Vor der St.-Johannes-Baptist-Kirche: Pfarrer Anton Honisch bleibt auch nach seiner Verabschiedung in Lüchtringen und wohnt weiterhin im Pfarrhaus. - © Mareike Gröneweg
Vor der St.-Johannes-Baptist-Kirche: Pfarrer Anton Honisch bleibt auch nach seiner Verabschiedung in Lüchtringen und wohnt weiterhin im Pfarrhaus. | © Mareike Gröneweg

Höxter Pfarrer Honisch: „Lüchtringen ist mein zweites Zuhause“

Kirche: Pfarrer Anton Honisch wird nach 22-jährigem Dienst verabschiedet und geht mit 70 Jahren in den Ruhestand. Im Gespräch berichtet er, wie er auf seine Zeit in der St.-Johannes-Baptist-Gemeinde zurückblickt

Mareike Gröneweg

Lüchtringen. Zwar steht in der Bibel, dass Priester auf ewig Priester bleiben, für Pfarrer Anton Honisch steht jetzt aber erstmal der Ruhestand an. „Es ist schön, dass ich etwas kürzer treten kann", sagt Pfarrer Honisch. Am heutigen Freitag, 13. Juli, wird er nicht nur 70 Jahre alt, sondern von seiner Gemeinde St.-Johannes-Baptist auch offiziell verabschiedet. Denn sein 22-jähriger Dienst in Lüchtringen endet am 1. August. Pfarrer Honisch redet nicht gern über sich selbst, das fällt schnell auf. Er redet lieber über die Gemeinde, Seelsorge, die Ortschaft und auch über sein Pferd. Denn er hat einen 26-jährigen Hannoveraner in Lüchtringen, der ein „guter Freund" für ihn ist. Mit Pablo reitet er ins Gelände und besucht ihn zwei- bis dreimal wöchentlich. Schon seit 20 Jahren begleitet Pablo ihn in Lüchtringen und bereichert sein Leben sehr: „Ich kann bei ihm richtig abschalten und bin auch mit der Natur verbunden", so Pfarrer Honisch. Pfarrer Honisch wurde in Schlesien geboren und studierte Theologie in Krakau. „Die schönste Stadt Polens", wie er findet. Während des Priesterseminars, das für ihn eine prägende Zeit war, habe er viel gelernt. Und er gibt auch zu, dass er in der Zeit gezweifelt hat. „Schließlich ist es eine weitreichende Entscheidung, die man im jungen Alter, also bei mir mit 25 Jahren, trifft." Doch bereut habe er seine Entscheidung nie. Im Gegenteil: „Ich würde mich immer wieder für den Beruf des Priesters entscheiden." "Ich habe mich jeden Tag auf die Begegnungen
mit den Menschen gefreut" Seine 45 Jahre als Geistlicher beschreibt Pfarrer Honisch als „Zeit mit Höhen und Tiefen". Das gelte auch für Lüchtringen. Die Menschen seien hier anfangs distanziert, müssten das Vertrauen zuerst aufbauen. „Das gilt vermutlich für viele Ostwestfalen", fügt er schmunzelnd hinzu. Doch als das Vertrauen erst gewonnen war, seien die Lüchtringer ihm sehr ans Herz gewachsen. „Sie sind herzlich und freundlich. Und sie können sehr gut feiern." Ob im Supermarkt, auf der Straße oder beim Ausritt mit Pablo: Die Lüchtringer haben ihre Bezugsperson für die Seelsorge immer gerne angesprochen. „Ich habe mich jeden Tag auf die Begegnungen mit den Menschen gefreut." Pfarrer Honisch empfindet Lüchtringen als seine „zweite Heimat". Daher wird er auch nicht umziehen. „Mindestens die nächsten zwei Jahre wohne ich noch im Pfarrhaus", berichtet er. Es ist ihm wichtig, dass er den Draht zum Gemeindeleben nicht verliert. Doch auch wenn er ab und an gerne noch Messen feiern wird: Der durchgetaktete Gottesdienst-Plan endet für ihn mit Beginn des Ruhestands. Den übernehmen jetzt Pfarrer aus dem Pastoralverbund Corvey. „Das ist für die Gemeinde schwer und eine Umgewöhnung" Mit dem Abschied von Pfarrer Honisch endet für Lüchtringen auch die Zeit, in der ein Priester nicht aus Höxter pendelt, sondern direkt im Ort wohnt. „Das ist für die Gemeinde schwer und eine Umgewöhnung." Daher will er den Lüchtringern die Umstellung vereinfachen und mit Pablo nicht nur vor Ort, sondern auch ansprechbar bleiben. Nach Absprache mit dem Erzbistum wird Pfarrer Honisch dem Pastoralverbund Corvey als sogenannter Subsidiar, also als Unterstützungskraft, erhalten bleiben. Er wird in diesem Rahmen weiterhin einige Gottesdienste feiern sowie Haus- und Krankenkommunionen spenden. Auf Anfrage stehe er auch für Taufen, Trauungen oder Gottesdienste zu besonderen familiären Ereignissen bereit. Für die Zukunft wünscht Pfarrer Honisch sich, dass die Gemeinde weiterlebt. Dass sie ein Netzwerk bleibt und von Hilfsbereitschaft geprägt ist. Die Verabschiedung und gleichzeitige Geburtstagsfeier von Pfarrer Anton Honisch beginnt am Freitag, 13. Juli, ab 18 Uhr mit einer Heiligen Messe in der St.-Johannes-Baptist-Kirche statt. Anschließend gibt es ein Beisammensein im und vor dem Pfarrhaus. Und da er seine Gäste in der Einladung zur offiziellen Verabschiedung bittet, auf Geschenke zu verzichten und stattdessen für ein Projekt in Argentinien und Kamerun zu spenden, liegt der Bibeltext zum ewigen Priestertum wohl nicht ganz daneben. Priester bleibt Anton Honisch auch im Ruhestand.

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