In seinem Element: Karl Eisenlauer kennt sich mit Ikonen aus und präsentiert zwei seiner Schmuckstücke. - © Evelyn Waldt
In seinem Element: Karl Eisenlauer kennt sich mit Ikonen aus und präsentiert zwei seiner Schmuckstücke. | © Evelyn Waldt

Brenkhausen Galerist zeigt Heiligenbilder aus dem 17. Jahrhundert

Nur an diesem Wochenende ist die Ausstellung im Kloster zu sehen

Evelyn Waldt

Brenkhausen. In der westlichen Welt werden Ikonen in erster Linie als kunst- und kulturhistorische Gegenstände betrachtet. Für orthodoxe Christen sind sie jedoch obligatorischer Bestandteil ihres praktizierten Glaubens. Am Samstag und Sonntag, 30. April und 1. Mai, wird eine Sammlung von etwa 70 russischen und griechischen Ikonen aus dem 17. bis 20. Jahrhundert ausgestellt. Der Ikonen-Galerist Karl Eisenlauer erläutert die originalen Kultbilder im koptisch-orthodoxen Kloster in Brenkhausen, Propsteistraße 1a, zwischen 10 und 12 Uhr sowie zwischen 13 und 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Ikonen sind "Mittler für die Bitten der Gläubigen. Sie wirken in überirdischen Sphären bei Christus und Maria und dann zurück in die Welt", erklärt Eisenlauer. Die Heiligen seien für orthodox Gläubige "die Ansprechpartner vor Ort, ohne sie geht es nicht". Jeder Haushalt, ob arm oder reich, brauche etwa sechs bis acht Ikonen, sagt er, die auf einer Balustrade aufgestellt werden, weil das heilige Holz nicht durch einen Nagel beschädigt werden darf. Eisenlauer hat sich schon in seiner Kindheit als Ministrant für die, wie er sagt, "langnasigen Gesichter mit dem strengen Blick" interessiert. Inzwischen leitet er seit mehr als 40 Jahren mit seiner Frau eine Ikonen-Galerie in Autenried in Bayern. Fast jedes Wochenende tourt der 73-Jährige zudem mit seiner Sammlung durch Deutschland und erläutert die in unserem Kulturkreis nicht sehr verbreitete Glaubenspraxis. "Weder die Sängerin Madonna, noch ein Michael Schumacher können eine Ikone sein", darauf besteht er, "denn sie sind kein ,Abbild vom Urbild?. Und das ist die direkte Bedeutung des Wortes Ikone." Echte Ikonen wurden und werden noch heute ausschließlich in traditionellen Schulen streng nach den Vorlagen des "Stroganow Ikonen-Malerhandbuchs" gemalt. Etwa 30 Malschulen mit individuellen Stilen gebe es allein im ehemaligen Sowjetgebiet, erklärt er und zeigt auch in seiner Ausstellung Ausgaben des Malerhandbuchs. Die Ikonen-Schau vermittele einen Querschnitt unterschiedlicher Stile und Entstehungszeiten. Mehrere griechische Ikonen werden präsentiert, auch einige bulgarische und ungarische, der Fokus der Ausstellung liegt aber auf den russischen Malschulen. Die ältesten Bilder stammen aus dem 17. Jahrhundert, die jüngsten aus den 1970er und 1980er des 20. Jahrhunderts. Neben Maria und Jesus werden etwa 50 verschiedene Motive gezeigt. Sie sind hauptsächlich "mit Temperatechnik auf Goldgrund mit 24 Karat gemalt", sagt der Fachmann. "Manche Ikonen wurden zudem mit Schutzhüllen bedeckt, dem ,Oklad' oder ,Basma', meist aus Messing oder Silber." Eisenlauer kennt die Geschichten jeder einzelnen Ikone und will die Besucher "mit Herzblut" über Entstehung, Motivik und Stil informieren. Sie sollen so ein Verständnis für die theologische, aber auch die kunst- und kulturgeschichtliche Bedeutung der Heiligenbilder bekommen. In der Ausstellung werden unter anderem datierte Ikonen, Triptychons, Lupenmalereien und Festtagsikonen gezeigt. Als Raritäten nennt der Galerist etwa "eine seltene Festtagsikone der Auferstehung Christi um 1870", oder die "Patronatsikone aus Belarus um 1800, die einen versilberten und vergoldeten Oklad hat". Sämtliche Ikonen werden zum Verkauf angeboten. Sie haben eine verbriefte legale und verzollte Herkunft, erklärt der Sammler: "Wenn man so lange wie ich in dem Geschäft ist, hat man Kontakte zur Regierung in Russland. Die hat noch viele Ikonen im Bestand, die in der Oktoberrevolution von den Menschen beschlagnahmt wurden." Einen zusätzlichen kostenlosen Service bietet Eisenlauer: Von Besuchern mitgebrachte Ikonen werden begutachtet und Restaurierungsmöglichkeiten besprochen. Infos gibt es unter Tel. (01 72) 6 71 56 10.

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