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Auszeichnung: Seyran Ates erhält von Bürgermeister Alexander Fischer nach ihrer Rede die Fallersleben-Plakette. - © Simone Flörke
Auszeichnung: Seyran Ates erhält von Bürgermeister Alexander Fischer nach ihrer Rede die Fallersleben-Plakette. | © Simone Flörke

Höxter Seyran Ates erhält Fallersleben-Plakette in Corvey

Frauenrechtlerin und Rechtsanwältin spricht am Maifeiertag vor 240 Zuhörern im Kaisersaal in Corvey

Simone Flörke
01.05.2017 | Stand 02.05.2017, 20:25 Uhr |

Höxter. Sie ist die Trägerin der 16. Fallersleben-Plakette, die sie am Maifeiertag vor 240 Gästen im Kaisersaal von Schloss Corvey aus den Händen von Bürgermeister Alexander Fischer entgegennahm: Seyran Ates, Frauenrechtlerin und Aktivistin, Rechtsanwältin und Buchautorin, Gesprächspartnerin und Kritikerin, hatte zuvor in einer mehr als einstündigen Rede ihre Ansichten von der Rolle der Frau in der Gesellschaft und dem Begriff Heimat erläutert. Begriffe wie Liebe, Vernunft und Eigenverantwortung, Toleranz, Vielfalt und Frieden drückte sie dabei ebenso ihren Stempel auf, wie sie nicht leise wird, Menschenrechte und Frauenrechte zu betonen. Im ehemaligen Bibliothekar von Corvey, dem Dichter des Deutschlandliedes August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, habe sie während der Beschäftigung mit der Rede „ein neues, tolles Vorbild für mich gefunden". Was sie an Fallersleben besonders sympathisch findet: Das Unangepasste, das Unbequeme und den Querkopf, das „Bekenntnis zum zivilen Ungehorsam." Streit nicht um des Streites Willen, sondern aufgrund eines sinnvollen Inhaltes. Denn: „Demokratie verlangt mündige Bürger", betonte die 54-Jährige aus Berlin. Der Weg dorthin kann für sie nur über die Bildung gehen – nicht allein schulische- oder akademische Bildung, sondern die Auseinandersetzung mit sich selbst und seiner Umgebung, die Bereitschaft, offen für Neues zu sein. Für den Hausherrn Viktor Herzog von Ratibor ist Ates „eine tolle und mutige Frau, eine ideale Rednerin für die Fallersleben-Rede", die sich konsequent und unermüdlich für ihre Überzeugung einsetze – auch wenn dies zu Repressionen führe. Auch Bürgermeister Fischer nannte sie eine „mutige Frau" und eine „Kämpferin für Frauenrechte": „Sie leben nicht zwischen den Kulturen, sie sind in beiden zu Hause." Michael Stoltz vom Fallersleben-Arbeitkreis im Heimat- und Verkehrsverein Höxter hatte zurvor in das Leben unn Wirken von Seyran Ates mit sehr persönlichen Worten eingeführt. Und mit dem Verwendungszweck für die Spende – neben den 3.000 Euro Preisgeld noch rund 1.400 Euro an Spenden aus den Eintrittsgeldern - schlage sie ein neues Kapitel auf: Die Gründung der Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin-Moabit, die am 16. Juni eröffnet wird und allen Menschen – unabhängig von Geschlecht, Glauben, Orientierung – die Türen öffnet. Mit der Hoffmann-von-Fallersleben-Rede wird immer am 1. Mai an den Tag erinnert, als der Namensgeber beim Ururgroßvater von Viktor Herzog von Ratibor in Corvey am 1. Mai 1860 die Leitung der Bibliothek übernahm. Fallersleben starb in Corvey und ist nahe der Abteikirche beerdigt.

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