Die Hanfplantage im Horrorhaus in Bosseborn. - © Polizei
Die Hanfplantage im Horrorhaus in Bosseborn. | © Polizei

Bosseborn 1.000 Cannabispflanzen: Prozess gegen Drogenbande aus dem Horrorhaus

Erste Große Strafkammer verhandelt gegen zwei Angeklagte wegen bandenmäßigen unerlaubten Anbaus von Betäubungsmitteln

Simone Flörke

Bosseborn/Brakel/Paderborn. Heute ist Auftakt zur ersten Verhandlungsrunde vor der Ersten Großen Strafkammer des Landgerichts Paderborn nach den Ermittlungen rund um die Drogenplantage in Bosseborn. Insgesamt handelt es sich um fünf Angeklagte, wobei sich heute zunächst ein Brakeler und ein Niederländer verantworten müssen, bevor es dann am nächsten Freitag ins zweite Verfahren geht, bei dem der mutmaßliche Haupttäter und zwei weitere Angeklagte vor Gericht stehen. Es geht um Mengen von 38 Kilogramm Marihuana-Pflanzen, die laut Polizei und Staatsanwaltschaft einen Wert von 200.000 Euro hatten. Die Plantage im Haus des Mannes, der das vormalige „Horrorhaus" gekauft hatte, war im Herbst vergangenen Jahres aufgeflogen. 38 Kilogramm Marihuana gefunden Am Dienstag ab 11.30 Uhr – mit Fortsetzungen am 27. März und 6. April – verhandelt die Kammer gegen zwei 1975 und 1991 geborene Angeklagte aus den Niederlanden und Brakel, denen in neun Fällen unerlaubtes Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge oder Beihilfe dazu in Tateinheit mit unerlaubter Einfuhr vorgeworfen wird, so die Staatsanwaltschaft. In zwei weiteren Fällen wird ihnen bandenmäßiger Anbau von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge vorgeworfen. Im Einzelnen: In der Zeit von Juni bis September 2016 soll ein Angeklagter in acht Fällen jeweils drei bis fünf Kilogramm Marihuana von den Niederlanden nach Brakel geliefert haben, wobei er sich der Dienste von Kurierfahrern bediente. In vier Fällen soll dies der weitere Angeklagte getan haben. Im April und Juli 2017 sollen die Angeklagten gemeinsam mit weiteren Beschuldigten in Bosseborn am Saatweg eine Marihuanaplantage in Kellerräumen und einer Scheune betrieben haben. Bei der Festnahme der Angeklagten im September soll das vorgefundene Marihuana ein Gewicht von rund 38 Kilogramm gehabt haben. 1.000 Pflanzen mit einem Wert von 200.000 Euro Ein weiterer Prozess vor der Strafkammer wird am Freitag, 16. März, ab 9 Uhr in Paderborn verhandelt. Und zwar gegen drei 1966, 1973 und 1987 geborene Angeklagte aus Marienmünster und Düren, denen bandenmäßiger unerlaubter Anbau von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge vorgeworfen wird. Zwischen April und September 2017 sollen sie gemeinsam mit den weiteren Beschuldigten die Marihuanaplantage mit mehr als 1.000 Pflanzen betrieben haben. Es soll laut Staatsanwaltschaft zu zwei Anpflanzungen gekommen sein. Die 38 Kilogramm Marihuana hatten laut einem Gutachten, das das Kommissariat Organisierte Kriminalität in Bielefeld angefordert hatte, einen extrem hohen THC-Gehalt. Das ist der rauschwirkende Bestandteil der Cannabispflanze – insgesamt 6,5 Kilogramm THC, was laut Polizei einen Anteil von knapp 20 Prozent ausmachte. THC unterliegt in Deutschland den Bestimmungen des Betäubungsmittelgesetzes. In Bosseborn hatte die Polizei im September zunächst insgesamt zwölf Personen festgenommen. Die Ermittlungskommission aus Bielefeld, die von Spezialisten und Polizisten aus den umliegenden Behörden unterstützt worden waren, hatten sie beim Abernten der Plantage erwischt. Erntehelfer aus den Niederlanden, Polen und der Ukraine waren nach Vernehmungen wieder entlassen worden, gegen sechs Bandenmitglieder waren Haftbefehle erlassen worden. Die Polizei hatte die sichergestellten Pflanzen beschlagnahmt und die THC-reichen Blüten zur Wertermittlung an das Landeskriminalamt Düsseldorf geschickt. Die restlichen Pflanzenteile waren in Bielefeld verbrannt worden.

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