. | © Amina Vieth

Höxter ABC-Abwehr: Neue Ausrüstung für die Höxteraner Soldaten

25 Jahre ABC-Abwehrbataillon 7 (2): Vom Marschieren bis zur Dekontamination – bis die Frauen und Männer einsatzbereit sind, müssen sie zahlreiche Übungen durchlaufen. Die Kernaufgaben liegen in der Abwehr von atomaren, biologischen und chemischen Waffen. Neu ist die Dekontamination mit leichtem Gerät

Amina Vieth

Höxter. Es ist eine Premiere für die Höxteraner ABC-Abwehr-Soldaten: Erstmals proben sie die Dekontamination mit leichtem Gerät. Statt der großen Container kommen einzelne kleine Module zum Einsatz. Was das Material für die Entgiftung und Entseuchung von Fahrzeugen, Material und Personen leichter transportabel macht. Die Besinnung auf die Kernaufgaben steht im Fokus der Übungen. Anforderung an die Ausrüstung ist, dass sie auch mit einem Hubschrauber transportiert werden kann, erklärt Oberleutnant Paul N*. von der 4. Kompanie und Kompanieeinsatzoffizier. Die Dekontamination gehört zu den Kernfähigkeiten des ABC-Abwehrbataillons 7, das in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen feiert. Um nicht aus der Übung zu kommen, wird der Ablauf regelmäßig geprobt. Das leichte Gerät ist dafür gedacht, nahe dem Einsatzort abgeladen zu werden und kleinere Fahrzeuge sowie Personen zu entseuchen. Für längere Strecken sind die Mungos, die Fahrzeuge, mit denen die Module transportiert werden, nicht geeignet. Neun kleine Module statt drei großer Die leichtere Version des Dekontaminationssystems lässt sich in neun Module zerlegen, „beim schweren Gerät sind es drei große", erläutert Paul N. Das Ziel sei es, weniger Zeit beim Auf- und Abbau zu benötigen. Erst etwas mehr als ein Jahr ist das neue System am Standort in Höxter. Überhaupt sei das System in der Bundeswehr noch nicht häufig vertreten. Um es bedienen zu können, müssen die Soldaten eine mehrwöchige Ausbildung absolvieren, die mit einer Abschlussübung endet. Ein wesentlicher Unterschied zu dem größeren Pendant: Es können keine Großfahrzeuge entgiftet werden. Für die Zusammenarbeit mit der Infanterie „Wir haben hier nur bewegliche Lanzen, die von Hand bedient werden, um die Fahrzeuge zu dekontaminieren", erklärt Paul N., dessen Kompanie als einzige in Höxter über das System verfügt. „Es ist dafür gedacht, um mit der Infanterie zusammenzuarbeiten." Das bedeutet, dass hauptsächlich Fahrzeuge wie Wolf, Mungo, Wiesel, also mit Größen bis zum Kleintransporter oder Jeep entgiftet werden müssen. Auch Materialien und Kleidung können dekontaminiert werden. Dieser Ablauf, vom Ausziehen des Overgarments, des Schutzanzugs mit Atemschutzmaske, bis zur dekontaminierenden Dusche muss geprobt werden und im Ernstfall reibungslos durchführbar sein. Und im Gelände kommt die A/C-Aufklärung zum Einsatz. Ein verantwortungsvoller Job für die Soldaten. Denn wenn Kampfstoffe ausgebracht wurden, geht es nicht nur um das Leben der Kameraden. Um den Kampfstoff bekämpfen zu können, muss er zunächst bestimmt werden. Das trainiert Stephan A., Major der 2. Kompanie, mit seinen Soldatinnen und Soldaten regelmäßig. Ein gepanzertes, fahrendes Labor Sie sind auch in Höxter unterwegs, um den Ernstfall zu proben. Mit zwei Spürpanzern Fuchs und einem Eagle, ein vollgepanzertes Einsatzfahrzeug, sind die insgesamt zwölf Soldaten unterwegs. Ihre Aufgabe: „Das Feststellen von radioaktiver Strahlung und Chemikalien sowie Kampfstoffen", erklärt der Major. Bei dem Spürpanzer Fuchs handelt es sich um „ein fahrendes Labor", das auch im Ausland zum Einsatz kommt, erläutert der erfahrene Soldat weiter. Der Fuchs verfügt über ein ABC-Heck sowie Messgeräte für atomare und chemische Kampfstoffe. Besetzt ist der Panzer mit vier Soldaten: Fahrer, Kommandant und Spürer eins und Spürer zwei. Zwei am Heck des Spürpanzers angebrachte Spürräder rollen über den Boden, um Rückstände des Kampfstoffes aufzunehmen, die dann mittels einer Sonde von den Rädern aufgenommen werden. Dabei ist genaue Handarbeit gefragt. Denn die Sonde muss manuell aus dem Panzer heraus- und reingeschoben werden. »Kampfstoffe in Datenbank gespeichert« Um Proben zu nehmen, muss einer der Spürer sich auf den Boden im Heck des Panzers legen und seinen Arm tief in einen Handschuh aus Spezialgummi stecken, womit er Bereiche außerhalb des Panzers erreicht. Durch ein kleines Fenster kann der Spürer nach draußen schauen. Es können auch Bodenproben genommen werden, ebenfalls mit Hilfe des Handschuhs. Mit einer Zange werden die Proben in Becher befördert, insofern es sich beispielsweise um Erde handelt. Bei einer befestigten Straße wird die Sonde auf den Untergrund gehalten. Im Panzer wird dann analysiert, um welchen Kampfstoff es sich handelt. „Wir haben eine Datenbank, in der die bekannten Kampfstoffe gespeichert sind. Sollte es sich um einen unbekannten Kampfstoff handeln, werden die Werte gespeichert", so der Major weiter. • Die Namen werden aus Sicherheitsgründen abgekürzt

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