Ausstellung: Anja Schoppmeier (v. l.), Regina Kieneke-Kiene und Ramona Gottschling mit der Ausstellung, die bis Freitag im Glasgang des Stadthauses am Petritor zu sehen ist. - © Simone Flörke
Ausstellung: Anja Schoppmeier (v. l.), Regina Kieneke-Kiene und Ramona Gottschling mit der Ausstellung, die bis Freitag im Glasgang des Stadthauses am Petritor zu sehen ist. | © Simone Flörke

Kreis Höxter/Höxter Minijob - Chance und Falle zugleich

Arbeitsmarkt: Schnell verdientes Geld, aber keine Vorsorge. Die zwei Seiten des Minijobs erläutert Gabriele Hanke vom Kompetenzzentrum Frau und Beruf OWL. Vor allem Frauen sollten achtsam sein

Amina Vieth
16.03.2016 | Stand 14.03.2016, 22:31 Uhr

Kreis Höxter/Höxter. Sprungbrett oder Klebeeffekt - beides kann der Minijob sein. Häufig ist es das schnell zur Verfügung stehende Geld, das den Reiz dieser Beschäftigung ausmache. Das sei legitim, doch an die Zukunft dächten nur wenige, erklärt Gabriele Hanke vom Kompetenzzentrum Frau und Beruf OWL. Wer sich für einen Minijob entscheidet, sollte alle Vor- und Nachteile beachten und nicht nur an das Jetzt denken, rät sie. Vor allem Frauen seien durch den Minijob von Altersarmut bedroht. Um die Vor- und Nachteile des Minijobs geht es auch in einer Ausstellung im Höxteraner Stadthaus. Sie ist Teil der Frauenaktionswochen. "Der Minijob ist ein guter Hinzuverdienst und ein guter Wiedereinstieg nach der Mutterschaft", sagt Hanke. Deswegen spreche diese Beschäftigungsform auch überwiegend verheiratete Frauen an - wie die Statistik belege. Es geht nach dem Ernährermodell: Der Mann arbeitet Vollzeit, die Frau erzieht die Kinder und möchte das Haushaltskonto ein wenig aufbessern. "Der Minijob passt für viele Frauen gut zu ihrer aktuellen Lebenssituation. Das ist völlig legitim", so Hanke. Doch es sei Vorsicht geboten. Denn vor allem im Minijob bestehe die Gefahr, nicht als vollwertiger Arbeitnehmer im Unternehmen wahrgenommen zu werden. "Viele wissen gar nicht, welche Ansprüche und Rechte sie im Unternehmen haben." Zudem sei das Ansehen dieser Beschäftigungsart nicht hoch. Minijobber würden häufig als geringfügig qualifiziert oder gebildet gelten, weil sie keiner qualifizierten Tätigkeit nachgehen. Doch das sei ein Irrglaube: "In Minijobs arbeiten Menschen mit den verschiedensten Qualifikationen, ob Geselle oder Akademiker." Wer wieder in seinen Beruf zurück will, sollte nicht lange im Minijob zu bleiben. "Umso länger man aus seinem eigentlichen Beruf raus ist, desto schwieriger ist der Wiedereinstieg", sagt Hanke und warnt vor dem "Klebeeffekt": Viele blieben im Minijob hängen, obwohl sie eigentlich nur für einen begrenzten Zeitraum diese Beschäftigung ausüben wollten. Das könne schwere Folgen haben - vor allem für Frauen. Doch darüber würden viele zunächst nicht nachdenken, die Konsequenzen häufig erst im Alter erleben. "Auch Frauen denken hauptsächlich an das Jetzt und das Geld in der Tasche. Doch man muss auch vorsorgen, vor allem für das Rentenalter", erklärt Hanke. Denn wer als Minijobber beschäftigt ist, zahle nicht in die Rentenversicherung ein, sei von Sozialabgaben und auch Steuern befreit. Das Modell Frau im Minijob könne nur so lange funktionieren, wie sie verheiratet ist und die Ehe hält. Bricht das Versorgermodell mit einem Vollverdiener weg, habe die Frau häufig kaum eine Chance, sich eine eigene Existenz aufzubauen. "Im Falle von Scheidung oder Tod des Ehemannes können Frauen schnell in die Armut rutschen", sagt Hanke. Im Alter sei die Armut geradezu vorprogrammiert, wenn die Frauen zuvor nicht aus dem Minijob rausgekommen sind. Der Minijob sollte als Chance und nicht als dauerhafte Beschäftigungsform gesehen werden, rät Hanke. Er sei durchaus eine Möglichkeit, wieder in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen zu kommen. Man müsse diese Chance aber auch nutzen. "Wer vom Minijob weg und in die Teil- oder Vollzeitarbeit will, sollte zunächst das Gespräch mit dem Arbeitgeber suchen und signalisieren, dass der Wunsch nach einer anderen Beschäftigung besteht." Förderlich sei es zudem, sich weiterzubilden. "Ohne Weiterbildung geht es heute nicht mehr", so Hanke. Wer sich fortbilden will, erhält Unterstützung, beispielsweise mit der Bildungsprämie. Damit werden Weiterbildungen für die berufliche Qualifizierung, fachliche Kompetenzen und Schlüsselkompetenzen gefördert. Das sind beispielsweise Sprachkurse oder EDV-Schulungen. Zudem gibt es den Bildungsscheck des Arbeitsministeriums NRW, finanziert aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds, erklärt Hanke. Gefördert werden damit berufliche Weiterbildungen für Beschäftigte in kleinen und mittleren Betrieben. Im Fokus stehen dabei Geringqualifizierte und weiterbildungsferne Beschäftigte. Mit dem Bildungsscheck erhalten Beschäftigte und Unternehmen einen Zuschuss von 50 Prozent, maximal 500 Euro, zu den Weiterbildungskosten. www.gfwhoexter.de Die Ausstellung zum Thema "Minijob - Minichance?" ist bis Freitag, 18. März, im Glasgang des Stadthauses Höxter zu sehen. Sie beinhaltet Informationen rund um den Minijob sowie Erfahrungsberichte von Frauen zu den Chancen und Risiken von Minijobs.

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