Vier Stunden Verfolgungsjagd: Der entführte Bus auf der B 64 in Höxter. - © Thomas Kube
Vier Stunden Verfolgungsjagd: Der entführte Bus auf der B 64 in Höxter. | © Thomas Kube

Höxter Bus-Entführer von Höxter kündigte Geiselnahme im Taxi an

Geiselnahme: Der 46-Jährige konnte aber noch nicht vernommen werden, er befindet sich in einer psychiatrischen Klinik

Höxter. Aufgrund seines gesundheitlichen Zustandes habe die Polizei den 46-jährigen Geiselnehmer, der am Freitagabend am Bahnhof einen Stadtbus mit Fahrer und einem Fahrgast in seine Gewalt gebracht hatte, noch nicht vernehmen können, erklärte Kathryn Landwehrmeyer von der Polizei Bielefeld. Der Mann sei nach Rücksprache mit Ordnungsamt und Amtsgericht Höxter in eine psychiatrische Fachklinik eingewiesen worden. Die Staatsanwaltschaft Paderborn werde gegen den Mann, der mit seiner Tat rund vier Stunden die Einsatzkräfte beschäftigte, wegen der Geiselnahme ein Ermittlungsverfahren einleiten. Täter kam mit dem Taxi Der Entführer hatte sich am Freitagabend von einem Taxi zum Bahnhof bringen lassen. „Mein junger Kollege hatte ihn zuvor schon betrunken wie immer aus einer Höxteraner Kneipe abgeholt", berichtet Taxi-Unternehmer Guido Leifeld aus Lütmarsen. Nur etwa eine halbe Stunde später habe der Kunde wieder in der Taxizentrale angerufen. „Er klang ganz ruhig und normal, als er erneut ein Taxi bestellte – diesmal sollte es zum Bahnhof gehen", so Leifeld weiter. Auf der Fahrt dorthin kündigte der Höxteraner seine spätere Tat an: „Er sagte, es wäre doch mal interessant einen Bus zu entführen, so wie in amerikanischen Filmen, das wolle er mal nachstellen", erzählt der Taxi-Unternehmer. Als sich der kleine Linienbus etwas verspätete, bedrohte der spätere Entführer sogar den Taxi-Fahrer: „Wenn der Bus nicht kommt, dann wollte er eben ihn, den Taxifahrer, entführen", gibt Leifeld die Aussage des Kollegen wieder. Dann aber fuhr der Bus vor und der Täter stieg aus dem Wagen. Der junge Taxifahrer alarmierte daraufhin sofort die Polizei und wurde stundenlang auf der Wache vernommen. Für Guido Leifeld ist der Bus-Entführer quasi ein Stammkunde, der sich regelmäßig ein Taxi bestellt. „Er ist ein Einzelgänger, vermutlich alleinstehend, mit großen Problemen, sehr oft alkoholisiert", meint der Lütmarser. Zugetraut hätte er dem 46-Jährigen so eine Entführung mit Geiselnahme aber nicht: „Er ist der Typ, der viel redet, es aber nicht in die Tat umsetzt." Das galt wohl leider nicht für den vergangenen Freitag. Da machte der Täter Ernst. Täter ist polizeibekannt Der Höxteraner sei polizeibekannt, so die Sprecherin. Und zwar wegen kleinerer Delikte. Was genau, das wollte sie mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen nicht sagen. Nur so viel: „Nicht vergleichbar mit einer Geiselnahme." Auch über mögliche Forderungen des Geiselnehmers wollte sich die Polizeisprecherin derzeit nicht äußern. Dem zum Zeitpunkt der Geiselnahme stark alkoholisierten und unter Drogeneinfluss stehenden Tatverdächtigen sei nach seiner Festnahme durch Spezialeinsatzkräfte am frühen Samstagmorgen auf einem Parkplatz an der B 64 anschließend im Krankenhaus eine Blutprobe entnommen worden. Fahrer war geschult Der als Geisel genommene Busfahrer ist noch nicht wieder im Dienst und wird derzeit psychologisch betreut, berichtet Dirk Pohlmann, Pressesprecher der Bahn-Regiobusse auf Anfrage der Neuen Westfälischen. Die Regiobus-Gesellschaft habe dafür ein spezielles Hilfsprogramm mit Namen „Care net". Dieses werde auch betroffenen Fahrgästen angeboten. Allgemein würden Busfahrer der Bahn für extreme Situationen geschult, wenn auch nicht speziell für Entführungsfälle wie den in Höxter, wie Dirk Pohlmann erklärt. Auch der 46-jährige Busfahrer in Höxter habe eine solche Schulung durchlaufen. Droht dem Busfahrer oder Fahrgästen Gefahr, können sie eine bestimmte Notruftaste drücken, die dann in der Leitstelle für alle Regionalbusgesellschaften der Deutschen Bahn in NRW aufläuft. „Diese Leitstelle in Münster ist rund um die Uhr besetzt", betont Pohlmann. Notruftaste im Bus Auch die roten Stadtbusse in Höxter sind mit einer solchen Taste ausgestattet. Nachdem der Entführer am Bahnhof in Höxter in den Bus eingestiegen war und den iranischen Fahrgast sowie den Busfahrer mit einem Messer bedroht hatte, löste der Fahrer um 20.53 Uhr den Notruf aus. Von Münster aus sei umgehend die Polizei informiert worden, die einen vierstündigen Großeinsatz mit Verfolgungsjagd durch die Kreise Höxter und Holzminden auslöste, an der Polizeibeamte aus NRW, Niedersachsen und Hessen beteiligte waren. Der Einsatz endete mit der Überwältigung des Täters durch Spezialeinsatzkräfte auf dem Parkplatz unterhalb des Felsenkellers. In dem Bus, dessen Fenster während der Irrfahrt mit Zeitungen verklebt worden waren, fanden die Einsatzkräfte anschließend mehrere Messer. Der Linienbus wurde von den Ermittlern zur Spurensicherung sichergestellt. Die Kolonne war während dieser Verfolgung sehr lang gewesen. Dass der Einsatz aber durch Schaulustige gefährdet worden sei, das verneinte Polizeisprecherin Kathryn Landwehrmeyer. Es sei nur nicht hilfreich, dass Personen und Fahrzeuge der Spezialeinsatzkräfte inklusive Kennzeichen offen gezeigt und über soziale Netzwerke verbreitet würden. „Dann sind diese Fahrzeuge für Einsätze verbrannt."

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