Der Krieg bricht aus: Die Menschen sind für den Kampf gerüstet. - © Katrin Schubert
Der Krieg bricht aus: Die Menschen sind für den Kampf gerüstet. | © Katrin Schubert

Stahle Theater: Griechische Götter auf der Freilichtbühne

Mehr als 200 Zuschauer sehen sich die Odysseus-Premiere nach der Vorlage des Dichters Homer an

Katrin Schubert

Stahle. Die monatelangen Vorbereitungen haben sich für die Teilnehmer des Theaterprojektes "Bunte Odyssee durchs junge Kulturland" ausgezahlt: Mehr als 200 Zuschauer kamen zur Premiere ihrer Eigenproduktion, die sie in den vergangenen vier Monaten unter der professionellen Anleitung der beiden Bielefelder Theaterpädagogen Canip Gündogdu und Daniel Scholz entwickelt haben. Frei nach Homers "Odysseus" präsentierten die Projektteilnehmer ihnen Zuschauern ein Stück, das zugleich poetisch und humorvoll war. Die einzelnen Szenen enthielten neben zahlreichen wichtigen Motiven des klassischen Mythos auch viele kreative Ideen der der Kinder und Jugendlichen. Und die Zuschauer haben genau deshalb auch allerhand Neues über griechische Götter erfahren: Diese ärgern sich heutzutage über die Menschen, weil sie nichts anderes mehr im Kopf haben als ihre Handys und Computerspiele. Menschlicher Sittenverfall und frevelhaftes Leben Das Stück, an dem insgesamt 19 Projektteilnehmer aus dem Kreis Höxter und ganz OWL mitgewirkt haben beginnt - wie wäre es auch anders zu erwarten - im Olymp. Hades, gespielt von Marek Ermler, ist dem menschlichen Sittenverfall und ihrem frevelhaften Leben dermaßen überdrüssig, dass er murrt: "Facebook, Twitter, Instagram . . . Die Menschheit hat sich den Verlockungen des Internets hingegeben." Er zieht sich schmollend in seine Unterwelt zurück. Bei einer Versammlung auf dem Olymp müssen die Götter dann ohnmächtig zusehen, wie die Menschheit immer weiter verroht. Zeus (Johanna Salmann) vergnügt sich dummerweise gerade im Urlaub und kann daher nicht zurate gezogen werden. Nachdem Amor (Luis Henri Fickert) einen Nervenzusammenbruch bekommen hat und kündigen will, wagt er sich gemeinsam mit Aphrodite (Judith Müller) zu den Menschen. Poseidon (Marie Düker) ist von dem Besuch auf Erden natürlich gar nicht begeistert und flutet die Welt aus lauter Zorn. Das Zeitalter des Krieges beginnt und das Chaos nimmt seinen Lauf. Die gesamte Inszenierung war gespickt mit reichlich Witz und originellen Ideen. Und die Freude beim Schauspielern war allen Teilnehmern anzusehen. Belohnt wurde das Team für seine Darbietung mit einem riesengroßen Applaus und Jubelrufen aus dem Publikum. Das Theaterprojekt, das vom Land Nordrhein-Westfalen und dem Kreis Höxter gefördert und vom Kulturförderverein Stahle unterstützt wurde, startete bereits in den Osterferien. Seit März fand einmal monatlich ein Probenwochenende statt. In der Woche vor den Aufführungen haben die Projektteilnehmer dann an der Freilichtbühne in Stahle gezeltet und intensiv geprobt. "Die ganze Woche war total toll, aber auch sehr anstrengend", erzählt die 16-jährige Laura Frank aus Wickede. "Wir haben sehr viel geprobt und mussten uns dabei auch richtig konzentrieren. Abends haben wir dann noch zusammen am Lagerfeuer gesessen." Internet gab es beim Zelten auf dem Feldberg natürlich nicht - aber Facebook, Twitter oder Instagram hat auch niemand wirklich vermisst. Zur Premiere am Samstagabend war auch ein Kameramann vom WDR Bielefeld gekommen. In der Aktuellen Stunde wird heute ein kurzer Beitrag über das OWL-weite Theaterprojekt ausgestrahlt, in dem auch Szenen aus dem Stück zu sehen sein werden.

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