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Das Kriegsbeil ist noch nicht begraben: „Kein Salz in unsere Weser" fordert das Protestbanner an der Höxteraner Weserbrücke. - © Burkhard Battran
Das Kriegsbeil ist noch nicht begraben: „Kein Salz in unsere Weser" fordert das Protestbanner an der Höxteraner Weserbrücke. | © Burkhard Battran

Höxter Weser: Historischer Wendepunkt im Salzstreit

Umwelt: Grünenpolitiker und Düngemittelhersteller K+S setzen sich erstmals zusammen an einen Tischund versprechen, miteinander im konstruktiven Dialog bleiben zu wollen

Burkhard Battran
01.05.2017 | Stand 01.05.2017, 21:14 Uhr

Höxter. Ob das Zusammentreffen als Friedensschluss von Höxter in die Weser-Geschichte eingehen wird, zeigt sich im nächsten Jahr. Dann fällt die Entscheidung zum Bau einer Oberweser-Pipeline zur Salzentsorgung beim nordhessischen Düngemittelhersteller K+S. Trotzdem fand Sonntag ein historischer Wendepunkt in der Auseinandersetzung zwischen Umweltschützern und dem Unternehmen statt. „Bisher sprach man ja nur übereinander und selten miteinander. Das wird sich nun grundlegend ändern", sagte die Grünen-Kreistagsabgeordnete und OWL-Geschäftsführerin Martina Denkner, die seit zehn Jahren die Salzeinleitungsthematik für den Kreis Höxter begleitet. Grünenpolitiker und Unternehmensvertreter haben sich Sonntag zu einem gemeinsamen Ausflug auf der Weser getroffen. Auf dem Fahrgastschiff „Höxter" ging es 90 Minuten lang von Höxter nach Corvey und wieder retour. Zeit genug, um sich freundlich im Ton und bestimmend in der Sache auszutauschen. „Wir begrüßen es außerordentlich, dass K+S seine Kommunikation nun besser gestaltet, als es viele Jahre der Fall war, und nun endlich miteinander ein Dialog geführt werden kann", sagte die Paderborner Grünen-Landtagsabgeordnete Sigrid Beer. „Wir haben inzwischen unsere Hausaufgaben gemacht und wollen im Miteinander eine Lösung finden", erklärte auch Unternehmenssprecher Jörg Willecke. Das gemeinsame Ziel besteht darin, die Weserversalzung nachhaltig zu reduzieren. Jährlich leitet die K+S Kali GmbH im Werra-Verbundwerk mit seinen Standorten in Hattorf und Wintershall sieben Millionen Kubikmeter Salzabwässer über die Werra in die Weser ein. Die Werra ist als Süßwasserfluss praktische tot. 2021 endet die Einleitungserlaubnis. K+S hat darum den sogenannten „Masterplan Salzreduzierung" aufgelegt. Aktuell im Bau befindet sich eine Kristallisationsanlage, die im nächsten Jahr in Betrieb gehen soll. Dort werden Salzrückstände direkt verdampft. Was die Kapazität angeht, ist die Anlage nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Deswegen findet derzeit eine Machbarkeitsstudie über die Einstapelung flüssiger Rückstände unter Tage statt. Als dritte Option der Reduzierung vor Ort wird eine Haldenbegrünung geprüft. Sie würde verhindern, dass immer wieder Salzrückstände ausgeschwemmt werden. Wenn das alles nicht ausreicht, könnte die Option eines Werra-Bypass greifen. Dabei geht es um eine 140 Kilometer lange Pipeline, die die Salzabwässer direkt in die Weser einleitet. Die Weser ist größer als die Werra und kann die Rückstände besser verdünnen. Sie könnte 2021 in Betrieb gehen. „Unser Masterplan ist behördenverbindlich und wird im nächsten Jahr durch die Flussgebietsgemeinschaft entschieden", sagte Unternehmenssprecher Willecke. Die Grünen in Ostwestfalen sind sich einig, dass die Pipeline verhindert werden soll. Die Salzlauge wird dann nämlich an der Grenze nach NRW unterhalb von Bad Karlshafen dem Kreis Höxter vor die Füße gekippt, so dass sich gerade hier die Wasserqualität deutlich verschlechtern würde. Für K+S nicht verhandelbar ist die von Umweltschützern vorgeschlagene Produktionsdrosselung. Grünen-Kreisvorsitzender Uwe Rottermund: „Wir wollen das Thema nicht ideologisch, sondern pragmatisch diskutieren und eine Lösung finden, die Ökologie und Ökonomie zusammenbringt. Auf diesem Weg sind wir heute ein großes Stück vorangekommen, indem wir gemeinsam darüber reden."

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