0
Massenweise Cannabispflanzen waren im sogenannten "Horror Haus" in Höxter-Bosseborn gefundenworden. - © Archivfoto/Matthias Brüggemann
Massenweise Cannabispflanzen waren im sogenannten "Horror Haus" in Höxter-Bosseborn gefundenworden. | © Archivfoto/Matthias Brüggemann

Höxter "Horror-Haus": Weiteres Urteil nach Drogenanbau

Gericht: 26-jähriger Brakeler zu fünf Jahren Haft wegen Kurierfahrten verurteilt

Jutta Steinmetz
23.04.2018 | Stand 23.04.2018, 20:35 Uhr

Höxter/Paderborn. Dass Daniel N. (Name geändert) ein Mann offener Worte ist, hat er in den vergangenen Wochen auf der Anklagebank des Landgerichts Paderborn mehrfach unter Beweis gestellt. Der Dachdecker, der das von ihm gekaufte Horrorhaus für den Anbau von Marihuana zur Verfügung stellte, stand ganz offen zu seinen Taten. Als es jetzt darum ging, für zwei weitere Mitglieder des kriminellen Grans-Anbau-Teams zu einem Urteil zu finden, nahm der 51-Jährige gleichfalls kein Blatt vor den Mund. Und er beantwortete als Zeuge bereitwillig alle Fragen – obschon ihm das Recht zu schweigen zustand, ist doch seine Verurteilung zu siebeneinhalb Jahren Haft noch nicht rechtskräftig. Gewinnbeteiligung von 10 Prozent versprochen „Meiner Meinung nach war er der Chef", sagte Daniel N. über Salli P., jenen 42-Jährigen aus Venlo, dem er ab Frühjahr 2017 große Teile des sogenannten Horrorhauses zur Verfügung gestellt hatte, damit dort unter besten Bedingungen Marihuana-Pflanzen prächtig wuchern konnten. Dieser habe ihm auch eine Gewinnbeteiligung in Höhe von zehn Prozent versprochen. Der Mitangeklagte von Salli P., ein 26-Jähriger aus Brakel, sei aber nur der Fahrer gewesen, bekundete Daniel N. und machte damit eine Aussage, die sich mit den Ausführungen des jungen Mannes deckte. Nach dreitägiger Verhandlung und der Vernehmung zahlreicher Zeugen zogen die Richter der 1. Großen Strafkammer ihre Bilanz. Salli P. galt ihnen als Initiator der Plantage in Bosseborn – zumal im Verdacht steht, auf einem ländlichen Anwesen in Mönchengladbach eine ähnliche Anlage betrieben zu haben. "Er ist der Deutschland-Chef" Der ganz große Boss scheint er aber womöglich nicht zu sein. Denn Salli P. benannte im Verlauf der Ermittlungen einen Mann aus Holland als den großen Strippenzieher. Entsprechende Ermittlungen laufen noch. Allerdings, da waren sich die Ermittler, die Richter, Staatsanwalt Henrik Dahnke wie auch die Verteidiger einig, habe der 42-Jährige in Deutschland das große Sagen. „Er ist der Deutschland-Chef", lautete die einhellige Meinung. Er muss für achteinhalb Jahre hinter Gitter, der 26-jährige Brakeler kam mit fünf Jahren Gefängnis davon. Er soll aber eine Chance bekommen und im Maßregelvollzug gegen seine Sucht angehen. Das hatte ein Gutachter empfohlen. Der Brakeler, der auch für einen anderen Drogenhändler mehrfach Marihuana aus Holland herbeigeholt hatte, habe nicht zuletzt dank seine Schulabschlusses und einer absolvierten Lehre gute Voraussetzungen, künftig drogenfrei durchs Leben zu gehen.

realisiert durch evolver group