Düngezeit fast vorbei: Hauptsächlich düngen Landwirte ihre Felder im Frühjahr. Nur bei bestimmten Anbausorten, wie beispielsweise Winterraps, ist eine Düngung auch jetzt im Herbst gesetzlich noch erlaubt. - © Josef Köhne
Düngezeit fast vorbei: Hauptsächlich düngen Landwirte ihre Felder im Frühjahr. Nur bei bestimmten Anbausorten, wie beispielsweise Winterraps, ist eine Düngung auch jetzt im Herbst gesetzlich noch erlaubt. | © Josef Köhne

Kreis Höxter Gelassenheit bei Diskussion um Gülle im Kreis Höxter

Grundwasserverschmutzung: Die EU-Kommission verklagt Deutschland wegen Verstößen gegen die Nitrat-Richtlinie

Kreis Höxter. Zu viel Nitrat im Grundwasser: Wegen angeblicher Gewässerverunreinigung muss sich Deutschland jetzt mit einer Klage des Europäischen Gerichtshof beschäftigen. Darin heißt es, Deutschland verstoße gegen die Nitrat-Richtlinie. Gesetzlich ist vorgeschrieben, dass die Nitratwerte im Grundwasser 50 Milligramm pro Liter nicht überschreiten dürfen. Der Vorwurf der EU-Kommission: Zu viel Dünger auf den deutschen Agrarflächen, der das Grundwasser langfristig belastet, so dass eine gesundheitsunbedenkliche Wasserqualität in einigen Regionen nicht sichergestellt werden kann. Meiste Messstände unter Grenzmarke Die Kreisstelle Höxter, Lippe und Paderborn der Landwirtschaftskammer Nordrhein Westfalen in Brakel sieht allerdings keine schwerwiegenden Probleme im Hinblick auf das Grundwasser im Kreis Höxter. Dienststellenleiter Josef Lammers erklärt: "Einzelne Grenzverstöße kann ich nicht ausschließen, aber generell haben wir hier mit überdurchschnittlicher Düngung und dadurch resultierenden hohen Nitratwerten im Grundwasser keine Probleme." Rund 97 Prozent aller Messstände im Kreis Höxter seien unter der Grenzmarke von 50 Milligram pro Liter, so Lammers. "Damit liegen wir im sehr guten Bereich." Auch an die Sperrfristen der Düngung halte man sich - diese seien dennoch immer abhängig von den verschiedenen Erntezeiten. Hauptsächlich düngen Landwirte aber im Frühjahr. Sorgenkind: Messstelle in Vörden Lammers verweist im Gespräch mit der Neuen Westfälischen auch auf eine Landkarte im Nährstoffbericht von 2014. Diese zeigt die chemischen Zustände der Grundwasserkörper in NRW. Das Gebiet zwischen Marienmünster und Brakel ist rot eingefärbt, was laut Legende einen "schlechten Zustand" diagnostiziert. Lammers: "Diese Aussage geht auf eine einzige Messstelle direkt in der Mitte von Vörden, unterhalb der Burg, zurück. Dadurch wird dann direkt das gesamte Einzugsgebiet rot eingefärbt. Noch wissen wir aber nicht, wie wir diese Quelle in den Griff bekommen können." Verhältnis von Tieren und Fläche passtAuch Heinrich Gabriel, Kreislandwirt für den Kreis Höxter, gibt Entwarnung für den Kreis, auch wenn er den Druck der EU auf die Landwirte in Deutschland durchaus als gerechtfertigt empfindet. Es gebe einige Regionen in Deutschland und auch in Nordrhein-Westfalen, die es mit Düngen übertreiben und mehr Dünger auf ihren Feldern verteilen würden, als die Pflanzen überhaupt verwerten könnten: "Es gibt mittlerweile einen richtigen Gülletourismus." Im Kreis Höxter komme es aber durch die vielen zur Verfügung stehenden Agrarflächen nicht zu einem Gülleüberfluss. Gabriel bestätigt, dass der Kreis sogar noch Düngemittel aus anderen Regionen aufnimmt. "Wir sind hier im Kreis Höxter in der glücklichen Lage, dass das Verhältnis von Tieren und Fläche noch passt." Dementsprechend könne man ohne Probleme weitere Düngemittel importieren, ohne dass ein Überschuss entstehe. Viele viehlose Betriebe schaffen mittlerweile sogar extra Lagerräume und spezielle Behälter, um anderen Regionen Gülle abnehmen zu können, so der Kreislandwirt. Düngerverordnung muss eingehalten werden Laut Gabriel sei der organische Dünger, wie Gülle, generell der beste Dünger überhaupt für die Landwirtschaft, um den Nährstoffkreislauf in Gang zu bringen. Trotzdem müsse man sich an die Düngeverordnung halten: 170 Kilogramm pro Hektar dürfen im Jahr nicht überschritten werden. "Gülle wird hier im Kreis sehr sinnvoll eingesetzt."  Somit habe man im Kreis Höxter letztlich auch keine Angst vor einer möglichen Verurteilung des Staates durch den Europäischen Gerichtshof. Sollte es dazu kommen, droht Deutschland eine Strafe in Milliardenhöhe. Auch zu einem Landwirtschaftsverbot für besonders belastete Flächen könnte es im schlimmsten Fall kommen. Gabriel: "Die Diskussionen in der EU sieht man hier in Höxter aber eher gelassen."

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